Kirchenrestaurator in Argentinien "Vielleicht war ja der heilige Geist im Spiel"

Santa Felicitas in Buenos Aires: Dieses Gotteshaus will Hermann Dreyer restaurieren.

(Foto: oh)
  • Der renommierte Kirchenrestaurator Hermann Dreyer will die Kirche Santa Felicitas in Buenos Aires restaurieren.
  • Die Arbeit des Mannes, der sich im Unterallgäu zur Ruhe gesetzt hat, ist ein Geschenk an Papst Franziskus.
  • Der Kirchenmaler-Meister will auch in Argentinien junge Leute ausbilden und für seine Arbeit begeistern.
Von Stefan Mayr, Bad Wörishofen

Hermann Dreyer sitzt vor den bunten Bildern der wuchtigen Kirche Santa Felicitas, er lächelt das Lächeln eines 74-Jährigen und flüstert: "Ich weiß auch nicht, warum ich mir das antue." Er wundere sich mitunter selbst über seine Pläne, sagt er, "vielleicht war ja der heilige Geist im Spiel". Hermann Dreyer ist ein renommierter Kirchenrestaurator, bis ins Jahr 2000 führte er im Unterallgäuer Örtchen Frechenrieden ein Studio mit bis zu 40 Mitarbeitern. Danach ließ er sich im beschaulichen Bad Wörishofen nieder. Dort könnte er seinen Ruhestand genießen. Aber Dreyer plant noch mal ein großes Abenteuer: Er will in Argentinien eine marode Kirche restaurieren. Zum Nulltarif. Als Geschenk an Papst Franziskus.

Wenn Dreyer über den "Heiligen Vater" spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. "Er ist die Inkarnation von Jesus Christus, weil er das Evangelium als Vorbild lebt und nicht nur predigt", schwärmt der Katholik. "Er ist der Papst der Armen und verkehrt nicht in den Kaviar-Etagen. Das fasziniert und begeistert mich." Seit dem Amtsantritt des neuen Papstes trug Dreyer den Gedanken mit sich herum, den neuen Hoffnungsträger der Kirche mit einer guten Tat zu ehren. "Eines Tages bin ich aufgewacht und schlagartig hatte ich das Bild vor Augen, dass ich für ihn eine große Kirche restauriere." Wenig später verfasste er einen Brief an den Vatikan. Die Antwort auf das großzügige Angebot ließ nicht lange auf sich warten. "Möge das neu gestaltete Gotteshaus dem freudigen Lob Gottes einen würdigen Raum geben", schrieb das Staatssekretariat zurück.

Riesen-Projekt statt Rente

Und es unterbreitete sogleich einen Vorschlag: Die Kirche Santa Felicitas in Buenos Aires würde dringend eine Generalsanierung benötigen, teilte ein Assistent des Papstes mit. Es ist nicht irgendein Kirchlein. Sondern eine "Zentralkirche", 1876 im neugotischen Stil mit eklektizistischen Elementen erbaut. Ein riesiges Gotteshaus. "Das ist schon nicht ohne", sagt Hermann Dreyer. Jetzt lächelt er nicht mehr. Vielmehr zeigt seine Mimik, dass er auch mit einem kleineren Auftrag zufrieden gewesen wäre. Aber er sagt: "Das ist auch ein Versprechen, das sollte man nicht in Zweifel ziehen."

Den argentinischen Botschafter in Berlin hat Dreyer schon besucht, die Kirche in Buenos Aires hat er allerdings noch nicht besichtigt. Dreyer blickt auf die Fotos der Kirche und zeigt auf die deutlich sichtbaren Schäden an der grün-goldenen Deckenverzierung. "Wasserschäden", brummt er, "zuallererst muss das Dach abgedichtet werden." Erst dann könne man eine Bestandsaufnahme und eine Schadensdokumentation machen. Wenn Dreyer von dem Projekt erzählt, wechselt er unbewusst von der Ich- in die Man-Perspektive. Ganz so, als könne er noch gar nicht an sich heranlassen, was ihm da bevorsteht. "Dann erstellt man ein Restaurierungskonzept", sagt er, "vorher weiß man nicht, was rauskommt." Deshalb könne man auch noch nicht abschätzen, wie viel das Projekt kosten wird.

Aus dem Vatikan kam der Vorschlag, die Kirche in Buenos Aires zu restaurieren.

(Foto: oh)

Dreyer gehört im Unterallgäu zum Establishment. Er war neun Jahre lang Gemeinderat und sechs Jahre lang dritter Bürgermeister von Markt Rettenbach. Bis jetzt ist er in Frechenrieden Ortsvorsitzender der CSU. Und jetzt, mit 74, zieht es ihn in ein Elendsviertel der 13-Millionen-Hauptstadt Buenos Aires. Will sich da jemand unsterblich machen? Eigentlich hat er das nicht mehr nötig, denn er hat schon jede Menge bedeutende Kulturdenkmäler wiederhergerichtet: Er war beteiligt an der Restaurierung der Wieskirche, der Münchner Residenz, des Kaisersaales in Ottobeuren und der Prunkräume der Kemptener Residenz. Als Kirchenmaler-Meister hat Dreyer etliche junge Menschen ausgebildet. Das hat er auch in Buenos Aires vor - in Zusammenarbeit mit der dortigen Außenstelle der Hanns-Seidel-Stiftung.

Umzug ins Armenviertel von Buenos Aires

In der Ecke seines Esszimmers hängt ein Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert. Ein Erbstück. Hermann Dreyer stammt aus einer alten Kirchenmaler-Familie. Einer seiner Vorfahren war der Benediktinerpater Martin Dreyer, der sich schon im 18. Jahrhundert im Kloster Wiblingen bei Ulm verewigt hat. Sein Vater Ludwig war ein renommierter Barockmaler. "Ich war schon als Pimpf in seiner Werkstatt und hab' ihm das Leben schwer gemacht", sagt Hermann Dreyer. Jetzt lächelt er wieder. Und wenn er die Augen aufreißt und von damals erzählt, wirkt er fast wie ein Halbstarker, der es kaum erwarten kann, sich ins nächste Abenteuer zu stürzen. In diesen Augenblicken flackert es wieder auf, das Feuer des leidenschaftlichen Kirchenrestaurators und Franziskus-Fans.

Ehefrau Rautgundis hält sich im Hintergrund, sie genießt die Sonne auf dem Balkon. Sie wird mitkommen nach Argentinien, noch in diesem Sommer soll es losgehen. Was sie dachte, als ihr Mann erstmals von seinem großen Plan erzählte? "Was soll ich da jetzt antworten?", fragt sie und lacht. "Warum nicht?", habe sie sich gedacht, "erstaunt ist man öfter im Leben." Ob sie Angst hat? "Überhaupt nicht", sagt sie, "ich freue mich." Auch Hermann Dreyer wirkt sehr entspannt. "Ich bin guter Dinge", sagt er und zeigt auf den Brief aus dem Vatikan. "Da steht drin, dass uns der Segen des Papstes begleitet."