Nach dem Amoklauf in Ansbach haben die Ermittler nun Dateien vom Computer des 18-Jährigen untersucht - und so Anhaltspunkte dafür gefunden, was den Täter zu seiner Tat trieb.
Der 18-jährige Amokläufer von Ansbach hatte seine Tat seit langem und sehr akribisch geplant. Die Polizei konnte auf seinem Computer gelöschte Dateien rekonstruieren, die ein bizarres Bild ergeben.
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Was trieb den 18-jährigen Amokläufer aus Ansbach? Computerdateien haben den Ermittlern nun darüber Auskunft gegeben. (© Foto: ddp)
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Seit April 2009 hatte Georg R. eine Art Monolog an eine fiktive Frau geschrieben, in der er Details der Tat plant und das Wort Amok verwendet. Das Dokument umfasst 80 Seiten. "Wir wissen nicht, ob diese Person existiert. Er hat diese Person mit einem Namen angesprochen", sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger bei einer Pressekonferenz am Montag in Ansbach.
Als Motiv für die Bluttat, bei der am Donnerstag am Gymnasium Carolinum ein Lehrer und neun Mitschüler teils schwer durch Molotowcocktails und Axthiebe verletzt wurden, gab Lehnberger "Hass gegen die Menschheit im allgemeinen und gegen die Institution Schule" an.
"Made in School"
Georg R. trug an dem Tag ein T-Shirt mit der Aufschrift "Made in School". Vor den Angriffen im dritten Stock des Schulgebäudes hatte er die Waffen in einem Rucksack auf einer Schultoilette deponiert, eine Schutzbrille aufgesetzt und an seine Springerstiefel ein Messer geklebt. Die Beamten der Sonderkommission haben über das Wochenende hinweg 63 Zeugen befragt und sprechen nun von einem "gesicherten Tathergang".
"Er fühlte sich von der Schule und der Gesellschaft ungerecht behandelt, ausgegrenzt und nicht anerkannt", so die Oberstaatsanwältin. Zudem habe er Angst davor gehabt, das anstehende Abitur am Carolinum nicht zu bestehen und eine schwere Krankheit zu bekommen. "Er schrieb, er hätte auch gerne eine Freundin gehabt, was ihm nicht gelungen ist."
Die Wurzeln für den Amoklauf sind wohl schon in einem Vorfall vor sieben Jahren zu suchen. In dem Brief schreibt Georg R., dass er in der sechsten Klasse einmal im Bus verprügelt worden sei und niemand ihm geholfen habe. Mehrmals betont er ausdrücklich, seine Eltern seien nicht für die Tat verantwortlich.
"Er wollte nicht mehr leben"
In dem 80-Seiten-Dokument hatte der Schüler Anfang Juni den genauen Zeitpunkt und Ort festgelegt: Den dritten Stock mit der Begründung, "da sind besonders viele Klassenzimmer", sagte Staatsanwalt Jürgen Krach. Georg R. habe möglichst viele Mitschüler töten wollen. "Er wollte nicht mehr leben und hatte einkalkuliert, getötet zu werden."
Polizeibeamte hatten ihn mit drei Schüssen in der Schultoilette gestoppt. Georg R. liegt schwer verletzt im Krankenhaus, befindet sich in einem Dämmerzustand. Der Haftbefehl konnte ihm noch nicht eröffnet werden. Die Ermittler wollen einen psychiatrischen Gutachter heranziehen, um die Schuldfähigkeit zu klären.
Das Verhalten des 18-Jährigen passt kaum in die bekannten Schemata für jugendliche Amokläufer. So fanden die Ermittler in seinem Kinderzimmer weder Gewaltvideos noch Killerspiele. Bei den ausgewerteten Videos handelte es sich um Fernsehfilme und Dokumentationen. In dem Monolog habe er mehrfach Bezug auf einen Film genommen, den Krach als ,,ganz normalen Actionfilm'' bezeichnete. Zu Berichten, dass Georg R. in psychiatrischer Behandlung sei, wollte er keine Stellung nehmen.
In einem Gymnasium in Leverkusen ist am Montag irrtümlich Amok-Alarm ausgelöst worden - vermutlich aufgrund eines technischen Defekts.
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(SZ vom 22.9.2009/gba)
Surfrider Beach in Malibu
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"Leistungsdruck und Ausgrenzung scheinen mir als Motiv doch recht ungenügend.... Im Gegensatz zu ein bischen Gemetzel am Rechner jedenfalls."
wo steckt denn da bitteschön der bezug zur Realität?
Etwas äusserst Reales wie Ausgrenzung und Druck welcher art auch immer, soll weniger einfluss auf einen Menschen haben als Spiele auf dem PC?
da bin ich komplett anderer meinung...
Gesellschaftliche Ausgrenzung, häme, Spott etc. kann einen Jugendlichen psychisch komplett zu boden bringen, der Hauptbezugspunkt an dem sich die Schüler ausrichten sind nun mal die gleichaltrigen mitschüler und Freunde...wenn man davon NICHTS hat, und Nahestehende nicht in der Lage sind sich einzufühlen und zu verstehen wo die Probleme desjenigen liegen, ist es kein Wunder wenn jemand so komplett den Halt verliert und durchdreht.
ebenfalls find ich es lächerlich, wenn ein actionspiel auf dem PC als Killerspiel gewertet wird, ein Actionfilm (welche zu 95% weitaus realistischer und brutaler sind als Counter-strike und co.) jedoch als "ganz normal".... da läuft doch was falsch in der Wertung der Einflüsse...
Man gucke sich nur mal die Filmreihe "Saw" an....wer sowas schaut und nicht angewiedert abschaltet bzw wegguckt, der ist für mich geisitg krank bzw. Sehr Sehr abgestumpft, da sind die sogenannten "killerspiele" absolut harmlos dagegen.
Der Amokläufer hat seinen Anschlag also seit langer Zeit geplant. Aha. Da war doch so'n Gag von Otto Waalkes...?
Ich glaube wir haben es hier mit einem Hochstapler zu tun.
Leistungsdruck und Ausgrenzung scheinen mir als Motiv doch recht ungenügend.... Im Gegensatz zu ein bischen Gemetzel am Rechner jedenfalls. Ich hab es da gerne einfach.
Diego666! Auch ein Danke!
Das weiß doch schon fast jeder, dass wir eine Egoismus- bzw. Frustrationsgesellschaft sind.
Und woher und woraus nährt sie sich?
Eben aus solchen Vorgängen von früher.
Die einen schlachten auf diese Weise ab, andere wiederum tun das als Mediziner oder Anwälte oder als Bankvorstand bzw. als Bankdirektor.
Es ist doch müßig darüber nachzusinnen, wo das eigentliche Abschlachten beginnt und wo es aufhört.
Es ist lächerlich, die vielen, die durch das System auf der Strecke bleiben (darunter Grundehrliche), in den Statistiken als vernachlässigbare Größe zu betrachten.
Wo also beginnt es mit der Gewalt, wo hört es damit auf?
Wenn eine Familie wirtschaftlich ruiniert wird, sind in der Regel auch Kinder betroffen.
Das führt in der Öffentlichkeit kaum zu einer Diskussion. Das wird einfach so hingenommen.
Oder man nehme die vielen Schwerkranken, einfach auf Grund dessen, dass viele Lebensmittel bei Dauergenuss regelrechtes Giftzeug. Dann schleppen sich die Opfer von einem Arzt zum anderen, bis sie schließlich in einem Hospiz landen.
cc.
@ HoChiMinh:
Ich finds krass, dass sie den Typen ins Koma geschossen haben.
Die Polizisten haben sich in diesem Fall absolut korrekt nach dem Bayerischen Polizeigesetz gehandelt. Entsprechende Gesetze gibt in allen anderen Bundesländern auch. Von keinem normalen Streifenbeamten kann man verlangen, dass er einen Täter überwältigt wie Chuck Norris im Actionfilm. Ein Streifenpolizist ist kein ausgebildeter Einzelkämpfer.
@ alle, die hier meinen der arme Täter sei ein Mobbingopfer
Wenn jemand so etwas macht, kann man davon ausgehen, dass derjenige unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und seine Umwelt extrem verzerrt wahrnimmt. Es gab ja Berichte, wonach der junge Mann in psychiatrischer Behandlung war. Niemand kann aber garantieren, dass solch eine Behandlung auch erfolgreich verläuft. Das ist nicht so, als wenn ich mein Auto zur Reparatur in die Werkstatt gebe. Im Übrigen ist die Schule eine Bildungseinrichtung und keine Therapieeinrichtung. Die Behauptung, die Schule würde solche kranken Persönlichkeiten züchten, halte ich für ziemlich daneben. Es gibt allerdings Zwänge in unserer Gesellschaft, die solche krankhaften Entwicklungen fördern. Die Schule ist von diesen Zwängen nicht frei. Niemand muss Abitur machen aber bei der Lage auf dem so genannten Arbeitsmarkt, ...
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