Elektroautos für den Papst Gut für die Schöpfung, schlecht für die Sicherheit

Renault hat Papst Benedikt XVI. zwei Elektromobile spendiert. Außerhalb der Kirchenmauern wird der Heilige Vater jedoch weiterhin im Mercedes-Papamobil mit Benzinmotor fahren. Die nötigen Panzerungen wären zu schwer für das schwache Elektroauto.

Von Andrea Bachstein

Die cremeweißen, dicken Lederpolster sehen wirklich bequem aus und passen ausgezeichnet zu den weißen Soutanen des Heiligen Vaters. Benedikt XVI. wirkte auch durchaus erfreut, als er nun in den Fond seines neuen Wagens stieg, um eine erste Runde im barocken Park der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo zu drehen. Kein Wölkchen drang aus dem Auspuff, und man hörte nur das Knirschen der Kieswege. "Das lautlos gleitende Fahrzeug passt sehr gut zu dieser Umgebung", sagt Papstsprecher Federico Lombardi bei der Vorstellung des ersten Elektroautos für das Kirchenoberhaupt. Das ist die jüngste Entwicklung der päpstlichen Mobilität, die in den vergangenen 100 Jahren einige Wege hinter sich hat. Es zeigt sich wieder, dass der Vatikan, wenn es um Technik geht, keine Scheu vor der Moderne hat.

Der französische Autokonzern Renault, von roten Zahlen gebeutelt, hat jedenfalls einen werbewirksamen Coup gelandet: Auf Basis eines Kangoo Maxi Z.E. hat er ein batteriebetriebenes Fahrzeug mit auf den Papst zugeschnittener Karosserie und Ausstattung entwickelt. Renault-Generaldirektor Carlos Ghosn hat neben dem weißen Gefährt mit weiß-gelben Papstwappen gleich noch ein blaues Modell für die vatikanische Gendarmerie mit dabei. 60 PS hat dieses Gefährt und kommt mit einer Stromfüllung rund 150 Kilometern weit, bis zu 130 Stundenkilometer schnell, "das dürfte ausreichen für den Park von Castel Gandolfo", sagt Jacques Bousquet, Chef von Renault Italien. Und natürlich trägt es eines der dem Oberhaupt des Vatikanstaats vorbehaltenen Nummernschilder mit dem Kennzeichen SCV 1 - Stato della Città del Vaticano.

Das gepanzerte Papamobil bleibt unersetzlich

Doch das von Mercedes gebaute Papamobil mit dem hohen Glasaufbau und angeblich 400 PS unter der Haube für die Auftritte des Pontifex außerhalb vatikanischer Kreise wird das Umwelt-Auto nicht ersetzen. Es verfügt nicht über die nötigen Sicherheitsfeatures, wie Bousquet erklärt. Mit den Batterien plus Panzerung würde es zu schwer. So ein Elektroauto, erläutert Padre Lombardi, entspreche aber dem großen Anliegen des Papstes, Umwelt und Schöpfung zu bewahren. Einen Teil des Energiebedarfs speist der Vatikan über die Solarstromanlage auf dem Dach der riesigen Audienzhalle. Die Gendarmerie benützt bereits zwei Elektro-Smarts, und das Presseamt ein Batterieauto der italienischen Firma NWG.

Beteiligt ist am Projekt auch der Energiekonzern Enel, der zu seinen 800 Stromtankstellen in Italien jetzt drei in der Vatikanstadt und drei in Castel Gandolfo zählen kann. Dort hat sich der Papst auch schon mit Hilfe von Strom bewegt - in Golfcarts. Und Elektroantrieb hat natürlich auch die rollende Plattform mit goldfarbenen Geländern, die Benedikt gelegentlich bei sehr langen Messen benutzt hat. Wenn der Papst aber zu Terminen in Rom fährt, benutzt er gepanzerte Mercedes-S-Klasse-Limousinen. Die Zeiten, in denen ein Papst elegante Cabrios besteigen konnten wie Paul VI. in den sechziger Jahren den 330 d Landaulet sind spätestens seit dem Attentat auf Johannes Paul II. im Jahr 1981 vorbei. Und auch wenn es die umweltfreundlichste Lösung von allen wäre - Hinweise für eine Rückkehr zur mit Muskelkraft bewegten Papstsänfte gibt es nicht.

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