BMW 3er Touring und ActiveHybrid 3 Die Beschleunigung des Laderaums

Sie bieten mehr Platz, mehr Effizienz und kosten mehr Geld. Der neue 3er Touring und der ActiveHybrid 3 sind zwei Modelle mit großen Ambitionen und kleinen Fehlern. Technik und Platzangebot überzeugen, doch in Anmutung und Materialqualität liegt die Konkurrenz von Audi und Mercedes eindeutig vorn.

Von Georg Kacher

Er ist der Liebling aller Dreier-Kunden und im Großraum München fast so häufig im Straßenbild vertreten wie anderswo der Golf: Der kompakte Touring von BMW ist in fünfter Generation nicht nur erwachsener geworden, er übertrifft mit 495 Liter Laderaumvolumen sogar die deutsche Konkurrenz, den Audi A4 Avant und die C-Klasse von Mercedes. Das Fassungsvermögen hat gegenüber dem Vorgänger um 35 bis 115 Liter (bei umgeklappten Rücksitzen) zugelegt. Leichter zu beladen ist der Kofferraum außerdem, denn die Ladekante wurde auf 62 Zentimeter abgesenkt und die lichte Breite wuchs auf 95 cm.

Die Heckklappe öffnet und schließt aufpreisfrei elektrisch. Und wenn man 570 Euro für den schlüssellosen Komfortzugang ausgibt, dann reicht eine Wischbewegung mit dem Fuß, und die Ladeklappe schwingt automatisch nach oben. Die Heckscheibe kann wie gehabt separat geöffnet werden, das Abdeckrollo verschwindet bei Nichtgebrauch in einem Staufach im Kofferraumboden, die Fondsitze sind im Verhältnis 40:20:40 geteilt und umlegbar, ein Verstausystem mit Schiene, Gurt und vier Fixierpunkten macht Schluss mit dem Tohuwabohu im Frachtfach. Alles richtig gemacht, sogar an Aussparungen für die Köpfe der Fondpassagiere hat man gedacht.

Wir fuhren den Touring als 328i (ab 39.150 Euro) mit Luxury-Paket, Sportautomatik, adaptivem Fahrwerk und variabler Sportlenkung. Die Luxury Line bietet für einen Aufpreis von 3720 Euro Ledersitze, 19-Zoll-Alufelgen und innen wie außen viel Chrom. Leider fällt der neue Dreier in Bezug auf Anmutung und Materialqualität gegen den Mercedes und vor allem den A4 deutlich ab. Die Oberflächen wirken zwar nicht ganz so billig wie im Einser und im X1, aber bei Narbung, Haptik, Passung (Handschuhfach!) und in Bezug auf die Werkstoffe besteht Handlungsbedarf. Vor allem die in hellen Farben gehaltene Modern Line untergräbt mit schlecht ablesbaren Instrumenten und fragwürdigen Applikationen längst gefestigte Markenwerte.

Weil wir schon beim Kritisieren sind: Der Langsamfahrkomfort der Notlaufreifen ist mager, die Sportlenkung (200 Euro) ist speziell in der Position Sport+ des Fahrerlebnisschalters ausgesprochen giftig untersetzt, das adaptive Fahrwerk (1100 Euro) erweitert das Spektrum nicht gleichmäßig, sondern einseitig in Richtung mehr Dynamik, die an sich überlegenswerte Sportbremse (700 Euro) gibt es nur in Verbindung mit dem teuren Sportpaket (4100 Euro).