Benzinverbrauch So manipulieren die Autohersteller

Ein Fahrzeug beim Ecotest des ADAC.

(Foto: ADAC)

Sechs Liter auf dem Papier, neun Liter im Alltag: Moderne Autos brauchen teils deutlich mehr Sprit, als die Hersteller offiziell versprechen. Eine Studie zeigt, mit welchen Mitteln die Autobauer bei den Messungen schummeln.

Von Sascha Gorhau

Ökologisch, sparsam, modern: Der Verbrauch aktueller Autos liest sich auf dem Papier sehr schön. Schön niedrig. Im Alltagsverkehr verbrauchen die Fahrzeuge in der Regel aber mehr als der Hersteller ausweist. Der Grund: Der Verbrauchswert ist zwar im NEFZ-Verfahren (Neuer europäischer Fahrzyklus) standardisiert und somit mit dem anderer Modelle vergleichbar - die Art und Weise jedoch, wie die Daten erhoben werden, hat mit der automobilen Realität wenig zu tun.

Der Durchschnittsverbrauch wird in einem Testlauf ermittelt. Allerdings nicht auf öffentlichen Straßen, sondern auf einem Rollenprüfstand. Labor statt Landstraße. Weder starke Beschleunigung noch Bremsvorgänge finden auf dem Prüfstand statt. Stattdessen rollt der Wagen nur 20 Minuten, die meiste Zeit davon bei maximal 50 km/h und nur kurz schneller. Dabei hält der Simulator die Geschwindigkeit konstant. Das führt meist zu niedrigen Werten.

Kreativ beim Mogeln

Eine aktuelle Studie mit dem Titel "Mind the gap" zeigt nun, welche Tricks die Hersteller bemühen, um den Spritkonsum künstlich weiter zu drücken. Die Autohersteller zeigen sich darin durchaus kreativ, legale Wege zur Verbrauchsminimierung auf dem Prüfstand zu finden. Verfasser der Untersuchung ist der Dachverband ökologisch orientierter Verkehrsclubs aus Europa namens Transport and Environment (T&E).

Ein Trick ist demnach das Abkleben von Kanten und Luftöffnungen, an denen sich der Fahrtwind brechen kann. So wird der Wagen windschlüpfriger und der Verbrauch sinkt. Außerdem seien die Fahrzeuge im Labor beinahe ausstattungsfrei. Weniger verbaute Systeme senken erstens das Gewicht und bedeuten zweitens weniger Verbraucher an Bord, die zusätzlichen Sprit verbrennen.

"Das System ist offen für Missbrauch"

Neben konkreten Veränderungen am Fahrzeug selbst passen viele Autohersteller auch die Umwelteinflüsse an, um einen möglichst niedrigen Verbrauch im NEFZ zu erreichen. Die Fahrzeugtemperatur beispielsweise ist bei knapp 30 Grad Celsius am verbrauchsgünstigsten, da Öl und Kraftstoff dann am effizientesten fließen können. Auch der Prüfstand, auf dem die Fahrzeuge getestet werden, wird hinsichtlich seines Rollwiderstands optimiert.

Die Reihe der Kritikpunkte am Messverfahren lässt sich noch lange fortführen. So dürfen die Autobauer von den tatsächlich ermittelten Ergebnissen pauschal eine Toleranz von vier Prozent abführen. Um die Abnahme der Fahrzeuge existiert zudem ein reger Wettbewerb. Denn die Hersteller müssen die Tests aus eigener Tasche bezahlen und haben logischerweise ein Interesse an einem Ergebnis mit möglichst geringem Verbrauch. Laut der Studie sei "das System offen für Missbrauch oder unangebrachte Flüchtigkeitsfehler".