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Falsche Herstellerangaben:Motorisierte Mogelpackung

Als ob die gestiegenen Benzinpreise nicht schon reichen würden: Neue Tests zeigen, dass Autos meist mehr Sprit schlucken als die Hersteller verraten.

Das böse Erwachen kommt beim Nachrechnen an der Tankstelle. Nicht genug, dass die Spritpreise dramatisch gestiegen sind, das Auto will sich auch nicht an die Werksangaben zum Verbrauch halten. 6,6 Liter pro 100 Kilometer stehen im Bordhandbuch, gebraucht hat der Wagen 8,5 - eine Diskrepanz, die auf dem Weg in den Urlaub schnell tiefe Löcher in die Reisekasse reißt. So ergeht es fast allen Fahrern: Kaum einer erreicht mit seinem Auto im täglichen Betrieb die sparsamen Werte der Herstellerangaben.

Kopf und Zahl

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Die Werksangaben zum Verbrauch werden nach dem "Neuen europäischen Fahrzyklus" (NEFZ) ermittelt. Bei dem standardisierten Test muss ein Auto für rund 20 Minuten in einen Messstand und dort eine festgelegte Abfolge von Beschleunigungen und Bremsvorgängen absolvieren. Zwei Drittel der Zeit wird eine Stadtfahrt simuliert, den Rest der Zeit eine Überlandfahrt. Die Ergebnisse seien zwar von Auto zu Auto vergleichbar, der Realität entsprächen sie aber nicht, sagt Maximilian Prager vom Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen an der Technischen Universität München (TUM).

Die Beschleunigungen im NEFZ seien sehr niedrig, sagt Prager. Das senke den Verbrauch. "Ich würde das im Münchner Stadtverkehr aber nicht probieren", sagt der Wissenschaftler. Bei der Autobahnfahrt gehe der Test zudem von maximal 120 Stundenkilometern aus - auch das sei keine realistische Annahme. Zudem würden für die Tests üblicherweise Fahrzeuge in der leichtesten Minimalausstattung benutzt und ohne Klimaanlage betrieben. Das senke den Verbrauch noch einmal.

Auch der ADAC kennt die Diskrepanz zwischen Werksangaben und Realität und hat einen eigenen Testzyklus namens "ECOTest" entwickelt. Dieses Verfahren sei realistischer, sagt ADAC-Experte Maximilian Maurer, bei der Autobahnfahrt habe man beispielsweise auch Überholvorgänge eingebaut. Im Schnitt lägen die Ergebnisse des ADAC damit 10 bis 15 Prozent über den Verbrauchsangaben der Hersteller, erklärt Maurer.

Wie viel Sprit der Einzelne brauche, "das hängt alles von der Situation und vom Fahrer ab", betont Maurer. Die Bandbreite sei dabei sehr groß. Zu viele Aspekte von der Außentemperatur über den Straßenbelag bis zum Reifendruck und vor allem dem persönlichen Fahrstil spielten eine Rolle. Die Verbrauchsangaben der Hersteller hält er trotzdem für sinnvoll, auch wenn die wenigsten Fahrer sie erreichten. Weil alle Autos nach dem selben Zyklus gemessen würden, könne der Käufer auf dieser Grundlage vergleichen - das sei für ihn das wichtigste.