Asylbewerber demonstrieren Langer Marsch von Würzburg nach Berlin

Asylbewerber dürfen die Region, in der sie sich aufhalten, nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verlassen. Gegen diese Regel demonstrieren viele Flüchtlinge, indem sie das Gesetz brechen - und von Würzburg nach Berlin wandern.

Von Olaf Przybilla

Die erste Nacht ist vorüber, in einem Zelt in der fränkischen Landgemeinde Schwanfeld hat Omid Moradian sie verbracht und ist nun guter Dinge. Tief geschlafen habe er, sagt er, "die Füße sind in Ordnung" und sein Wille sei fest: Nach Berlin soll der Marsch gehen, um dort so lange auf die Bedingungen für Asylbewerber in Deutschland hinzuweisen, bis sich an diesen Bedingungen etwas ändere.

Am Tag zuvor, am Samstagmittag, haben die Flüchtlinge ihren Protestmarsch auf der Juliuspromenade in Würzburg begonnen. Wer sich vorher umgehört hat, im bayerischen Innenministerium und bei Organisationen, die den Zug der Asylbewerber unterstützen, hörte viel Unsicherheit. Was genau passieren könnte in Würzburg, wagte keiner zu prognostizieren.

Schließlich hat es das noch nicht gegeben, dass sich Flüchtlinge aus verschiedenen Städten an einem Ort versammeln, um von dort aus einen Marsch in die Bundeshauptstadt anzutreten. Und das wohl schon deshalb nicht, weil die Flüchtlinge mit ihrem Treffen gegen etwas verstoßen, was ihr Leben auf einen bestimmten Raum beschränkt: die sogenannte Residenzpflicht, die festlegt, dass Asylbewerber - je nach Status und Bundesland - ihren Landkreis, Regierungsbezirk oder zumindest ihr Bundesland nicht verlassen dürfen, ohne vorherige Sondergenehmigung.

Omid Moradian, 28, lebt in einem Lager in der Oberpfalz, er ist einer der Asylbewerber, die in den letzten Monaten in Regensburg für die Abschaffung von Gemeinschaftsunterkünften und gegen die Residenzpflicht demonstriert haben. An mehreren Orten in Bayern hatten sich Flüchtlinge zuletzt in Protestcamps zusammengeschlossen, auch in Bamberg, Nürnberg und Aub.

Ausgegangen war der Protest von Würzburg, wo sich im Januar ein Flüchtling in einem Lager das Leben genommen hatte. Wer Moradian am Freitag fragt, was er erwartet für den Tag danach, spürt die Beklommenheit: Natürlich wisse er, dass er seinen Regierungsbezirk nicht verlassen dürfe - und also wisse er nicht, was passieren werde. Um eine Sondergenehmigung aber habe er sich nicht bemüht, und zwar ganz bewusst nicht: "Freie Menschen brauchen keine Genehmigung, um sich bewegen zu dürfen", sagt Moradian.

In Würzburg versammeln sich am Samstag etwa 130 Teilnehmer auf der zentralen Promenade, direkt vor dem berühmten Juliusspital. Etwa ein Viertel sind Flüchtlinge, die anderen Teilnehmer unterstützen die Aktion. Fast unwirklich wirkt der Beginn des Zuges: Würzburg richtet an dem Tag ein Festival der Straßenmusik aus, die Stadt ist gefüllt mit Besuchern.