Elektromobilität "Das Projekt E-Auto ist dabei abzusterben"

Alle sind sich einig: Elektroautos gehört die Zukunft. Eigentlich. Auf der Straße aber tut sich nichts. Das liegt an der mangelhaften Infrastruktur für E-Mobile. Manches Pilotprojekt geht derzeit sang- und klanglos zu Ende. Experten befürchten das Schlimmste.

Von Michael Bauchmüller und Markus Balser

Parken und laden, so einfach könnte die Zukunft aussehen. Auto abgestellt, Kabel an die Laterne, schon läuft der Strom - jedenfalls bei dem Berliner Start-up Ubitricity. "Unsere Steckdose ist so schlank, dass sie sich an jeder Straßenlaterne montieren lässt", sagt Knut Hechtfischer, einer der Gründer der Firma. Ein Spezialkabel leitet den Strom in die Batterie und rechnet per Funk auch gleich mit dem Stromversorger ab. Schon wird das Elektroauto geladen - mitten in der Stadt, im Parkhaus, im Carport. "Technisch alles kein Problem", sagt Hechtfischer. Die Zukunft, das wären: Autos, die leise durch die Städte summen, frei von Abgasen. Ohne Lärm. Ohne Öl. Und das vielleicht sogar ganz grün, nur mit Strom aus Sonne und Wind. Jedenfalls, wenn alles gut läuft.

Läuft es aber bisher nicht. Das Elektroauto, von der Bundesregierung noch vor wenigen Jahren als "technologische Zeitenwende im Straßenverkehr" umschwärmt, kommt nicht vom Fleck. "Das Projekt E-Auto ist dabei abzusterben", schwant Ferdinand Dudenhöffer, Auto-Experte an der Uni Duisburg-Essen.

Die Pioniere sind enttäuscht

Wie sich so ein Sterben vollzieht, können die Leute aus Dudenhöffers Lehrstuhl derzeit hautnah miterleben: bei ihrem eigenen Elektro-Car-Sharing in der Essener Innenstadt. Die Essener sollten mit den geliehenen Autos erste Erfahrungen mit dem neuen Antrieb sammeln, sagt Dudenhöffer heute. "Viele kennen die Vorzüge des Elektroautos ja überhaupt noch nicht." Stattdessen verstrickte das Projekt den Professor in endlose Streitereien mit der Verwaltung. Kostenlos sollten die Elektroautos an den Ladestationen parken können. Doch mal stellten Benziner die reservierten Parkplätze zu, mal wurden selbst Elektroautos abgeschleppt. Eine klare Kennzeichnung gibt es für die Elektro-Parkplätze bis heute nicht. "Was hat die Bundeskanzlerin alles an Ideen gehabt, kostenlose Parkplätze, die Benutzung der Busspuren", sagt Dudenhöffer. "Und jetzt müssen wir das Grundgesetz ändern, um ein Schild hinzustellen." Die Pioniere, keine Frage, sind enttäuscht.

Dabei gilt der Elektromotor unter Experten nach wie vor als der Antrieb der Zukunft. Vor allem den Verkehr in den Städten könnte er revolutionieren, es würde bessere Luft geben und geringere Lärmbelastung. Auch der Umstand, dass die Reichweite der Batterien bisher noch recht dürftig ist, fällt hier nicht weiter ins Gewicht - zwischendurch ließe sich das Elektroauto immer wieder auftanken. Auch per Brennstoffzelle ließe sich der Strom erzeugen.