Von Sebastian Viehmann

Sein Name klingt wie ein Druckfehler, doch den Porsche 912 gab es wirklich. Mit vier statt sechs Zylindern war er die Sparversion des 911er. Noch heute braucht ein 912 vor allem eins: Drehzahl.

Knirschend springt der zweite Gang des hakeligen Getriebes in Position, ein Tritt aufs Gaspedal lässt den Porsche-Motor aufheulen. Die Nadel des Drehzahlmessers wandert von der 3000 langsam zur 5000, der Wagen legt sich in die Kurve. Hier fühlt sich der Porsche 912 ganz in seinem Element, auch wenn er mittlerweile 45 Jahre auf dem Buckel hat.

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Niedertouriges Fahren verträgt der Oldie aus Porsches Klassiker-Fundus gar nicht, manchmal machen die kapriziösen Vergaser Ärger. So fühlt er sich vor allem bei schneller Fahrt wohl - wie jeder Sportwagen. Und wie es sich für einen Klassiker aus Zuffenhausen gehört, benötigt man ein bisschen Gefühl am Gaspedal, um das Heck in Zaum zu halten.

Dass sich der Porsche so verausgaben muss, hat einen einfachen Grund: Statt sechs Zylindern sind nur vier zum Box-Training im Heck angetreten. Der Wagen sieht aus wie ein normaler 911er, doch der Schriftzug am Heck verrät den 912er.

Der Wagen kam 1965 als günstige Alternative zum 911 auf den Markt, der ein Jahr vorher den 356 abgelöst hatte. Der Vierzylinder-Boxer des 912 stammte vom Porsche 356 C, hatte 1582 Kubikzentimeter Hubraum und 90 PS - das waren 40 Pferdchen weniger als beim damaligen 911er mit zwei Litern Hubraum. Im Vergleich zum 911 S mit 160 PS sah der 912 geradezu schwachbrüstig aus.

Immerhin war der 912 etwas leichter als sein potenter Bruder, statt 1095 brachte er nur 995 Kilogramm auf die Waage. Doch die Fahrleistungen sprachen für sich: 13,5 Sekunden brauchte der 912 für den Spurt von 0 auf Tempo 100, der 911er knackte die 100er-Marke je nach Modell und Getriebe schon nach acht bis elf Sekunden. Während die Sechszylinder-Porsche spielend die 200-km/h-Latte übersprangen, endete der Vorwärtsdrang des 912 bei 183 Sachen.

Doch Leistung war selbst in den sechziger Jahren nicht alles, als sich Playboys am Porsche-Volant noch keine Gedanken über Spritverbrauch und Tempolimit machen mussten. Der 912 machte den Traum vom schicken Sportwagen etwas erschwinglicher, denn er kostete bei seiner Markteinführung im April 1965 nur 16.250 D-Mark. Den 911er gab es erst ab 21.900 Mark.

Dafür war der 912 nicht nur unter der Haube kastriert und musste den alten Motor des 356 auftragen, den man zugunsten der Langlebigkeit auch noch um fünf PS betrogen hatte - der 356 1600 SC hatte sich noch über 95 Pferdchen freuen dürfen.

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