Augsburger Polizistenmord Sprachstörungen und Depression

Die beiden mutmaßlichen Augsburger Polizistenmörder sind im Gefängnis von anderen Häftlingen strikt getrennt. Verteidiger und Gutachter sagen, die isolierten Haftbedingungen hätten das Stadium des Unerträglichen erreicht - der Richter sieht das anders.

Von Hans Holzhaider

Isolationsfolter, Vernichtungshaft - polemische Schlagworte aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als Mitglieder der terroristischen Rote-Armee-Fraktion teilweise jahrelang in strenger Absonderung von anderen Gefangenen inhaftiert waren. Dass solche Haftbedingungen zu psychischen und physischen Schäden führen können, ist unbestritten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat sich wiederholt mit der Problematik der Isolationshaft befasst.

In Deutschland, so glaubt man gemeinhin, ist Isolationshaft seit Jahren kein Thema mehr. Ein Antrag der Verteidigung im Prozess gegen zwei Männer, die des Mordes an einem Polizisten beschuldigt werden, erschüttert diesen Glauben. Ihr Mandant, so tragen die Verteidiger vor, sei durch die seit 15 Monaten andauernde strenge Absonderung von allen sozialen Kontakten so geschädigt, dass er nicht mehr in der Lage sei, der Verhandlung zu folgen.

Raimund M., 60, und sein Bruder Rudi R., 58, sind angeklagt, im Oktober 2011 im Augsburger Stadtwald den 41-jährigen Polizisten Mathias Vieth erschossen zu haben. Seit dem 21. Februar stehen die Brüder in Augsburg vor Gericht. Der Vorsitzende Richter Christoph Wiesner hat strenge Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Die Angeklagten müssen Fußfesseln tragen, die auch während der Verhandlung nicht abgenommen werden.

Aber nicht nur im Gerichtssaal, auch in der Haftanstalt gelten besondere Regeln für die beiden Brüder. Sie dürfen keinerlei Kontakt mit anderen Gefangenen haben. Bis auf eine Stunde Hofgang verbringen sie den gesamten Tag in ihren etwa zwölf Quadratmeter großen Einzelzellen. Auch mit ihren Verteidigern dürfen sie nur durch eine Glasscheibe getrennt sprechen, die Hände bleiben dabei gefesselt. An Gemeinschaftsveranstaltungen, auch an Gottesdiensten, dürfen sie nicht teilnehmen. Der Grund für diese rigorosen Maßnahmen liegt in angeblichen Fluchtplänen, die im Juli 2012 entdeckt wurden. Ein Mitgefangener hatte ausgesagt, Raimund M. und Rudi R. hätten geplant, einen Richter als Geisel zu nehmen, um ihre Freilassung zu erpressen.