Brustkrebs Lächeln im Angesicht des Todes

Marion Glashauser bei der Chemotherapie im Klinikum Landshut.

(Foto: Dietrich Mittler)

Der Brustkrebs ist zurückgekommen. Bereits zum zweitem Mal ist Marion Glashauser erkrankt, ihr bleibt womöglich nicht mehr viel Zeit. Doch unterkriegen lässt sich die Mutter zweier Töchter nicht - noch während der Chemotherapie plant sie ihren Urlaub.

Von Dietrich Mittler

Marion Glashauser schlüpft aus ihren roten Schuhen, gleitet behände in einen Liegestuhl aus grauem Kunstleder und lässt den Blick kurz zur Fensterfront des Behandlungszimmers im Klinikum Landshut streifen, durch die die Mittagssonne hereinscheint. Doch mit den Gedanken ist die 35-Jährige ganz woanders.

Mit einer Luxuslimousine ist sie abgeholt worden - sie, ihr Mann, ihre Töchter. Die Limousine fuhr los, Marion Glashauser wusste nicht wohin, und als sich die Wagentür öffnete, standen da alle ihre Schwestern, die Freunde, die ehemaligen Kollegen vor ihr. Kurz darauf deutete eine ihrer sechs Schwestern auf Fotos aus dem spanischen Urlaubsort Alicante. Dort wird die zweifache Mutter mit ihrer Familie nun Urlaub machen.

Alle haben für sie Geld gesammelt. "Ich könnte immer noch weinen, wenn ich daran denke", sagt sie. Eine Krankenschwester nickt. Dann prüft sie die Ampullen, die Marion Glashauser auf die Chemotherapie vorbereiten sollen.

Der Krebs ist zurückgekommen, wieder in die rechte Brust. Die Ärzte im Klinikum Landshut haben ihrer Patientin eröffnet, sie könnten außer der Chemotherapie nichts mehr für sie tun. Die Krankheit lasse sich nur noch aufhalten. "Wie lange ich damit leben kann, weiß niemand", sagt sie. Aber sie sei schon immer eine Kämpferin gewesen.

Nicht unterkriegen lassen

Als Sechsjährige sei sie von einem Auto angefahren worden, und damals hätten die Ärzte ihrer Mutter bedeutet: "Sie müssen jetzt drei Tage warten - entweder sie schafft es, oder sie schafft es nicht." Die Konfrontation mit dem Tod ist für Marion Glashauser etwas Vertrautes. "Und heute stehe ich immer noch da", sagt sie, "ich lasse mich vom Krebs nicht unterkriegen. Ich bin viel zu jung für das Ganze."

Brustkrebs ist mit fast 32 Prozent aller Neuerkrankungen die mit Abstand häufigste Tumorerkrankung. Aus dem erst vor wenigen Monaten präsentierten Bayerischen Krebsbericht geht hervor, dass im Jahr 2010 im Freistaat 10 067 Fälle bekannt wurden - in der weit überwiegenden Mehrzahl bei Frauen. Die Überlebenschancen sind im Vergleich zu früher relativ hoch, 2011 starben in Bayern 2672 der an Brustkrebs erkrankten Patientinnen - das sind 17,9 Prozent. Dass die Zahl nicht höher ist, ist größtenteils ein Verdienst der Früherkennung und der weiterentwickelten Behandlungsmethoden.

Bis zum Jahresende läuft noch die Kampagne der Staatsregierung gegen den Krebstod. Gesundheitsminister Marcel Huber ist der festen Überzeugung, dass mehr Leben gerettet werden könnten. "Bislang nimmt nur knapp jede zweite Frau dieses Angebot wahr", sagt er. Alle Frauen im Alter von 50 Jahren an, so appelliert er, sollten das "maßgeschneiderte Screening-Angebot nutzen".

Aber auch jüngere Frauen will Huber in den nächsten Monaten noch für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen gewinnen. Marion Glashauser war 25 Jahre alt, als sie unter der Dusche bemerkte, dass sich bei ihr die rechte Brustwarze nach innen wölbte. Ihre erstgeborene Tochter Celina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Monate alt. Die junge Mutter ging sofort zum Arzt, kurz darauf wurde der Tumor operativ entfernt.

Alle drei Wochen musste Marion Glashauser danach zur Chemotherapie ins Krankenhaus fahren, es folgten Bestrahlungen und eine Hormonbehandlung. Die nachfolgenden Kontrollen im Krankenhaus gaben ihr Zuversicht: keine Metastasen gesichtet, auch die Lymphknoten waren frei. "Ich habe meine Therapie bis zum Schluss durchgezogen und war dann acht Jahre lang krebsfrei", sagt sie.