CSU und Leitkultur:Schützt den Schweinsbraten!

Lesezeit: 1 min

Der Vorschlag mit der Leitkultur stammt von ihm: Thomas Kreuzer, CSU-Fraktionsvorsitzender der bayerischen Landtagsfraktion. (Foto: dpa)

Was ist eigentlich diese Leitkultur, die die CSU in der Verfassung verankern will? Die Debatte darüber belegt im Grunde nur eines: dass die Partei die Hosen voll hat.

Kommentar von Sebastian Beck

Es vergeht inzwischen kaum noch ein Tag, ohne einen neuen Vorschlag der CSU zur Flüchtlingsdebatte. Wäre die Partei beispielsweise auf dem Gebiet der Energiepolitik genauso kreativ, dann würde Bayern schon in einem Jahr zu hundert Prozent mit Solarstrom versorgt. Der Montagsvorschlag stammt von Fraktionschef Thomas Kreuzer, der Leitkultur und zentrale Werte in der Bayerischen Verfassung verankern will.

Wahrscheinlich sitzt Markus Söder, der Staatsminister für sämtliche Fragen des Universums, bereits an einem Mittwochs-, Donnerstags- und Freitagsvorschlag. Nur mal so ein Tipp: An Muslimen ist ja besonders störend, dass sie dem Schweinsbraten distanziert bis offen ablehnend gegenüberstehen. Dabei gehört der Schweinsbraten zur bayerischen Leitkultur, er ist in der Verbindung mit Kraut und Semmelknödeln ein Wert an sich. Deshalb sollten der Schweinsbraten und dessen Schutz dringend Verfassungsrang erhalten.

Die diversen Initiativen sind ein Beleg dafür, dass vor allem in der CSU die Stimmung gekippt ist: Die Partei drängt sich geradezu angstschlotternd in der rechten Ecke zusammen. Ab und zu weist Ministerpräsident Horst Seehofer zwar noch drauf hin, dass Menschen nach Bayern kommen, die Schutz brauchen, weil in der Heimat Leid und Tod auf sie wartet. Die Fußnote nach solchen Sätzen ist inzwischen aber länger als der Beipackzettel eines Antibiotikums.

Wildbad Kreuth
:CSU entdeckt die Leitkultur neu

Respekt vor Frauen, Hilfe für Schwache und Schwimmunterricht für Mädchen: Die CSU erstellt einen Forderungskatalog für Flüchtlinge. Er soll auch in die Verfassung aufgenommen werden.

Von Wolfgang Wittl

So schwierig die Situation auch sein mag: Dass die CSU angesichts von 150 000 Flüchtlingen in Bayern die Hosen so gestrichen voll hat, kann einem ebenso große Sorgen machen wie der Andrang an den Grenzen. Auf einmal klammert sich die Partei wieder an die Leitkultur, von der auch nach jahrelanger Diskussion niemand genau sagen kann, was sie eigentlich bedeutet - außer, dass sich Menschen an die Gesetze zu halten haben. Gleichberechtigung? Respekt vor Frauen? Da könnte auch der ein oder andere aus der CSU-Spitze im Integrationskurs noch was dazulernen, obwohl all das längst in der Verfassung steht.

© SZ vom 19.01.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Bayern
:Edmund Stoiber - der Zeus der CSU

In der Partei ist derzeit ein Wunder zu beobachten: Edmund Stoibers spektakuläre Auferstehung. Er hält die scharfen Reden, auf die die CSU offensichtlich wartet.

Kommentar von Heribert Prantl

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: