Binnenschifffahrt Der Main-Donau-Kanal ist ein kompletter Fehlschlag

Ein eher seltener Anblick: ein Frachtschiff auf dem Main-Donau-Kanal. Wirtschaftlich gesehen ist die Wasserstraße ein Flop.

(Foto: dpa)

Die Naturschäden sind enorm, das Frachtaufkommen hat einen Tiefpunkt erreicht. Trotzdem wird das 25-jährige Bestehen der Wasserstraße gefeiert.

Von Christian Sebald, Beilngries

Für die einen ist und bleibt der Main-Donau-Kanal eine Lebensader und ein Meisterwerk der Technik, die anderen zählen ihn zu den größten Naturfreveln und Milliarden-Fehlinvestitionen im Freistaat. Dieses Jahr feiert die 171 Kilometer lange Wasserstraße, die bei Kelheim von der Donau abzweigt, nahe dem mittelfränkischen Hilpoltstein die europäische Wasserscheide überwindet und bei Bamberg in den Main mündet und so eine Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Nordsee herstellt, ihr 25-jähriges Bestehen. "Der Main-Donau-Kanal ist ein völlig unsinniges und naturzerstörerisches Prestigeprojekt", sagt der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), Hubert Weiger. "Er ist ein einziger ökologisch-ökonomischer Albtraum."

Auch nach 25 Jahren sind für die Naturschützer die vielen Wunden, die das 2,3-Milliarden-Euro-Projekt vor allem in das Altmühltal geschlagen hat, nicht geheilt, sondern allenfalls vernarbt. Zwar leuchtet die Landschaft jetzt im Sommer grün. "Aber sie erscheint nur oberflächlich betrachtet intakt", sagt Hubert Stockmeier, der als regionaler BN-Mann die Gegend gut kennt. Große Teile des Altmühltals, das Ottmaringer Tal und das Sulztal von Beilngries nach Berching sind samt ihren alten Kulturlandschaften dem Kanal geopfert worden.

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Die Sulz und die Altmühl sind keine Flüsse mehr, sondern eine einzige Kette von Stauseen. Die Folgen sind laut BN auch nach 25 Jahren katastrophal: Erdkröte und Wasserspitzmaus - einst in der Region sehr weit verbreitet - sind vielerorts fast völlig verschwunden. Zahlreiche Vogelarten wie die Rohrammer, der Sumpfrohrsänger, der Zwergtaucher oder das Braunkehlchen kommen sehr viel seltener vor als früher. Und das obwohl die Rhein-Main-Donau AG (RMD) als Bauträger des Kanals viele Millionen Euro in ökologische Ausgleichsmaßnahmen pumpte.

Auch ökonomisch ist der Kanal ein kompletter Fehlschlag. 1992 prognostizierte die RMD, dass schon 2002 ungefähr 18 Millionen Tonnen Fracht auf der Wasserstraße transportiert werden. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister sprach immerhin von zehn Millionen Tonnen. Bei der Eröffnung des Kanals nannte der damalige Ministerpräsident Max Streibl (CSU) den Ausbau der Binnenschifffahrtswege die "zukunftsweisende Antwort auf den internationalen Güteraustausch".

25 Jahre nach der Eröffnung haben sich alle diese Vorhersagen längst in Schall und Rauch aufgelöst. 2016 betrug das Frachtaufkommen auf dem Kanal etwa 4,6 Millionen Tonnen. Es hat damit den bisherigen Tiefpunkt erreicht und wird laut BN weiter sinken. Der Grund ist der Siegeszug des Lkw-Verkehrs auf Autobahnen und Bundesstraßen.

Bedeutung hat der Kanal einzig für Freizeitkapitäne und Hotelschiffe. Die Zahl der Flusskreuzfahrten auf ihm ist inzwischen sogar auf mehr als 1200 im Jahr gestiegen. Im mittelfränkischen Roth wurde deshalb vor zwei Jahren eine neue Anlegestelle eröffnet. Innenminister Joachim Herrmann nannte sie damals "ein Zeichen für die Zukunft".

Die ganze Metropolregion Nürnberg profitiere vom Boom der Flusskreuzfahrten. Eine andere wichtige Funktion des Main-Donau-Kanals ist die Wasserüberleitung vom regenreichen Südbayern ins trockene Franken - wobei man eine solche Leitung auch für sehr viel weniger Geld als die 2,3 Milliarden Kanal-Baukosten hätte haben können.

Gleichwohl wollen die Anlieger-Kommunen "ihren Kanal" nicht missen. Schon das ganze Jahr feiern sie ihn mit Festen, Feuerwerken, Ausstellungen und anderem mehr. Nächstes Wochenende rufen die Kanal-Gemeinden Riedenburg, Beilngries und Berching sogar ein gemeinsames Festwochenende aus. Geboten werden unter anderem Fischerstechen, Paddelbootrennen, Feuershows und eine Jubiläums-Schiffstanzfahrt.

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