Der Fall Mixa Die Tragik des Bischofs, die Tragik der Kirche

Die Causa Mixa ist menschlich tragisch, weil der ehemalige Bischof in seiner eigenen Welt lebt. Darüber hinaus offenbart der Fall auch die Tragik der katholischen Kirche.

Ein Kommentar von M. Drobinski

Ein tragischer Fall, ja, das ist die Causa Mixa. Menschlich tragisch, weil der ehemalige Augsburger Bischof in seiner parallelen Welt lebt, nur seine eigene Geschichte sieht, die so offenkundig von jener der andern abweicht. Nicht, dass er sich verteidigt, dass er um seine Reputation kämpft, ist das Problem, das ist sein Recht, schon um seiner Selbstachtung willen. Das Problem ist, wie Walter Mixa das tut, wie er ins Bischofshaus zurückkehrt, als sei nichts geschehen, wie er Interviews gibt, die Einblicke in eine Welt geben, in der die Wahrnehmung über die Wahrheitssuche siegt. Auch wenn die Vorwürfe nur halb so schwer wögen, täte der Bischof gut daran, sich zurückzuziehen, intern an der Aufklärung der Anschuldigungen mitzuwirken, nach außen zu schweigen. Er tut es nicht, er kann es nicht, weil dann die Welt zusammenbräche, in der er lebt.

Doch über die menschliche Tragik hinaus offenbart der Fall des Augsburger Bischofs auch die Tragik der katholischen Kirche, der es an den institutionellen Mitteln fehlt, um mit einem solchen Fall umzugehen - und an der Offenheit, die gerade jetzt nötig wäre. Es sehen ja auch jene nicht gut aus, die, wahrscheinlich sogar aus berechtigten Gründen den Rücktritt ihres Amtsbruders Walter Mixa für unausweichlich hielten: die Diözesanleitung in Augsburg, die Erzbischöfe Reinhard Marx und Robert Zollitsch. Sie reden nicht offen darüber, warum sie diesen Amtsverzicht für notwendig halten. Sie schweigen, während die Gerüchteküche brodelt, während sich der Bischof als Mobbing-Opfer darstellt, während im Bistum Augsburg der Graben zwischen Mixa-Getreuen und Mixa-Gegnern immer tiefer wird und im ganzen Land brave Katholiken immer weniger wissen, was sie von ihre Kirche halten sollen.

Es wäre der Fall Mixa eigentlich ein Fall für eine unabhängige innerkirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit, für einen Richter, der prüft, wie schwer die Vorwürfe wiegen, der Gutachter bestellen kann, die den körperlichen und seelischen Zustand des Bischofs untersuchen. Eine Instanz, in der die Anwälte beider Seiten Argumente und Belege vorbringen. Nur gibt es in der katholischen Kirche keine derart unabhängige Justiz, kein befriedigendes Verfahren, das klären könnte, ob ein Amtsträger noch amtsfähig ist oder nicht. Es bleibt in diesem System nur der Weg, den Druck auf den Bischof zu erhöhen in der Hoffnung, dass er von sich aus Einsicht zeigt. Es ist zwangsläufig ein Verfahren, bei dem Verletzungen unvermeidlich sind.

Die Tragödie um den amtsentpflichteten Bischof Mixa wird erst enden, wenn Offenheit herrscht, wenn entweder die Erzbischöfe Marx und Zollitsch klar sagen, was sie bewegte, so sehr auf den Rücktritt des Bischofs zu drängen, oder der Papst spätestens im Juli klar und deutlich sagt dass die beiden richtig gehandelt haben. So schmerzhaft es für die katholische Kirche sein mag: In diesem Fall ist das Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzuziehen.