Bahn-Verspätungen in Bayern Vorteil für München

Gefühlt kommt jeder Zug zu spät - und dennoch stehen die Bayern verhältnismäßig selten am Bahnsteig. Der Zugmonitor der SZ zeigt: Lange Wartezeiten gibt es vor allem in Würzburg und Aschaffenburg. Besser sieht es in München aus - weil sich Verspätungen vor der Landeshauptstadt relativ leicht aufholen lassen.

Von Marco Völklein

Auch wenn es vielen Bahnreisenden oft anders vorkommt - im Vergleich zu den Bahnkunden in anderen Bundesländern stehen die Bayern verhältnismäßig selten am Bahnsteig und warten auf einen verspäteten Zug. Etwa jeder zehnte Fernzug in Bayern kommt verspätet an. Damit liegt der Freistaat im Vergleich zu den anderen Bundesländern etwa im Mittelfeld.

Weitaus häufiger müssen Fahrgäste zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, Hessen oder Schleswig-Holstein auf einen Fernzug warten. Das geht aus dem neuen Zugmonitor hervor, den Süddeutsche.de, das Online-Portal der Süddeutschen Zeitung, am vergangenen Samstag auf der Internetseite zugmonitor.sz.de veröffentlicht hat.

Der Zugmonitor greift auf die offiziellen Verspätungshinweise auf der Internet-Seite der Bahn zurück, die seit Monaten von der SZ protokolliert werden. In einem ersten Zwischenstand wurden jetzt die Daten von Anfang Oktober bis Anfang März ausgewertet. Die Statistik erfasst die Fernzüge der Bahn, also unter anderem ICE, IC/EC sowie die Nachtzüge.

Nicht erfasst werden die Pünktlichkeitswerte der Regionalzüge sowie der S-Bahnen, über deren Unzuverlässigkeit sich viele Pendler immer wieder ärgern. Die protokollierten Daten sind etwas günstiger für die Bahn als die tatsächlichen Pünktlichkeitswerte - unter anderem weil das Unternehmen auf seinen Internet-Seiten keine exakten Angaben macht, sondern Prognosen im Fünf-Minuten-Takt erstellt, um sich einen Puffer bei Verspätungen offen zu halten.

Wenn in Bayern ein Fernzug verspätet ist, dann stehen die Wartenden im Durchschnitt fast eine Viertelstunde am Bahnsteig (14 Minuten). Auch damit liegt Bayern etwa in der Mitte aller Bundesländer - schlechter schneidet zum Beispiel Berlin ab: Dort müssen Fahrgäste im Schnitt länger als 17 Minuten warten. Besonders häufig und relativ lange warten im Freistaat übrigens die Menschen in Würzburg und Aschaffenburg auf die Fernzüge - im Schnitt jeweils gut zwölf Minuten.

Relativ wenige Verspätungen laufen dagegen in der Landeshauptstadt auf. An den beiden Fernbahnsteigen in Pasing (vom Fahrgastaufkommen her Bayerns drittgrößter Bahnhof) treffen nur etwa drei Prozent aller Züge verspätet ein, im Hauptbahnhof liegt der Wert bei sechs Prozent.

Wenn die Züge dort allerdings zu spät kommen, dann wartet man verglichen mit anderen bayerischen Bahnhöfen besonders lange: am Münchner Hauptbahnhof 17,3 Minuten. Das ist der negative Spitzenwert unter den neun größten Bahnhöfen in Bayern.

Kleiner Trost: Am Dresdner Hauptbahnhof stehen die Fahrgäste im Schnitt knapp 20 Minuten bei Verspätungen.

Unter den kleineren Bahnhöfen sticht Günzburg negativ hervor. In der schwäbischen 20.000-Einwohner-Stadt lässt die Bahn ihre Eurocitys auf dem Weg von Ulm nach Augsburg oder umgekehrt einen Zwischenstopp einlegen. Etwa 15 Prozent dieser Fernzüge waren verspätet.

Das liegt auch daran, dass Günzburg an einer der Strecken im Freistaat liegt, die am häufigsten von Verspätungen betroffen sind: Nach der SZ-Auswertung für Bayern sind auf den zwei Streckenabschnitten Ulm - Günzburg und Günzburg - Augsburg überdurchschnittlich viele Züge mit überdurchschnittlich viel Verspätung unterwegs, auf Platz 3 folgt die ICE-Rennstrecke Würzburg - Fulda.

Die Internet-Seite der Bahn legt nahe, dass die Züge zwischen Augsburg und Pasing oft die Verspätungen wieder hereinholen - dieser Abschnitt ist die am wenigsten mit Verspätungen belastete Strecke Bayerns. Was auch daran liegen dürfte, dass die Bahn dort im vergangenen Jahr den viergleisigen Betrieb aufgenommen hat. Er erlaubt es dem Konzern, Fern-, Güter- und Regionalverkehr besser zu entflechten.

Außerdem können die Züge dort mit Tempo 230 richtig schnell fahren. Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Bis die Strecke in Betrieb gehen konnte, vergingen mehr als zehn Jahre, weil zweimal das Geld ausging.

kWeitere Informationen unter: zugmonitor.sz.de