Franken Fürth: Laternenumzug muss Pegida weichen

Sankt-Martins-Umzug in unmittelbarer Nähe zu einer Pegida-Kundgebung? Das wollten eine Krippe aus Fürth nicht riskieren.

(Foto: dpa)

Der Sankt-Martins-Umzug der Krippenkinder war schon längst geplant, als das Ordnungsamt in Fürth am gleichen Platz eine Pegida-Kundgebung genehmigt. Die Stadt spricht von einem "Kommunikationsproblem".

Von Olaf Przybilla

Ein Sankt-Martins-Umzug, der Pegida weichen muss? Hört sich nach ganz schwachem Drehbuch an, ist aber kein schlechter Film, sondern in Fürth Realität geworden. Dort hat die Stadt für Freitag eine Kundgebung von Pegidisten an einem Ort genehmigt, auf dem längst ein Laternenumzug angemeldet war. Mit der Folge, dass der Umzug um eine Woche verschoben werden sollte.

Der Krippe "Königskinder" war die Konfrontation von Kindern mit Pegida und Gegendemonstranten zu riskant. Pegidisten dürfen also ungehindert marschieren. Und der Laternenumzug sollte zunächst für Freitag abgesagt werden.

Die Stadt Fürth, das ist das Gute an der Geschichte, versucht erst gar nicht zu widersprechen, dass ihr da ein peinlicher Lapsus unterlaufen ist. Das sei "richtig blöd gelaufen", sagt eine Stadtsprecherin. Man könne den Veranstalter, die Kirchengemeinde St. Michael, nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Keinesfalls habe der Eindruck entstehen sollen, dass Kinder mit Laternen in Fürth Erwachsenen mit Plakaten weichen müssen. Der Grund sei ein "Kommunikationsproblem in der Verwaltung" gewesen.

Die Genehmigung einer politischen Kundgebung unterliegt dem Versammlungsrecht, also ist das Ordnungsamt zuständig. Dieses habe aber den Laternenumzug nicht auf dem Schirm gehabt. Ursprünglich hatte der Marsch der Pegida Mittelfranken am Bahnhofplatz stattfinden sollen. Dort waren die Pegidisten zuletzt immer wieder aufmarschiert. Um Wirte und Einzelhändler diesmal zu schonen, habe man sich entschieden, auf eine Demonstrationsroute am Obstmarkt auszuweichen. Mit den genannten Folgen. Man versuche jetzt, erklärte Rechtsreferent Mathias Kreitinger am Freitag, den Laternenumzug "in abgeänderter Form" doch noch stattfinden zu lassen.

Dass die Pegida ihre Veranstaltung unter das Motto "Sankt Martin und seine heutige Bedeutung" gestellt hat, ärgert Pfarrer Hans-Ulrich Pschierer besonders. "Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen", sagt er. Aber es enttäusche ihn auch, dass die Stadt nicht einen Gerichtsstreit mit Pegida angestrengt - und den Marsch an der Stelle verboten habe. "Da hätte ich mir schon mehr erwartet", sagt der Pfarrer.

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