Ökologischer Verkehrsclub testet Autos "Deutsche Hersteller auf einem Holzweg"

Was die Umweltverträglichkeit betrifft, stellt der Verkehrsclub Deutschland den deutschen Autoherstellern ein vergleichsweise schlechtes Zeugnis aus: Nur ein deutsches Fahrzeug schaffte in der aktuellen Rangliste des ökologischen Verbandes unter die Top-10.

Von Lara Sogorski

Japanische Autos sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) am umweltfreundlichsten. In der Rangliste des ökologischen Verbands für 2011/ 2012 belegte allein der Hersteller Toyota die ersten vier Plätze. 385 Autos wurden getestet. Demnach schaffte es nur ein deutsches Auto unter die ersten zehn: Ein spezieller VW Polo erreichte Platz sieben.

Toyota produziert nach den Ergebnissen eines neuen Tests die umweltfreundlichsten Autos. Die Verbeugung vor der Umwelt demonstriert hier Akio Toyoda, derzeitiger Unternehmensvorsitzender von Toyota und Enkel des Unternehmensgründers.

(Foto: AFP)

Um jährlich die Umweltfreundlichkeit der Autos zu bewerten, berechnet der VCD jeweils eine Gesamtnote aus der Klimabelastung durch CO2 sowie der Belastung des Menschen und der Umwelt durch Lärm und Schadstoffe.

Der CO2-Ausstoß eines Autos bestimmt dabei überwiegend die Endnote mit einem Anteil von 60 Prozent. Diesjähriger Testsieger ist der Lexus CT 200h von Toyota, der den langjährigen Besten Toyota Prius dafür auf Platz zwei verwies. Lexus ist die Nobelmarke des weltweit größten Automobilherstellers. Das Modell erhielt insgesamt 7,83 von 10 Punkten.

Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Vollhybrid-Auto: Zusätzlich zum Verbrennungsmotor ist ein Elektromotor eingebaut, der als Antrieb für kurze Strecken ausreicht. Den Strom erzeugen Hybridautos selbst, beispielsweise durch die Umwandlung der Bremsenergie oder durch die Lichtmaschine. Auch der Toyota Prius auf Platz zwei und der Toyota Auris auf Platz vier des Rankings sind solche Hybridwagen. "Hybride eignen sich in Ballungsgebieten und in der Stadt beim Stop-and-go-Verkehr", sagt Gerd Lottsiepen vom VCD. Allerdings: Ein Hybridantrieb allein mache ein Auto noch nicht umweltverträglich.

Bestes Beispiel sei der Porsche Cayenne, der mit einem CO2-Wert von 193 Gramm pro Kilometer schon auf dem Prüfstand doppelt so viel Treibhausgas rausblase wie der Sieger der Auto-Umweltliste. "Die deutschen Hersteller haben den Hybridantrieb lange Zeit abgelehnt und nicht weiterentwickelt, damit waren sie auf einem Holzweg", sagt Lottsiepen.

Stattdessen habe man im vergangenen Jahr nur auf schwere Luxuslimousinen gesetzt, um möglichst viel Geld zu verdienen. "Solche Autos sind und bleiben Klimakiller und sind wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes inakzeptabel."

Manche erreichen die EU-Vorgaben von 2020 schon heute

Laut Europäischer Union dürfen alle Autos in Europa von 2015 an im Durchschnitt nur noch 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Das entspricht einem Verbrauch von 5,6 Litern Benzin beziehungsweise 4,9 Litern Diesel pro 100 Kilometern. Von 2020 an sollen sogar nur 95 Gramm erlaubt sein.

Die zehn Besten in der Auto-Umweltliste des VCD erreichen mit durchschnittlich 94,4 Gramm diesen Wert schon in diesem Jahr. Erstmals nahm der VCD Elektroautos unter die Lupe. Statt einer Rangliste veröffentlichte der Verband aber nur eine Bewertung der laufenden und der bald erhältlichen Modelle. "Die Angaben der Hersteller sind weit von realen Werten entfernt", so Lottsiepen. Im privaten Besitz seien Elektroautos wegen der teuren Batterie bislang wenig sinnvoll.