Neue Taxis in London It's not very British, is it?

Nissan stellte jetzt den NV200 als neues Taxi für die britische Hauptstadt London vor.

Die Londoner sind stolz auf ihre geräumigen schwarzen Taxis. Doch wird das Symbol englischer Ingenieurskunst inzwischen von ausländischen Konzernen gebaut. Nun mischt Nissan den Markt mit einem billigeren Cab auf.

Von Björn Finke, London

Sie stehen für die Hauptstadt wie der Big Ben oder die Tower Bridge, sie gehören zum Vereinigten Königreich wie die roten Telefonzellen oder das fettige Frühstück: die schwarzen Cabs, die Taxis mit der angenehm geräumigen Rückbank und der Trennscheibe zwischen Fahrersitz und Passagieren. Umso schmerzlicher muss es für patriotische Briten sein, dass die Cabs in Londons Straßen inzwischen von zwei ausländischen Firmen gefertigt werden. Nun drängt auch noch ein dritter Anbieter von jenseits des Ärmelkanals auf den Markt - Nissan stellte seine Version der klobigen Kutsche vor, die Taxifahrer von Dezember 2014 an ordern können.

Das Londoner Taxi stellt das chinesische Unternehmen Geely her

Damit machen die Japaner aus einem Zwei- einen Dreikampf. Bislang ist das Geschäft fest in der Hand des traditionellen Cab-Herstellers Manganese Bronze aus Coventry. Von den fast 23 000 Taxen in der Hauptstadt stammen 90 Prozent von der Firma. Trotzdem ging Manganese Bronze 2012 pleite, woraufhin der chinesische Autohersteller Geely die Taxiproduktion des Unternehmens kaufte und im vergangenen September die Fertigung in der Industriestadt bei Birmingham wieder aufnahm. Der Anbieter firmiert nun unter The London Taxi Company (LTC). Klingt extrem englisch, dennoch gehört dieses Symbol britischer Autobauer-Kunst jetzt ins weitverzweigte Reich der Chinesen, die bereits 2010 Volvo übernommen hatten.

Die restlichen zehn Prozent der Cabs in London stammen von Daimler; die Stuttgarter verkaufen seit 2008 umgebaute Mercedes Vitos. Und nun eben noch Nissan. Die müssen für den Einstieg in der Hauptstadt ebenfalls ein Modell anpassen. Grundlage ist der Van NV200, der schon in New York, Barcelona und Tokio als Taxi unterwegs ist. Nissan-Manager Andy Palmer sagte, das japanische Cab werde "einen wettbewerbsfähigen Preis" haben, es werde billiger als die Autos von LTC und Mercedes sein. Das freut die Fahrer: Deren Vertreter Steve McNamara, Generalsekretär der Licensed Taxi Drivers' Association, sagte, wenn der Nissan tatsächlich so wenig Sprit verbrauche wie versprochen, werde er sich gut verkaufen. "Es ist auch wichtig, dass dieses Modell wie ein Cab aussieht, bequem und zuverlässig ist", ergänzte er. Da werden die zukünftigen Fahrgäste sicher zustimmen - jeden Tag nutzen 300 000 Menschen die Londoner Cabs.

Für die schwarzen Taxis gelten besondere Regeln

Nissan stellte schon im August 2012 eine erste Version vor, aber der Bürgermeister und die Verkehrsbehörde Transport for London hatten Änderungswünsche. Für die schwarzen Taxis gelten besondere Regeln; Fahrer können nicht einfach irgendein Auto umlackieren, mit Taxameter und gelbem Taxilicht ausstatten. Deswegen gab es auch bislang nur zwei Anbieter.

Die Bibel der Cab-Produzenten ist ein 14-seitiger Kriterienkatalog, der Conditions of Fitness heißt und dessen erste Version 1906 veröffentlicht wurde. Schon damals wurde festgeschrieben, dass Cabs einen Wendekreis von maximal 25 Fuß, also 7,60 Meter, haben dürfen, damit sie auch in den vielen schmalen Straßen Londons gut drehen können. Cab ist eine Kurzform von Hackney Cab, wie die schwarzen Taxen richtig heißen. Und dieser Begriff wiederum stammt aus der Zeit der Pferdedroschken. Hackney ist die englische Version von Hacquenee, einer französischen Pferderasse, die bei Kutschern sehr beliebt war. Cab kommt von Cabriolet, dem Wort für eine leichte Kutsche mit zwei Rädern.

Damit der Nissan NV200 nun mehr wie die traditionellen Cabs von LTC aussieht, wurden der Kühlergrill umgemodelt und dem Auto runde Frontscheinwerfer verpasst. Gebaut werden die NV200-Modelle in Barcelona, in einem englischen Nissan-Werk sollen sie dann angepasst werden.

Die britische Autoproduktion ist fest in der Hand ausländischer Konzerne

Die Japaner betreiben in Sunderland die größte Fahrzeugfabrik des Vereinigten Königreichs, ohnehin ist die Autoproduktion fest in der Hand ausländischer Konzerne. Die haben britische Marken übernommen - Volkswagen etwa Bentley, BMW Mini und Rolls-Royce -, oder sie errichteten dort wie im Falle Nissans bedeutende Standorte. Und das Geschäft läuft, die Zahl der gefertigten Fahrzeuge steigt, die Briten kaufen nach der Krise wieder gerne Autos. Am Dienstag berichtete der dortige Branchenverband SMMT, dass im vorigen Jahr zehn Prozent mehr Neuwagen zugelassen wurden als 2012, Großbritannien ist nach Deutschland zweitwichtigster Automarkt Europas. Solche Nachrichten erfreuen die Regierung, denn die will die Industrie auf der Insel nach einem jahrzehntelangen Niedergang stärken. Jenseits der Autobranche dümpelt das Geschäft aber in vielen Industriezweigen weiter vor sich hin.

Den Londonern kann die Wirtschaftspolitik egal sein. Sie haben bald bei den Taxen mehr Auswahl - zwischen einem chinesischen, deutschen und japanischen Cab.