Affäre um Christine Haderthauer Viele Fragen, wenig Antworten

In der Modellbauaffäre weiter unter Druck: Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU)

(Foto: dpa)

Hat ein Häftling, der für die Firma von Ehepaar Haderthauer Modellautos herstellte, im Strafvollzug Vorzüge genossen? Im geplanten Untersuchungsausschuss zur Modellbau-Affäre soll es auch um die Zustände in der Forensik gehen. Tagen soll das Gremium selbst im Falle eines Rücktritts der Staatsministerin.

Von Frank Müller

Die Opposition im Landtag will den geplanten Untersuchungsausschuss zu Christine Haderthauers Modellbauaffäre auch im Falle eines Rücktritts der CSU-Staatskanzleichefin durchziehen. Das wurde nach einem Treffen der drei Oppositionsfraktionen klar. Bei diesem einigten sich SPD, Grüne und Freie Wähler darauf, den Untersuchungsausschuss rasch nach der Sommerpause einzusetzen.

Als möglicher Termin hierfür gilt die Plenarsitzung vom 23. Oktober. Alle drei Fraktionen seien sich "hundertprozentig einig" im weiteren Vorgehen, betonten die Abgeordneten Horst Arnold (SPD), Ulrike Gote (Grüne) und Florian Streibl (Freie Wähler) in Gesprächen mit der SZ.

Vorzüge beim Vollzug?

Nach Auffassung aller drei gibt es in der Affäre um wertvolle Modell-Oldtimer, die psychisch kranke Straftäter im Auftrag der unter anderem vom Ehepaar Haderthauer getragenen Firma Sapor Modelltechnik zusammensetzten, inzwischen so viele Fragen, dass das Thema auch mit einem Rücktritt Haderthauers nicht vom Tisch wäre. "Das würde keine Rolle spielen", sagte Arnold, der als möglicher Vorsitzender des Untersuchungsgremiums gilt.

Zu dieser Einschätzung beigetragen haben vor allem die Informationen der vergangenen Tage über die Abläufe in den betroffenen forensischen Einrichtungen in Ansbach und in Straubing. Dort waren die Modellautos unter Federführung des psychisch kranken dreifachen Mörders Roland S. zusammengebaut worden. Nach Auffassung der Opposition ist insbesondere aufklärungsbedürftig, ob S. im Gegenzug Vorzüge beim Vollzug bekam, womöglich unter Mitwirkung der Haderthauers. Wenn es stimme, dass S. von einem Freigang betrunken zurückgekommen sei, "dann trägt das nicht unbedingt zum Sicherheitsgefühl bei", sagte Streibl.