Motorrad-Messe EICMA Mailand Die Kurve gekriegt

Yamaha zeigte auf der EICMA die komplett neue YZF-R1 mit 200 PS.

(Foto: dpa-tmn)

Mit einer Modellflut gibt die Motorradbranche auf der Mailänder EICMA einen Ausblick auf 2015. Auffallend ist: Es gibt immer mehr PS. Aber um die beherrschen zu können, ziehen Assistenzsysteme in großem Stil ein. Eine Übersicht.

Von Thilo Kozik

Nach der Einstimmung auf der Kölner Intermot gehen die Motorradhersteller auf der gerade zu Ende gegangenen Mailänder Motorradmesse Eicma endgültig in die Offensive. Die italienische Leitmesse bietet eine echte Neuheitenschau mit wichtigen Modellen. Auffallend dabei ist der Versuch nahezu aller Hersteller, das totgesagte Segment der Supersportler wiederzubeleben. Leistungsmäßig liegt die Messlatte nun um die 200 PS. Um diese Kraft beherrschbar zu machen, ziehen in großem Stil Assistenzsysteme in die Serie ein.

So legt Yamaha nach langer Zeit mit der rundum renovierten YZF-R1 ein neues Supersport-Flaggschiff auf, das mit einer Fülle edler Zutaten versehen ist: Im neu konstruierten Reihenvierzylinder sorgen Titanpleuel für satte 200 PS Leistung, ein 17-Liter-Alutank, Magnesium-Heckrahmen und gegossene Magnesiumräder halten das fahrfertige Gewicht bei 199 Kilo. Das neue, prall gefüllte Elektronikpaket umfasst unter anderem eine Traktionskontrolle mit Schräglagenerfassung, ein patentiertes Slide Control System sowie ein serienmäßiges Kombi-ABS. Polarisierend wirkt die Optik in Anlehnung an die MotoGP-Renner mit ungewohnt großen Freiflächen in der Front.

Zum Niederknien schön

Ducatis neuer Spitzensportler leistet 205 PS.

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Die Rolle als Star der Messe muss sich die Japanerin mit einer Roten aus Bologna teilen. Die neue Ducati 1299 Panigale ist ein zum Niederknien schönes Motorrad, in dem natürlich das markentypische Desmodromik-Herz, ein 90-Grad-V2, pocht. Riesige 113 Millimeter große Kolben ergeben 1299 cm³ Hubraum, aus dem die Italienerin sage und schreibe 205 PS und 144 Nm Drehmoment schöpft. Im neuen Fahrwerk steckt alles, was gut und teuer ist - natürlich elektronisch aktiviert: Von semiaktiven Öhlins-Federelementen über einen Schaltautomaten für Hoch- und Runterschalten bis zur schräglagenabhängigen Traktionskontrolle und ABS.

Nicht weniger aufsehenerregend ist das Speedbike Kawasaki Ninja H2. Markant mit grün lackiertem Gitterrohrrahmen und einer aerodynamisch optimierten Verkleidung steckt unter der Hülle eine neue Motorentechnologie: Der Reihenvierer mit 998 Kubik verfügt über eine Kompressoraufladung, die ihn mit maximal 200 Pferdestärken und einem Drehmoment von 133 Newtonmeter ausstattet. Um diese Leistung sicher auf die Straße zu bringen, verpasst Kawasaki der H2 das komplette Elektronik-Paket mit mehrstufiger Traktionskontrolle, unterschiedlichen Fahrmodi, Launch Control und einstellbarem Motorbremsmoment. Dazu kommen ABS, Quickshifter und ein elektronisch gesteuerter Lenkungsdämpfer.

Alle Elektronikhelfer an Bord

Passend zum Gewinn der Superbike-Weltmeisterschaft am letzten Wochenende durch Aprilia kann auch die neue RSV 4 RR leistungsmäßig auftrumpfen: Ihr 65-Grad-V4-Motor bringt es auf 201 PS und 133 Newtonmeter Drehmoment. Zahlreiche Fahrwerksänderungen drücken das Trockengewicht auf 180 kg. Um die damit verbundene Dynamik überhaupt auskosten zu können, sind von der Traktionskontrolle bis zum mehrstufig agierenden Race-ABS alle Elektronikhelfer an Bord. Als besonderes Schmankerl bietet Aprilia optional eine Multimedia-Plattform an, bei der das Bike mit dem eigenen Smartphone kombiniert werden kann.

Als weltgrößter Hersteller komplettiert Honda das Superbike-Angebot. Die RC213V-S stammt aus der Feder der legendären Honda Racing Corporation (HRC) und ist ein notdürftig mit Spiegeln und Beleuchtung versehener Ableger des Weltmeistermotorrads von MotoGP-Champion Marc Marquez. Das gezeigte V4-Bike ist noch ein Prototyp, technische Informationen sind daher rar. Preislich wird das Über-Bike allerdings in Liebhaberregionen angesiedelt sein. Den neuen Trend zur Sportlichkeit belegen auch weniger PS-starke Modelle wie die supersportliche Yamaha YZF-R3, die mit 42-PS-Reihenzweizylinder die Lücke zwischen YZF-R 125 und R6 schließt und Führerschein-A2-tauglich ist. In dieser Klasse fischt auch Kawasakis Z300 mit 39 PS.