BayernLB-Desaster Der Aussitzer

Sparkassen-Chef Siegfried Naser befürwortete die desaströsen Geschäfte der BayernLB in Österreich und auf dem Balkan - dafür geradestehen will er nicht.

Von Klaus Ott

Vor knapp einer Woche, am vergangenen Freitag, war Siegfried Naser vor großem Publikum zu sehen. Bei einer Gala des Bayerischen Fernsehens in der Nürnberger Frankenhalle, bei der viel Geld für die Benefiz-Veranstaltung "Sternstunden" gesammelt wurde, saß der Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes ganz vorn.

Die kommunalen Kreditinstitute zählen ebenso wie die Bayerische Landesbank (BayernLB) zu den Sponsoren der wohltätigen Aktion, mit deren Erlösen in aller Welt Kinder in Not unterstützt werden. Naser hatte einen Spendenscheck der Sparkassen über 50.000 Euro unterschrieben und wurde ins Bild gerückt.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures, die wie viele andere Politiker an der Gala teilnahm, regte sich darüber auf. Naser habe "überhaupt kein Schamgefühl", schimpft die Abgeordnete, die der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Landesbank angehört. Der Sparkassen-Präsident sei schließlich einer der Hauptverantwortlichen für die Milliardenverluste der BayernLB in Österreich und auf dem Balkan.

Dass Naser trotzdem zur TV-Gala kam, statt einen Vertreter zu schicken, findet Aures "dreist". Knapp 4,6 Millionen haben die ehrenamtlichen Helfer der "Sternstunden" in diesem Jahr gesammelt, auch mit Hilfe der Sparkassen und der Landesbank. Eine tolle Aktion, ein tolles Ergebnis. Aber musste ausgerechnet Naser einen der Hauptsponsoren repräsentieren?

Er will immer nach oben

Der Sparkassen-Präsident hatte vor zweieinhalb Jahren als damaliger Chef des Verwaltungsrats, des Kontrollorgans der BayernLB, zusammen mit dem Bankvorstand und diversen CSU-Politikern die Übernahme der inzwischen maroden Hypo Alpe Adria betrieben. Der aus dem Winzerort Iphofen am Fuße des Schwanbergs in Unterfranken stammende Naser ist einer der letzten Verantwortlichen für dieses Desaster, der noch auf seinem Posten ist.

Der seinerzeitige BayernLB-Chef Werner Schmidt musste wegen anderer Milliardenrisiken vorzeitig gehen; Schmidts Nachfolger Michael Kemmer war nach dem Reinfall mit der Hypo Alpe Adria diese Woche dran. Erwin Huber konnte wegen des Dauerdebakels bei der Staatsbank nicht Finanzminister bleiben. Auch andere CSU-Politiker, die den Kauf der österreichischen Finanzgruppe gutgeheißen hatten, sind (aus anderen Gründen) nicht mehr Amt. Doch der Mainfranke Naser, der lange Zeit selbst CSU-Mitglied war, hält und hält sich im Amt. Kann er die Landesbank-Affären weiter aussitzen?

Der Verbandschef der kommunalen Kreditinstitute galt lange Zeit als der gewiefteste Strippenzieher bei der BayernLB. Der frühere Landrat von Kitzinger und begeisterte Bergsteiger wollte hoch hinaus; er war mal als deutscher Sparkassen-Präsident im Gespräch, und aus dem Sparkassen-Zentralinstitut BayernLB sollte eine internationale Großbank werden.

Naser war von 2000 bis 2008 stets Chef oder Vizechef des Verwaltungsrats, im Wechsel mit dem jeweiligen Finanzminister. Inzwischen ist er aus dem Gremium ausgeschieden. Vor zwei Jahren hatte der Mainfranke noch sondiert, ob die Sparkassen den Freistaat Bayern aus der Landesbank herauskaufen könnten. Wäre es dazu gekommen, dann wären viele kommunale Kreditinstitute wegen der Milliardenverluste der BayernLB jetzt womöglich pleite.

Im Verwaltungsrat der Landesbank hatte sich Naser nach der Übernahme der Hypo Alpe Adria selbst um die österreichische Finanzgruppe gekümmert. Er besuchte Bankvorstände der Hypo Alpe Adria in den südosteuropäischen Ländern, also auf dem Balkan, und gewann dort "stets den allerbesten Eindruck". Das gab Naser bei einer Verwaltungsratssitzung im Juli 2009 zu Protokoll. Das war offenbar eine fatale Fehleinschätzung.

Der BayernLB sind vor allem faule Kredite ihrer österreichischen Tochterbank auf dem Balkan zum Verhängnis geworden. Doch Naser hielt bis vor wenigen Monaten den Ausflug der Landesbank dorthin für richtig. Zum Kauf der Hypo Alpe Adria sagte er im Juli 2009 im Verwaltungsrat, er würde "heute wieder so" entscheiden, er habe das als "genialen Schachzug" betrachtet.

"Kein Handlungsbedarf"

Im Vorstand des Sparkassen-Verbandes ist eine Ablösung Nasers bislang kein offizielles Thema. Memmingens Oberbürgermeister Ivo Holzinger (SPD) nimmt den Präsidenten in Schutz. Schuld an dem Desaster sei der Landesbank-Vorstand, bei Naser gebe es "keinen Handlungsbedarf". Überhaupt müsse man die Ergebnisse der diversen Untersuchungen abwarten. Das sehen auch andere Vorstandsmitglieder so.

Ein führender Sparkassen-Funktionär sagt allerdings, Naser werde bestimmt nicht bis zum Ablauf seiner Amtszeit im Jahr 2015 Präsident bleiben. Irgendwann müsse er eine "politische Verantwortung" für das Debakel übernehmen. Für die Sparkassen werde das nicht billig, sie müssten dann seinen Vertrag ausbezahlen. Der ist mit fast 600.000 Euro im Jahr dotiert.

Der Sparkassen-Funktionär, der Naser kritisch betrachtet und seinen vorzeitigen Abschied prophezeit, hat andererseits Verständnis für die Visite des Präsidenten bei der Sternstunden-Gala. Der Verbandschef habe dorthin gehen müssen, sonst könne er gleich seine Arbeit einstellen. Naser selbst lässt ausrichten, er sei nicht, wie früher üblich, zur Spendenübergabe auf die Bühne gegangen.

Stationen eines Milliarden-Debakels

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