Ladestationen für Elektroautos Bezahlen nach dem Roaming-Prinzip

Die Industrie will das Bezahlen beim Aufladen von Elektroautos vereinheitlichen. Ziel ist ein Roaming-System wie beim Telefonieren mit Handys. Damit, so die Hoffnung, sollen die Chancen der neuen Stromer bei den Kunden steigen.

Von Thomas Fromm

Es gibt viele gute Gründe, irgendwann auf ein Elektroauto umzusteigen. Es gibt aber auch viele gute Gründe, die dagegen sprechen. Die geringe Reichweite von Elektromotoren ist so eines: Das E-Auto bietet sich für Kurzstrecken in Städten an, aber nicht für große Reisen über die Alpenpässe. Denn anders als normale Tankstellen findet man die neuen Stromtanken längst nicht an jeder Ecke. Und vor allem: Elektroautos können oft nur an den Ladesäulen eines Stromanbieters aufgeladen werden, mit dem der Fahrer einen Vertrag hat. Also: entweder EnBW. Oder RWE, Vattenfall - oder einzelne Stadtwerke.

Seit langem brüteten die Experten über den technischen Details eines Stromtankstellen-Roamings - vergleichbar mit dem Roaming bei Mobilfunk-Abrechnungen. Jetzt ist ihnen hier ein kleiner Durchbruch gelungen: Nutzer von Elektroautos können von Januar 2014 an eine ID-Nummer bekommen, mit der sie an jeder Ladesäule Strom laden und abrechnen können. Ziel: Das Roaming-Verfahren soll die vielen bereits bestehenden Buchungs- und Abrechnungssysteme vereinheitlichen. Die Eckpunkte des neuen Roaming-Verfahrens sollen an diesem Donnerstag von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bekannt gegeben werden.

Abrechungen sollen einfach werden

"Das gibt allen Beteiligten mehr Planungssicherheit", sagte der zuständige Projektleiter, Peter Wüstnienhaus vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Süddeutschen Zeitung. Die Frage, wer eine Ladesäule für Elektroautos betreibe, würde in Zukunft keine Rolle mehr spielen - was wiederum dazu führe, dass mehr Kunden Vertrauen in die Technologie gewännen. Dies werde "helfen, das Ziel der Bundesregierung, eine Million Elektroautos bis zum Jahre 2020 auf deutsche Straßen zu bringen, zu erreichen", so Wüstnienhaus. Es ist ein großes Ziel: Zurzeit sind gerade mal an die 5000 Elektroautos in Deutschland unterwegs.

Energieversorger, Autokonzerne und IT-Dienstleister hätten sich darauf geeinigt, dass die neue Identifikationsnummer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) vergeben werden soll. Ziel: Kunden, Ladesäulenbetreiber und Stromanbieter seien mit Hilfe der ID-Codes klar identifizierbar, die Betreiber könnten leichter untereinander Daten austauschen - und Abrechnungen seien so leichter auszustellen.

Die Zeit drängt und die Konzerne drücken aufs Tempo: Erst vor einigen Wochen hatten Unternehmen wie BMW, Bosch und RWE mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen Hubject ihr Projekt "Intercharge" präsentiert. Ziel: die Vernetzung von Ladestationen verschiedener Anbieter. Der Slogan des Projekts: "Charge wherever you like" - "Laden Sie auf, wo immer Sie wollen."

"Keine rein deutsche Sache"

Roaming beim Stromtanken, das könnte dann aber auch bedeuten: Wer fremdtankt, muss sich auf Roaming-Gebühren einstellen. Wie Mobilfunkkunden im Ausland, wie Bankkunden, die mit ihrer EC-Karte Geld bei einem anderen Institut abheben. Auszuschließen seien solche Gebühren nicht, meint Wüstnienhaus. "Die Geschäftsmodelle sind offen." Die technischen Voraussetzungen für das flächendeckende Stromtanken seien geschaffen - jetzt sei es Sache der Unternehmen, was sie daraus machten. Unklar ist auch, ob das Roaming auf Deutschland beschränkt bleiben wird. "Das soll keine rein deutsche Sache bleiben", so der Experte. "Wir möchten schon, dass das im Dialog mit den anderen Ländern stattfindet." Nur - bei den Dialogen ist man erst ganz am Anfang.

Die Einführung der Elektromobilität sei kein Sprint, eher ein Marathon, sagen Manager aus der Industrie. Zu diesem Marathon gehört auch die Frage nach dem Standard der Lade-Stecker. Die EU-Kommission hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, dass künftig ganz Europa seine Elektrofahrzeuge mit einem einheitlichen Stecker auflädt. Es gibt weltweit drei genormte Systeme, und im Grunde ist es wie bei Handy-Aufladegeräten: Sie passen nicht zueinander und sind auch nicht austauschbar. In Zukunft sollen nach dem Willen der EU die Stecker des Mittelständlers Mennekes aus dem Sauerland alle Elektro-Autos in Europa aufladen - was wiederum den Nachbarn in Frankreich, die noch dazu mehr E-Autos auf den Straßen haben, gar nicht gefällt: Sie haben nämlich ihren eigenen Stecker-Standard.

Und selbst wenn das geklärt ist, bleibt nach Steckern und Roaming noch ein Problem: die Preise der Elektroautos. Die liegen nämlich noch weit über den Preisen normaler Autos mit Benzinmotor.