Elvis Presleys BMW 507 Des Königs alte Reifen

507-Experte Dr. Karlheinz Lange mit Elvis' unrestauriertem BMW.

(Foto: STG)

Bei seinem Militärdienst in Deutschland lernte Elvis Presley nicht nur Priscilla kennen - er verliebte sich auch in einen deutschen Sportwagen. Über Jahre verstaubte der in einer amerikanischen Scheune. Jetzt ist er endlich in Deutschland zu sehen.

Von Florian Maier

Als ein gewisser Elvis Aaron Presley in Frankfurt seinen BMW 507 in Empfang nimmt, hat dieser - ganz ähnlich wie sein neuer Besitzer - bereits eine ansehnliche Karriere hingelegt. Der Wagen läuft 1957 vom Band und wird zunächst als Messe-Exponat und Presse-Testwagen genutzt, bevor der legendäre Rennfahrer Hans Stuck mit ihm verschiedene Bergrennen gewinnt. 1958 tritt Elvis Presley seinen Militärdienst an und wird nach der Grundausbildung im hessischen Friedberg stationiert.

Aufeinander treffen der King of Rock´n´Roll und sein "Federweiß" lackierter Roadster kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 1958. Die Symbiose wird öffentlichkeitswirksam von Uschi Siebert initiiert, der damaligen Miss Hessen und langjährigen TV-Assistentin von Hans-Joachim Kulenkampff. Der King, sonst eher bekannt für seine Vorliebe bonbonfarbener US-Straßenkreuzer im Schlachtschiff-Format, findet sofort Gefallen an dem Zweisitzer. Er fährt den Wagen bis zum Ende seiner Stationierung in Deutschland. Allerdings sorgt Elvis schon bald für eine zweckdienliche Individualisierung: Die dauerverzückte weibliche Entourage, die dem US-Superstar Tag und Nacht nachstellt, hinterlässt mit Vorliebe Lippenstift-Botschaften auf dem Lack des BMW. Die Schmierereien seiner Groupies ist Elvis irgendwann so leid, dass er den 507 kurzerhand in rot lackieren lässt. Problem gelöst.

Geld verdient BMW mit dem 507 nicht

Doch schon etliche Jahre bevor Elvis Besitzer des Sportwagens von BMW wird, sorgen die Münchner mit dem 507 für Aufsehen. Er ist die Hauptattraktion der IAA 1957 und soll mit seinem eleganten, sportlichen Design aus der Feder von Albrecht Graf Goertz die Tradition des BMW 328 fortführen und zeitgleich den Mercedes 300 SL in die Schranken weisen. Im Test-Fazit der Motor-Revue aus dem Jahr 1958 heißt es: "Der BMW 507, als sportlicher Wagen eines seit Jahrzehnten für Qualität und technische Kultur berühmten Hauses, ist zweifellos kein Auto mit dem die Bayerischen Motoren Werke Geld verdienen; er ist vielmehr Repräsentant der traditionell sportlichen, früher wie heute äußerst gediegenen Linie des Hauses."

Geld verdient BMW mit dem Roadster tatsächlich nicht. Aber der zeitlos schöne Sportwagen tut dem Image des Unternehmens gut. Unter den Besitzern des damals 26 500 D-Mark teuren 507 finden sich so illustre Namen wie Alain Delon, Ursula Andress oder Toni Sailer. Natürlich werden sie alle von Elvis Presley in den Schatten gestellt. Als der King am 2. März 1960 seinen Militärdienst in Deutschland beendet, verliert sich die Spur seines BMW. Erst 1962 taucht der Wagen in New York wieder auf. Ob Elvis aus Liebe zu dem Automobil für die Überführung gesorgt hat, ist nicht bekannt.

1968 landet der 507 in Alabama, wo er in den Besitz eines gewissen Jack Castor übergeht. Zu diesem Zeitpunkt ist der Sportwagen nicht mehr mit dem serienmäßigen 150 PS starken 3,2-Liter-V8 Motor aus München, sondern mit einem großvolumigen Triebwerk aus dem Hause Chevrolet ausgestattet. Auch die Hinterachse und das Getriebe sind keine Original-Teile mehr. Jack Castor nutzt den Zweisitzer einige Jahre als Alltagswagen, dann wird das wohl berühmteste der 254 entstandenen Exemplare des BMW 507 in einer kalifornischen Scheune eingemottet.

Über Jahrzehnte hinweg verstaubte der 507 des King.

(Foto: STG)

Heimkehr nach 60 Jahren

Über Jahre bekniet man in der Münchener BMW-Zentrale den amerikanischen Besitzer, das gute Stück zur Restauration herauszugeben. Im Juli 2014 stimmt Jack Castor letztlich zu und der Wagen kommt nach fast sechs Jahrzehnten an seinen Produktionsort nach München zurück.

Der Klassiker von BMW ist in einem schlechten Zustand. Experten sollen ihn wieder in seinen Originalzustand versetzen.

(Foto: STG)

Dort steht er nun, Elvis' ehemaliger BMW 507 - in einem mehr als erbärmlichen Zustand. Verrostet, verstaubt, ohne Motor, notdürftig zusammengeflickt, aber immer noch diesen unvergleichlichen Mythos ausstrahlend. Bis zum 10. August kann man den unrestaurierten 507 im BMW Museum im Rahmen einer Ausstellung begutachten. Danach wird der Klassiker von Experten in seine Einzelteile zerlegt und komplett restauriert. Der aufwändige Prozess wird laut BMW in zwei Jahren abgeschlossen sein. Dann soll Elvis' roter 507 wieder in "Federweiß" erstrahlen. So wie er es einst im Dezember 1958 getan hat, als sich der wohl legendärste Musiker der Welt in den legendären Roadster verliebte.