Der Regensburger Student Tennessee Eisenberg wurde im April durch Polizeischüsse getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelte - und verzichtet auf eine Anklage der Beamten.
Entscheidung in Regensburg: Im Fall des von Polizisten getöteten Studenten Tennessee Eisenberg verzichtet die Staatsanwaltschaft auf eine Anklage der beiden Beamten.
Getötet durch Polizeischüsse: Tennessee Eisenberg (© Archiv-Foto: oh)
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Die umfangreichen Ermittlungen hätten zu dem Ergebnis geführt, dass der Einsatz der dienstlichen Schusswaffen durch die Beamten durch Nothilfe beziehungsweise Notwehr "geboten und damit gerechtfertigt" gewesen sei, teilte die Staatsanwaltschaft an diesem Montag mit.
Die beteiligten Polizisten hätten deshalb nicht rechtswidrig gehandelt. Die Familie Eisenberg hatte dagegen unter Berufung auf ein rechtsmedizinisches Gutachten Zweifel daran geäußert, dass die Voraussetzungen einer Notwehr vorlagen.
Der 24-jährige Student war am 30. April in seinem Haus erschossen worden. Er hatte mit einem Messer seinen Mitbewohner bedroht, der die Polizei verständigte. Die Beamten konnten den jungen Mann weder mit Pfefferspray noch mit einem Schlagstock überwältigen. Daraufhin wurde er durch insgesamt zwölf Polizeikugeln schwer verletzt. Er starb noch am selben Tag in einem Regensburger Krankenhaus.
13 Gutachten ausgewertet
Ausgehend von der "Gesamtsachlage" besteht laut Staatsanwaltschaft "kein genügender Anlass", die beiden Beschuldigten wegen gefährlicher Körperverletzung oder Totschlags anzuklagen. Anklage dürfe nur erhoben werden, wenn eine Verurteilung wahrscheinlich erscheine.
Dies sei hier nicht der Fall. Für alle am Einsatz beteiligten Polizisten habe nach deren Informationslage bei Eintreffen am Einsatzort "zumindest der Verdacht eines Vergehens der Bedrohung" bestanden.
Das Motiv des Studenten, mit einem Messer auf seinen Mitbewohner und später die Polizisten loszugehen, konnten die Ermittler nicht klären.
Hinweise auf den Konsum von Alkohol oder Drogen ergaben die Untersuchungen nicht. Mehrere Bekannte des 24-Jährigen berichteten den Ermittlern aber von "Änderungen im psychischen Befinden" Eisenbergs.
Die Staatsanwaltschaft wertete den Angaben zufolge im Laufe ihrer Ermittlungen 13 Gutachten von Sachverständigen aus, 38 Vernehmungen von Zeugen sowie eine neun Stunden dauernde Tatrekonstruktion.
"Klares Ergebnis"
Insbesondere aufgrund der Tatrekonstruktion sieht der Anwalt der Familie, Helmut von Kietzell, nach wie vor "keinen Anhalt dafür, dass hier wirklich eine Notwehrsituation vorgelegen hat". Eine wirkliche Bedrohung der Polizisten sei nicht geschildert, sondern "ein junger Mann, der mit einem Messer dasteht", betonte Kietzell. "Aber es ist nicht geschildert zum Beispiel, dass dieser junge Mann auch zugestochen hat oder versucht hat, zuzustechen."
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach dagegen von einem "klaren Ergebnis" der Staatsanwaltschaft, die genügend ermittelt habe. Für die Beamten sei es gerade vor Weihnachten "eine große Erleichterung", dass sie wüssten, woran sie seien. Natürlich seien seine Gedanken auch bei den Eltern des Studenten, die ihren Sohn an den Feiertagen sicher besonders vermissen würden.
Herrmann sprach von einem "tragischen Ereignis". Man müsse aber auch verstehen, "dass die Polizeibeamten in dieser Situation sich auch wehren mussten".
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(ddp-bay/plin/gba)
Kuriose Schilder (4)
Die neueste Antwort
wir werden es nicht erfahren.
Der Fall wurde intern (von genau DER StA, deren Chef auch oberster Ploizist ist) eingestellt. Wie im SZ-Kommentar zurecht gefragt: ob er wohl auch eingestellt würde, wenn 8 Studenten einen Polizisten erschossen hätten?
Abseits jeder Zynik und Polemik:
Die Bürger haben ganz einfach *ein Recht darauf*, dass dieser Fall auf einer öffentlichen Gerichtsverhandlung ins Licht gezerrt wird. Diese Heimlichtuerei ergibt doch nur einen 1A Nährboden für Verschwörungstheorien, Mißtrauen gegen die Polizei, Gerüchten usw. usf.
Ganz ehrlich: wen nich in Bedrängnis bin, hole ich eher den Milchmann, bevor ich die Grünen hole. Und das kommt eben davon. DAS ist das Bild, welches durch so ein Verhalten in der Öffentlichkeit erzeugt wird. Aber wie sagt man bei uns: SZ.
DW
Nicht jeder Einsatz läut immer auch so ab, wie sich das der Kommentator im Sessel zuhause vorstellt.
Mehr dazu auch hier noch:
Zitat aus der FR:
"Im Gang hätte der Musikstudent Tennessee Eisenberg gestanden, noch immer mit dem Messer in der Hand. "Messer weg oder ich schieße", soll einer der Polizisten gerufen haben. Nachdem dieser nicht reagiert habe, sollen die Beamten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt haben. Doch der Student sei mit dem Messer auf die Beamten zugegangen, und als diese mit den Schusswaffen gedroht hätten, habe Eisenberg gesagt: "Dann erschießt mich halt!"
Weder ein Warnschuss noch gezielte Schüsse in Knie und Arm hätten Eisenberg stoppen können, so die Staatsanwaltschaft. Der Student sei vielmehr auf den Beamten in der Raumecke zugegangen. Nach der Tatrekonstruktion gehen die Ermittler davon aus, dass ein Beamter seine Schusswaffe bei der Flucht verlor, Eisenberg nur noch etwa einen Meter entfernt war und einer der nun beschuldigten Beamten, der letztlich den tödlichen Schuss abgab, durch einen Mauervorsprung nicht weiter zurückweichen konnte."
3xw.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=2158723
Wer wurde denn von einem Unberechenbaren mit einem Messer schon einmal angegriffen und konnte nicht mehr richtig ausweichen?
selbstaendig
diese nach "Freibrief" riechende Argumentation der Staatsanwaltschaft. Klar hackt eine Krähe der anderen nach Möglichkeit kein Auge aus, aber das 8 Polüpen -1nen mit einem "Messer" bewaffneten Studi nicht mit Muskelkraft zum Boden bringen ist erbärmlich und zeigt mal mehr, wie schwach viele Polizeibeamte psychologisch sind. Hier gehört dringend Nachgebessert, immerhin leisten diese Brüder "Dienst an der Waffe" und dieser setzt starke und belastbare Nerven sowie den größtmöglichen Überblick gerade in Stresssituationen voraus. (Eigentlich)
Aber, wenn die Typen ehrlich sein könnten, tun viele Ihren Job als Polizeibeamter nur der Uniform und der damit verbunden Pivilegien (Macht) wegen. (Ich bin wer, ich hab was zu sagen, ich darf Dich pisacken...) ohne diese Uniform fallen viele als unscheinbare Person zusammen und gehen im Brei aller Nichtbeamten unter.
"Eisenberg stach mehrmals auf seinen Mitbewohner ein, der den Stichen jedoch ausweichen konnte. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Mitbewohner die Hände des Angreifers festhalten konnte, worauf sich das Geschehen wieder in den Flur verlagerte."
schon komisch. Der Mitbewohner kann den Stichen offenbar ausweichen, kann sogar die Hände des Angreifers festhalten, ohne verletzt zu werden. 8 schwerbewaffnete Profis schaffen das nicht. Ich schlage deshalb vor, dass die beteiligten Beamten mit dem Mitbewohner tauschen, offenbar ist dieser - ganz ohne Ausbildung - weit besser geeignet, messerstechende Amokläufer non-letal zu entwaffnen.
DW
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