Mikromobilität Der Erfolg der Kleinen kommt nur, wenn die Kunden sie auch nachfragen

Phil Gott vom Beratungsunternehmen IHS Automotive glaubt, dass Mikromobilität für die Autobauer durchaus ein lukratives Geschäft werden kann. "Der Markterfolg dieser Fahrzeuge hängt weniger von der Technologie ab, sondern eher vom Sinneswandel der Verbraucher. Für die Hersteller ist die Rentabilitätsgrenze für Fahrzeuge im Bereich der Mikromobilität wahrscheinlich schon weit unterhalb von 100.000 produzierten Einheiten erreicht. Das heißt, sie können dann bereits Gewinn machen", ist der IHS-Experte überzeugt.

Dieser Sinneswandel muss aber noch auf breiter Front stattfinden. "Bislang haben wir meist Fahrzeuge gekauft, die für unsere Transportbedürfnisse viel zu groß sind. Selbst bei einem SUV sind im Schnitt nur zwei Personen an Bord. Die Kunden werden nur schrittweise von diesem Kaufverhalten abrücken", meint Phil Gott. Er sieht Chancen für Kleinstmobile vor allem beim Car Sharing: "Diese Fahrzeuge können viele Verkehrsprobleme lösen, aber sie sind nicht unbedingt das, was man selbst besitzen möchte. Es gibt Car Sharing schon in mehr als 1000 Städten weltweit", so der IHS-Experte.

Auch Wolfgang Schade sieht im Car Sharing und in vernetzten Mobilitätskonzepten die große Chance für Mikromobilität. Schade ist Leiter des Geschäftsfeldes Verkehrssysteme beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI). Schade beobachtet, dass sich alternative Mobilitätskonzepte an manchen Orten viel schneller durchsetzen als gedacht. "Ich habe das etwa in Kopenhagen beobachtet. Dort nutzen rund 70 Prozent der Bevölkerung Fahrräder, viele nehmen auch ihre Kinder mit", berichtet Wolfgang Schade.

Familien nutzten so genannte Cargo-Bikes. "Aktuelle Untersuchungen in Kopenhagen zeigen, dass damit der Besetzungsgrad des Fahrrades sich langsam der Besetzungsquote von Autos nähert - dort sind statistisch gesehen 1,4 Personen an Bord", so Schade.