Elektromobilität Revolution nur auf dem Papier

Lange Zeit marschierte Deutschland beherzt voran: Eine Million Autos sollen bis 2020 hierzulande elektrisch betrieben werden, nur Frankreich ist ehrgeiziger. Dort sollen es in sieben Jahren zwei Millionen Fahrzeuge sein. Auf dem Papier ist die Revolution schon im Gange. Auf der Straße nicht. Im Gegenteil: Manches Pilotprojekt geht derzeit sang- und klanglos zu Ende.

Etwa das Auto, das der Oldenburger Energieversorger EWE selbst entwickeln ließ, von dem Karosseriebauer Karmann. Es sollte nicht nur den neuen Antrieb ausprobieren, sondern auch ausloten, inwieweit sich die Batterien zur Speicherung von Windstrom nutzen lassen. Nachts zum Beispiel, wenn die Fahrzeuge ungenutzt in der Garage stehen. Doch dann ging Karmann pleite, der Volkswagen-Konzern sprang ein. Für die acht Autos in Oldenburg interessierten sich die Wolfsburger allerdings nicht. Im Frühjahr geht das Projekt zu Ende. Was aus den acht Autos wird, weiß noch keiner. Für den normalen Straßenverkehr, so sagen die EWE-Tüftler, sind sie eigentlich viel zu wertvoll.

Elektromobilität als Exportschlager

Die Not des Zukunftsprojekts E-Auto ruft nun auch die EU auf den Plan, sie sieht den Umbau als strategisches Projekt. "Nach Plänen Chinas und der USA sollen spätestens 2020 mehr als sechs Millionen Elektrofahrzeuge im Straßenverkehr unterwegs sein", prophezeite in dieser Woche Verkehrskommissar Siim Kallas. "Dies ist eine enorme Chance für Europa, sich auf einem rasch wachsenden globalen Markt eine starke Position zu sichern." Mal ganz abgesehen von der Chance, endlich die Abhängigkeit von der immer teureren und knapperen Ressource Öl zu reduzieren. Elektromobilität als Exportschlager - wäre da nur nicht dieser Teufelskreis.

Denn bisher fehlt es europaweit an Ladestationen und an Autos. Mangelt es aber an Autos, baut auch keiner die Ladestationen - und umgekehrt. Die Brüssler Lösung: Eine halbe Million Ladestationen fordert sie von den Regierungen in ganz Europa, davon allein 150.000 in Deutschland. "Damit können wir die Henne-Ei-Diskussion beenden", sagt Klimakommissarin Connie Hedegaard. Womit dann auch wieder die Leute von Ubitricity im Spiel wären.