Von Martin Stubreiter

Ein einziges Mal überholte Peugeot den Fortschritt, ohne jene Tugenden zu verraten, die die Marke später ausmachen sollten. Das Experiment war erst mit Waffengewalt zu stoppen.

Mitte der 30er Jahre tat die Welt gut daran, noch einmal von Fortschritt und einer geschmeidigen Zukunft zu kosten, die vor allem in der Luft stattzufinden hatten: Das Flugzeug hatte die Sinne geschärft für Aerodynamik, für Linien, die schon im Stand von Geschwindigkeit kündeten (na ja, ein bisserl hatte die Anatomie der Fische auch beigesteuert), und die Fahrtrichtung führte immer Richtung Wohlstand. Zumindest theoretisch.

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Weil die meisten Menschen aber nicht im Flugzeug saßen, sondern am Fahrrad oder bestenfalls am Motorrad, verirrte sich die Stromlinie auch an Gegenstände, denen Windschlüpfigkeit egal sein konnte: Möbel, beispielsweise, oder Küchenwaagen.

Ans Auto, dem der Wind immer im Weg stand, wollten die neuen Linien nur schaumgebremst finden: Der Chrysler Airflow als erstes Serienauto in konsequenter Stromlinie war ab 1934 in den USA grandios erfolglos. Der Absturz wurzelte auch in Qualitätsproblemen, aber das Design der Zukunft hatte die potenziellen Käufer einfach in der Gegenwart zurückgelassen. Erst eilig aufgelegte Modelle in alter Biederkeit brachten Chryslers Kunden wieder zurück, da war der Ruf des Airflow schon ruiniert.

Dennoch erschien 1935 in Frankreich, traditionell flexibler mit Sendboten aus der Zukunft, der Peugeot 402 als Blaupause des Chrysler Airflow: sehr ähnliche Formgebung besonders am Heck, radikale Front ohne abstehende Scheinwerfer, die saßen eng beieinander hinter dem Kühlergrill.

Die geknickte Frontscheibe schien ebenso direkt aus dem Flugzeugbau zu kommen wie das Armaturenbrett, dem Wegfall des Trittbrettes hatte Hauptkonkurrent Citroën den Weg geebnet: 1934, bei der Präsentation des Traction Avant, war ein trittbrettloses Auto ein handfester Skandal. Beim neuen Peugeot blieb die Entrüstung moderat, im Gegensatz zum Preis: rund 30.000 Francs - umgerechnet auf heutige Kaufkraft kostete der 402 so viel wie eine prächtig ausgestattete S-Klasse.

Um den Abstand zu den potenziellen Kunden zu verringern, reichte Peugeot ein Jahr später den kleineren 302 nach: mit 4,50 Meter um 35 cm kürzer, 7 cm schmäler, gleich hoch, mit 1,7-Liter-Motor und 43 PS.

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