Diskussion um Zugspitz-Werbung Das ist der Gipfel

Hat da jemand das Gipfelkreuz von der Zugspitze geklaut? In einem Werbekatalog für arabische Touristen wird das Bergpanorama ohne das berühmte Touristenziel gezeigt. Aus religiöser Rücksichtnahme, wird gemunkelt. Die Garmischer wundern sich über diese Interpretation.

Von Ingrid Fuchs und Oliver Hollenstein

Kreuze sind in Bayern immer für einen Aufreger gut. Vor 17 Jahren hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass Kinder in bayerischen Klassenräumen nicht vom Anblick eines Kreuzes belästigt werden dürfen - und löste damit eine hitzige Debatte aus.

Spanische Touristen werden mit Gipfelkreuz zur Zugspitze gelockt (Foto links), Gäste aus arabischen Ländern ohne (Foto rechts).

(Foto: oh)

Heute hängt in den meisten Klassenzimmern immer noch ein Kreuz. Sobald es jemanden stört, wird es abgehängt. Keine große Sache mehr. Aber wenn gerade ein Bischof Bestrafung von Blasphemie gefordert hat, wenn es um das höchste Kreuz Deutschlands geht, 300 Kilo schwer, 4,88 Meter hoch, vergoldet, 2962 Meter über dem Meeresspiegel, dann scheint das Kreuz immer noch für einen Wirbel gut.

"Die Tourismusregion Garmisch-Partenkirchen hat in einem Werbeprospekt für den arabischen Raum das Gipfelkreuz der Zugspitze wegretuschiert", vermeldete der päpstliche Radiosender Radio Vatikan am Wochenende. Das berühmte goldene Kreuz auf Deutschlands höchstem Berg, ein Markenzeichen, ein kultureller Identifikationspunkt - aus religiöser Rücksichtnahme wegretuschiert?

"Das hat mich im ersten Moment ganz schön erschrocken", sagt Andreas Lackermeier, Pfarrer von Garmisch-Partenkirchen und damit auch für die Kapelle und das Kreuz an der Zugspitze zuständig. Er habe er sich sofort bei der bayerischen Zugspitzbahn erkundigt.

Die widersprach Radio Vatikan am Montag in einer Pressemitteilung: Das Bild sei nicht retuschiert worden. Und mit der Broschüre sollten "weder das Gipfelkreuz noch christliche Werte verleugnet werden".

Aber was war passiert? Eigentlich wollten die Verantwortlichen der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG nur ihren Job machen, also Geld verdienen, was für sie heißt: Mehr Menschen auf Deutschlands höchsten Berg bringen, in diesem Fall reiche Gäste aus dem arabischen Raum.

Das Geschäft mit muslimischen Gästen boomt in Bayern. In den vergangenen zehn Jahren hat sich deren Zahl vervierfacht. Vor allem seitdem in anderen europäischen Ländern Burkas verboten wurden, sind München und Umgebung für reiche Scheichs ein beliebtes Reiseziel.

Nur die Garmischer fühlen sich irgendwie übergangen von den Reisenden, die laut Tourismusverband pro Person täglich bis zu 1000 Euro ausgeben. Nur 3000 muslimische Übernachtungsgäste in Garmisch, 150.000 beim österreichischen Nachbaren Zell am See - ein eklatantes Missverhältnis sei das, beschwerten sich die Tourismusmanager.