Polizistenmord in Augsburg:Todesnacht am Kuhsee

Lesezeit: 4 min

Polizistenmord-Prozess Augsburg

Die beiden Angeklagten (3. v. l. und 2. v. r.) vor Prozessbeginn an ihren Plätzen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Sie hat miterlebt, wie der Augsburger Polizist Mathias Vieth bei einer Schießerei getötet wurde. Doch von den Tätern hat die Streifenpolizistin Diana K. nicht viel gesehen. Was sie von der Tatnacht erzählt, klingt wie eine Szene aus einem Kriegsfilm: "Es sind ganz viele Schüsse gefallen."

Von Hans Holzhaider, Augsburg

Für Mathias Vieth war es eine verhängnisvolle Entscheidung: Die Streifenfahrt war schon fast beendet, es war kurz vor drei Uhr. "Fahren wir noch eine Runde über den Kuhsee", sagte der Polizeibeamte zu seiner jungen Kollegin. Keine Viertelstunde später war Mathias Vieth tot. Vor dem Landgericht Augsburg berichtete am Donnerstag die Polizeiobermeisterin Diana K. von den Ereignissen jener Nacht im Oktober 2011. Sie ist die einzige Zeugin, die die beiden Täter gesehen hat.

An der Einfahrt zum südlichen Parkplatz am Kuhsee hielt Mathias Vieth den Streifenwagen an und schaltete den Motor aus. "Hast gesehen, da ist jemand auf den Parkplatz gefahren", habe er gesagt, berichtete die Zeugin. "Ich sah ein rotes Rücklicht und hörte Motorengeräusch." Die beiden Polizeibeamten stiegen aus.

"Rechts von uns stand ein Motorrad mit laufendem Motor, und daneben zwei Personen. Der eine hatte eine Tasche über die Schulter hängen." Es war eine große, dunkle Tasche, erinnert sich Diana K. auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Christoph Wiesner. Der Kollege habe die beiden Männer angesprochen, aber statt einer Antwort sprangen die beiden auf das Motorrad und fuhren davon, an einer Absperrung vorbei, sodass ihnen der Streifenwagen nicht unmittelbar folgen konnte. "Mathias hat gewendet, wir fuhren mit Blaulicht hinterher."

An der nächsten Kreuzung sahen sie das Motorrad wieder. Es fuhr über den Hochablass, ein Stauwehr, das an dieser Stelle den Lech überquert. Der Staudamm knickt zweimal scharf ab, "wir mussten rangieren", sagt Diana K., "aber dann holten wir wieder auf."

Am anderen Lechufer fuhr das Motorrad in einen Waldweg ein. "Es ist ein zweigeteilter, durch Büsche und Bäume getrennter Weg", berichtet die Zeugin. "Das Motorrad fuhr auf dem linken Weg, wir auf dem rechten. So ging das ein ganzes Stück weit, gefühlt kam es mir unendlich lang vor."

"Und dann fiel schon der erste Schuss"

Dann passierte es: Die beiden Flüchtenden stürzten mit dem Motorrad. "Ich weiß nicht, wie es kam", sagt Diana K., "es sah so aus, als ob das Hinterrad wegrutscht. Es lag sehr viel Laub auf dem Weg." Das Motorrad drehte sich einmal um die eigene Achse und blieb liegen, mit dem Scheinwerfer auf das Polizeifahrzeug gerichtet.

"Mathias stieg aus dem Auto, ich ganz kurz nach ihm", schildert die Polizistin. "Er zog seine Waffe und brachte sie in Anschlag. Er rief ganz laut: 'Polizei, hinlegen oder ich schieße'. Und dann fiel schon der erste Schuss."

An dieser Stelle stockt Diana K. Minutenlang kann sie nicht weitersprechen. Dann fasst sie sich wieder.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema