CSU-Politiker Hans Maier wird 80 "Völlig außer Kontrolle"

Der langjährige Kultusminister Hans Maier wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Er war immer ein Freigeist - von Franz Josef Strauß ließ er sich nicht unterkriegen, nun kämpft er mit dem Papst und der Kirche.

Interview: Peter Fahrenholz und Annette Ramelsberger

Noch kein CSU-Politiker hat Franz Josef Strauß so kritisch beschrieben wie Sie in Ihrem Buch. Haben sich die alten Strauß-Jünger schon gemeldet?

Bisher nicht. Da herrscht Schweigen. Im Übrigen habe ich ja versucht, das Positive und das Negative ein wenig abzuwägen - was gar nicht leicht war. Ich habe Strauß immer bewundert als Redner, als Mann aus dem Volk. Schwierig war es, wenn er plötzlich ausrastete und sich in wenigen Sekunden in ein Bündel von Wut und Aggression verwandelte. Dann war er oft nicht mehr Herr seiner selbst.

Klingt nicht sehr schmeichelhaft.

Das war auch ganz schwierig. Ich habe immer gedacht, ein Politiker muss sich doch vor allem selber beherrschen. Wenn einer so völlig außer Kontrolle gerät, der wird nie ganz oben landen. Und da wollte Strauß ja immer hin.

Woran entzündeten sich die Konflikte?

Manchmal genügten einzelne Worte. Ich habe einmal gesagt: Ach, das ist doch ein Kasperltheater. Da hat er sich fürchterlich aufgeregt. Nimm das zurück, nimm das zurück, hat er mich angebrüllt. Aber meist waren es sachliche Konflikte. Sehr übel genommen hat er auch Solidarität mit Gegnern. Schade, sehr schade.

Konnte Strauß vielleicht einfach nicht ertragen, dass ihm jemand an Bildung ebenbürtig war? Waren Sie nicht ehrerbietig und unterwürfig genug?

Er hatte einen anderen Politikstil als ich. Strauß bezog alles ein, auch die Familie. Bei mir war das Persönliche immer außerhalb der Politik, bei Strauß war es mittendrin. Er hat mir zum Beispiel übel genommen, dass ich bei der Hochzeit seiner Tochter nicht dabei war. Da hat er das ganze Kabinett eingeladen. Die fuhren da mit der Kutsche über den Marienplatz, das ging mir gegen den Strich. Ich habe Politik immer aufgefasst als eine zeitlich befristete Aufgabe. Er dagegen war ein Politiker von Grund auf, ein...

...politisches Tier..

Ja, genau. Das muss man anerkennen. Aber ich muss betonen: Lange Zeit haben wir uns gut verstanden. Aber so von 1982 bis 1986, da wurde es immer schwieriger. Wobei ich das auch ein bisschen seiner Junggarde zuschreibe, die die Konflikte verschärft hat.

Sie meinen Tandler, Stoiber...

Ja, Tandler vor allem, auch Stoiber und Gauweiler. Der ist ja inzwischen auch vernünftiger und anarchischer geworden.

Nun ist ja auch Horst Seehofer ein Politiker, der Politik oft aus dem Bauch heraus macht. Entdecken Sie da Ähnlichkeiten zum Regierungsstil von Strauß?

Strauß hat sicher manches aus dem Bauch heraus beurteilt. Aber es ging bei ihm dann immer durch einen Filter von Abwägung und Überlegung. Daraus resultierte auch sein Zögern. Strauß war oft hin- und hergerissen zwischen dem Instinkt, der ihn leitete und dem scharfen Verstand, der ihn kontrollierte. Wenn er denn den Verstand zu Wort kommen ließ.

Seehofer ist impulsiver?

Ich glaube, er ist impulsiver. Aber nicht ohne zu kalkulieren. Er macht nicht alles aus dem Augenblick.