Radfahren Mit dem Fahrrad ist man auch im Winter am schnellsten

Im Winter ist es wichtig, vorausschauend zu fahren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die eisigen Temperaturen schrecken derzeit viele Radler ab. Dabei fährt es sich zu keiner anderen Zeit des Jahres so entspannt im Stadtverkehr.

Von Felix Reek

"Eine Stunde für sieben Kilometer habe ich mit dem Auto gebraucht", wiederholt der Kollege immer wieder vor der Redaktionskonferenz, sichtlich frustriert. Das ist etwa zwei Wochen her, der Winter hatte das erste Mal so richtig zugeschlagen in München. Minusgrade, Eis, Schnee. Das zehrt auch an den Nerven der Nahverkehrsteilnehmer. Die Busse: im gleichen Stau. Die S-Bahn: mal wieder zu spät. Die Straßenbahnen: voll mit triefenden Nasen, die sich wegen Platzmangels aneinanderpressen.

Wenn der Winter so eisig ist wie in diesem Jahr, ist selbst zu Fuß gehen eine bitterkalte und rutschige Angelegenheit. Doch es gibt eine Alternative: das Fahrrad. Es ist und bleibt auch im Winter das schnellste Fortbewegungsmittel in der Stadt.

Mit dem Rennrad durch den Neuschnee pflügen

Gravelbikes sind geländegängige Rennräder mit etwas dickeren Reifen und Noppenprofil. Das macht sie perfekt für rutschigen Untergrund. Von Sebastian Herrmann mehr ...

Natürlich zucken viele allein beim Gedanken daran zusammen. Radfahren verbinden die meisten mit Sommer, mit Biergarten, mit einer lauen Brise im Haar. Im Winter wird daraus eine Kältewand, die den tollkühnen Radler von den Zehen bis zur Nasenspitze schockgefriert - so zumindest die Befürchtung.

Doch wer sich einmal überwunden hat, wird umgehend belohnt. Die Radwege sind zu keiner Zeit im Jahr so leer wie im Winter. Keine Touristengruppe, die während der Stadtbesichtigung den Ampelübergang blockiert. Keine Pärchen, die nebeneinander fahren und alle anderen aufhalten. Kein ständiges Anpassen der Geschwindigkeit an andere Radler. Im Winter sehen sich Menschen auf dem Fahrrad nur in weiter Ferne, so wenige von ihnen sind unterwegs.

Auf die Temperatur kann man sich einstellen. Windabweisende Kleidung hilft. Dicke Handschuhe, Schal und Mütze sorgen für Schutz. Es braucht kein Profi-Equipment, um mit dem Fahrrad durch den Winter zu kommen. Eine gute Nachricht für all jene, die nicht in Funktionskleidung im Büro sitzen wollen, als warteten sie nur darauf, nach dem Arbeitstag gen Polarkreis aufzubrechen.

Auf Fahrräder gehören wintertaugliche Reifen

Allerdings ist es wichtig, das Fahrrad auf den Winter einzustellen. Wer mit dem gleichen klapprigen Rad wie im Sommer unterwegs ist, bereut das schnell. Abgefahrene Reifen, nur im Glücksfall greifende Bremsen: Jeder technische Mangel rächt sich unter diesen Bedingungen. Niemand käme schließlich auf die Idee, sein Auto in solch einem Zustand bei Schneefall auf die Straße zu schicken. Deswegen gehören im Winter auch auf Fahrräder spezielle Reifen. Die gibt es in jedem Fachgeschäft. Das müssen keine Spikes sein, ein grobes Reifenprofil wie bei einem Mountainbike ist in den meisten Fällen vollkommen ausreichend.

Danach gilt es nur noch, die eigene Fahrweise den erschwerten Bedingungen anzupassen. Langsamer, vorsichtiger, vorausschauender, ohne hastige Bewegungen und Lenkvorgänge. Ist der Radweg zu vereist oder verschneit, gilt es auf die Straße auszuweichen. Die ist unfairerweise immer schnell geräumt.

Ja, es macht Spaß!

Wer das alles beachtet, fühlt schnell so etwas wie Erleichterung, ja Euphorie. Der hat einen kleinen Teil der Stadt für sich allein. Wenig Verkehr, kein Stress, nur die kalte, klare Luft und der Schnee. Schon bald merken Winterradler: Das kann sogar ganz angenehm sein. Ja, das macht sogar Spaß! Radfahren ist in diesem Momenten Sportprogramm und Winterspaziergang in einem. Vergessen sind die eisigen Temperaturen, wenn die Reifen sich durch den Schnee graben. Unwichtig die kalten Finger, wenn der Radler an der langen Schlange Autos vorbeifährt, die sich langsam Zentimeter um Zentimeter durch die Stadt quälen.

Stattdessen wird einem die Zeit bewusst, die sich im Winter mit dem Fahrrad sparen lässt. Sieben Kilometer durch den Stadtverkehr verfliegen geradezu. Erst recht, wenn man weiß, dass die Kollegen seit einer Stunde im Stau stehen.

Selten wird die Privilegierung von Autofahrern so offensichtlich wie derzeit

Wer die schlecht geräumten Radwege anschaut, fragt sich, woher der selbst erhobene Titel Radlhauptstadt rührt. Kommentar von Nina Bovensiepen mehr...