Dreizylinder für BMW und Mini BMW baut um

Einstiegsbenziner werden bei BMW 1er und Mini bald nur noch drei Zylinder haben, außerdem setzen die Bayern in ihren kleinen Baureihen auf Frontantrieb. Das schockiert BMW-Puristen, soll die Marke aber zukunftsfähig machen.

Von Stefan Grundhoff

Die jahrzehntelang aufgebaute BMW-Kernkompetenz aus Reihensechszylinder-Motor, Hinterradantrieb und Fahrspaß als oberstem Ziel wird mehr und mehr aufgeweicht. Einstiegsbenziner werden ab 2014 bei BMW 1er und Mini nur noch drei Zylinder haben. "Die Motoren haben neben Direkteinspritzung und Turboaufladung zunächst 1,5 Liter Hubraum", sagt Bernardo Lopez aus der Motorenentwicklung. Und weiter: "Die Dreizylinder haben in Ansprechverhalten und Charakteristik Ähnlichkeiten mit unseren Sechszylindern." Das bringt die Grundfesten von BMW-Puristen ins Wanken. Dreizylinder galten bislang in der Autobranche als Enthaltsamkeitserklärung und waren nur in den Einstiegsmodellen zu finden. Nur Ford konnte einen ein Liter großen Dreizylinder im Focus salonfähig machen.

Bald mit Dreizylinder und Fronantrieb: Den kleinen Baureihen von BMW stehen drastische Veränderungen bevor. Im Bild der Prototyp eines 1ers mit Dreizylinder-Motor.

(Foto: STG)

Doch BMW geht noch weiter. In einem zweiten Schritt wäre bei Modellen unter 100 PS sogar denkbar, dass der Hubraum von 0,5 Liter je Brennkammer auf 0,4 Liter je Brennraum sinkt und der Hubraum sich auf wenig beeindruckende 1,2 Liter reduziert. Während einige der Konkurrenten ihre Vierzylinder mittlerweile mit einer Zylinderabschaltung kombinieren, setzt BMW auf drei Brennkammern und die Valvetronic für variablen Ventiltrieb.

Die neue Motorengeneration aus München feiert in der nächsten Generation des Mini ihre Premiere. Die Modelle bis knapp 150 PS sollen von den Dreizylindern angetrieben werden. Die sportlicheren Modelle ab dem Mini Cooper S bleiben aus Imagegründen mit vier Zylindern ausgestattet. Auch der BMW Dreier bekam in letzter Sekunde vom BMW-Vorstand eine Dreizylinder-Absage. Da man zu große Imageschäden befürchtet, bleibt der betont sportlich positionierte BMW 3er durchweg bei vier und sechs Zylindern. Aber wie lange noch? Denn auch bei BMW galten Turboaufladungen viele Jahre als absolut unvorstellbar. Doch die Zeiten haben sich geändert. Und um die immer strenger werdenden Umweltrichtlinien zu erfüllen, sehen die Bayern scheinbar Handlungsbedarf.

Die neue Generation von Dreizylindern wird von Benzintriebwerken angeführt, die mit 1,5 Litern Hubraum ein Spektrum von rund 120 bis 170 PS abdecken sollen. Die Dieseltriebwerke - eng mit den Benzinern verwandt - dürften mit einem ähnlichen Leistungsspektrum gegen Ende 2014 nachgereicht werden.

Kombinationsmöglichkeiten wird es viele geben. Alle Dreizylinder können durchweg längs und quer in die Modelle eingebaut werden. Zudem sind sie für Front- und Allradantrieb sowie mit Handschaltungen und Automatikgetrieben zwischen sechs und acht Schaltstufen nahezu frei verwendbar. Viele Komponenten ziehen sich bald durch als Motorgenerationen mit drei, vier und sechs Zylindern. Rund 40 Prozent Gleichteile soll es hier geben.

Bei einer ersten Ausfahrt in einem umgebauten BMW 1er schlägt sich der sportlich nachgeschärfte Dreizylinder-Benziner achtbar. Der Motor hat rund 130 Kilowatt und 270 Newtonmeter Drehmoment. Der Dreizylinder wiegt rund zehn Kilogramm weniger als ein vergleichbarer Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum. Mit den über 180 PS ist der rote BMW 1er flott unterwegs und drehfreudig. Der Klang charakterisiert ihn ohne Umschweife als Dreizylinder, doch die Motorvibrationen sind Dank entsprechender Lagerung und einer innenliegenden Ausgleichwelle gering. Der Dreizylinder mit 1,5 Litern Hubraum lässt sich sowohl hochtourig mit bis zu 6000 Kurbelwellenumdrehungen oder betont niedertourig mit kaum mehr als 1000 Touren fahren. Die Abstimmung mit dem achtstufigen Automatikgetriebe funktioniert in dem gefahrenen Prototypen bereits vorbildlich. BMW erwartet beim Serienmodell eine Verbrauchsersparnis bis zu 15 Prozent.

Die neue Generation von Dreizylindern wird nach ihrem Start in der Mini-Modellreihe nicht nur in den neuen BMW 1er Van, sondern ab 2014 / 2015 auch in die gesamte 1er- und 2er-Palette Einzug halten. Das umfasst auch die nächste Generation des BMW X1 sowie die neuen Hybrid- und Elektromodelle in den kleinen Baureihen.