CSU-Oberbayern: Suche nach neuem Chef Die Variante Aigner

Die oberbayerische CSU braucht einen neuen Vorsitzenden und Agrarministerin Aigner hat die besten Chancen - wenn sie möchte. Und dann ist da noch eine andere ambitionierte Parteifreundin.

Von Mike Szymanski

Nur noch wenige Wochen, und in der Männerpartei CSU beginnt das Jahr der Frauen. Die Plakate werden schon gedruckt. "Ladies first - 2011 ist Ihr Jahr" - steht drauf. Und für eine Frau dürfte das im ganz besonderen Maße gelten: Ilse Aigner, 46 Jahre, Bundeslandwirtschaftsministerin.

Parteichef Horst Seehofer soll regelrecht entzückt sein von der Idee, dass Ilse Aigner Chefin der Oberbayern-CSU werden soll.

(Foto: dpa)

Im nächsten Jahr kann die CSU zeigen, wie ernst sie es tatsächlich meint mit der Ankündigung, Frauen besser zu fördern. Auf dem Parteitag hatte sich die CSU unter größten Schmerzen eine Frauenquote auferlegt - 40 Prozent der Vorstände auf Landes- und Bezirksebene sollen künftig mit Frauen besetzt werden. Wie es der Zufall so will, wird 2011 der Chefposten der mächtigen Oberbayern-CSU frei. Weil es den derzeitigen Vorsitzenden, den politikmüden Staatskanzleichef Siegfried Schneider, an die Spitze der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) zieht, muss er seinen Posten räumen. Jetzt suchen die Oberbayern eine Führungskraft.

Es ist nicht irgendein Posten, der hier zu vergeben ist. Der Bezirksverband fühlt sich als Herzkammer der CSU, mit 42.000 Mitgliedern ist er mit Abstand der größte aller Bezirksverbände und vereint allein ein Viertel aller Parteimitglieder bei sich. Wer diese Truppe hinter sich weiß, ist mächtiger als jeder Parteivize und darf Ansprüche auch auf das Amt des Ministerpräsidenten anmelden.

Anwärter für den Bezirksvorsitz gibt es mehrere. Zwar hat noch keiner seine Bewerbung offiziell abgegeben. Aber Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon und Sozialministerin Christine Haderthauer werden schon als Kandidaten gehandelt. Die besten Chancen jedoch hat ausgerechnet jene Frau, die es am wenigsten auf den Vorsitz abgesehen hat: Ilse Aigner.

Aigner hat einmal über sich gesagt: "Wenn Machtwille nur das Streben nach neuen Posten bedeutet, ist mir das persönlich zuwider", und das war nicht nur geflunkert. Sie gehört zur überschaubaren Gruppe derer in der Politik, die es ohne ausgeprägten Killerinstinkt auf der einen und Anbiederei auf der anderen Seite sehr weit nach oben geschafft haben. Im Oberland freuen sich die Bauern, trotzdem noch mit ihr gelegentlich schafkopfen zu können. Wie aus ihrem Umfeld verlautet, ist sie alles andere als "begeistert hinter dem Posten her". Ein Bezirksvorsitz bedeutet viel Arbeit, sie hat aber als Bundesministerin viel um die Ohren.

Bisher hat Aigner nicht erkennen lassen, wie sie sich entscheiden wird. Vielleicht weiß sie es einfach noch nicht. Es dürfte aber schwer werden für sie, sich dieser Aufgabe zu entziehen. Auch wenn Karl-Theodor zu Guttenbergs Bezirksverband Oberfranken viel kleiner ist, macht der Verteidigungsminister vor, dass die Arbeit zu schaffen ist. Schwerer wiegt noch, dass sich Aigner als Frau nicht aus der Verantwortung stehlen kann. Sie gehörte zu den Frauenquoten- Befürwortern auf dem Parteitag. Sie würde sich unglaubwürdig machen, wenn sie nun als Frau einen der wichtigsten Posten in ihrer Partei ausschlägt. Klaus Stöttner, der Chef des einflussreichen Kreisverbandes Rosenheim-Land, erinnert noch einmal daran, worum es geht: "Jeder, der in der CSU etwas zu sagen haben will, sollte Interesse an diesem Posten zeigen."

CSU-Chef Horst Seehofer jedenfalls ist dem Vernehmen nach ganz entzückt von der Variante Aigner. Deutlicher könnte er nicht unterstreichen, dass Frauen heute in der Partei ausdrücklich erwünscht seien. Aigner wäre überdies eine sehr bequeme Lösung für die Partei. Wenn sie es nicht macht, müssten es Haderthauer und Fahrenschon unter sich ausmachen, wer Schneiders Nachfolge antritt.

Anders als Aigner werden den beiden aber Ambitionen nachgesagt, einmal Ministerpräsident werden zu wollen. Zwar ist Fahrenschon heute bereits Vize-Bezirkschef und kann unter anderem auf Schneiders Unterstützung und den immer noch sehr einflussreichen Alois Glück bauen. Andererseits ist das Lager derer, die meinen, jetzt müsste eine Frau her, nicht zu unterschätzen. Auch Haderthauer wäre keinesfalls chancenlos, obwohl ihr forsches Auftreten nicht überall ankommt. Sowohl Fahrenschon als auch Haderthauer haben ein großes Interesse, dass ihr jeweiliger Rivale nicht zum Zuge kommt. Dann lieber Aigner, mit ihr wird beiden jedenfalls nichts verbaut.

Als unwahrscheinlich gilt der Fall, dass es zu einer Kampfabstimmung kommt. Aigner und Fahrenschon verbindet ein fast schon freundschaftliches Verhältnis. Im direkten Duell Aigner und Haderthauer hätte Haderthauer keine Chance. Dass mit Haderthauer und Fahrenschon zwei Kabinettskollegen gegeneinander antreten, wird Seehofer nicht zulassen. Im Grunde muss Aigner nur den Finger heben. Einer aus der Oberbayern-CSU sagt: "So preiswert war dieser Posten noch nie zu haben."