Autoindustrie Vernetzt in die Zukunft

Vom Autohersteller zum Mobilitätsanbieter: Die Gesellschaft ändert sich und damit auch ihre Mobiltätsbedürfnisse. Die Automobilindustrie muss sich darauf einstellen und sich dafür neu erfinden.

Von Joachim Becker

Elektromobilität boomt - nur anders, als sich das die Bundesregierung vorstellt. Während der Anteil von Elektroautos am Fahrzeugbestand noch immer weniger als ein Promille beträgt, explodiert das mobile Internet förmlich: "Mittlerweile gibt es 500 Millionen Smartphones - auch das ist Mobilität!", betonte Dieter Zetsche auf dem Technischen Kongress des Verbands der Automobilindustrie (VDA) in Stuttgart. Der Daimler-Chef ließ keinen Zweifel daran, dass die Kommunikationselektronik ein wichtiger Treibstoff für die automobile Zukunft sei. "Die Kunden haben alle zwei Jahre ein neues Smartphone. Besonders den jüngeren Kunden können wir künftig kaum noch Autos ohne die entsprechende Konnektivität verkaufen." Auch die Elektroautos würden durch die Vernetzung mit dem Internet attraktiver, so Zetsche: "Anders werden sie keinen Erfolg haben!"

Wie ein Damoklesschwert hing bei allen Plenumsvorträgen die Frage im Raum, auf welchem Wege Elektroautos künftig wettbewerbsfähiger werden können. Eine steigende Zahl kritischer Berichte über die vergleichsweise teuren Elektro- und Hybridfahrzeuge hat die E-Euphorie merklich abgekühlt. Tapfer hält Matthias Wissmann dagegen: "Wir werden in den nächsten drei Jahren zehn bis zwölf Milliarden Euro in die Entwicklung investieren. Rund 40 Prozent davon gehen in die alternativen Antriebe", unterstrich der VDA-Präsident. Trotzig reagierte er auf das zwiespältige Medienecho: "Wir sind uns sehr bewusst, dass unsere Investitionen keinen schnellen Ertrag bringen werden. Trotzdem gehen wir in Vorleistung und lassen uns auch von den Stimmungsschwankungen in den deutschen Medien nicht irritieren."

Wird China zum Leitmarkt der Elektromobilität?

Der Automobilindustrie bleibt auch keine andere Wahl. Anders sind die anspruchsvollen CO2-Emissionsziele der EU bis zum Jahr 2020 überhaupt nicht zu schaffen. Anfang März skizzierte BMW-Chef Norbert Reithofer auf der Bilanzpressekonferenz den Fahrplan in die Zukunft: "1995 lag unsere Flotte in Europa im Durchschnitt bei über 200 Gramm CO2 pro Kilometer. Für 2015 hat die EU einen Durchschnittswert für alle europäischen Fahrzeuge von 130 Gramm CO2 pro Kilometer gesetzt. Den entsprechenden Zielwert für BMW werden wir sicher erreichen. Jetzt haben wir einen klaren Fokus: Das Jahr 2020. Bis dahin wird unsere Flotte ihren CO2-Ausstoß gegenüber 1995 halbiert haben. Um all diese Ziele zu erreichen, starten wir nun EfficientDynamics Teil II."

Keine Frage, Politik und Kunden erwarten sinkende Verbrauchswerte. Aber wer ist bereit, für die neue Sparsamkeit wesentlich mehr zu zahlen? Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs wird ein wesentliches Mittel sein, um den Verbrauch auf die Zielmarke von rund vier Liter zu bringen. Auf dem VDA-Kongress in Stuttgart ließ Bosch-Vorstandschef Franz Fehrenbach keinen Zweifel daran, welche Hürden auf dem Weg zur Elektromobilität liegen: "Für den europäischen Massenmarkt werden Traktionsbatterien noch lange zu teuer sein." Nicht Deutschland, sondern China werde zum Leitmarkt für E-Mobilität werden: "Dort müssen wir deutsche Technik verkaufen." Fehrenbach dachte ebenfalls laut über das Internet als Leitbild für die Automobilindustrie nach: "Aus dem Bereich Consumer Electronics können wir lernen, wie mit speziellen Dienstleistungen neue Eco-Systeme entstehen."