Audi A3 - Mercedes A-Klasse Die zwei

Im Mittelpunkt des Genfer Autosalons stehen in diesem Jahr der Audi A3 und die Mercedes A-Klasse - ein Vergleich.

Von Michael Specht

Der Knaller auf dem Genfer Autosalon kommt 2012 aus Deutschland. Mercedes und Audi präsentieren zeitgleich die jeweils dritte Generation ihrer Kompaktstars, A-Klasse und A3. Das hat es auf einer Automesse noch nie gegeben.

Der Audi A3 (im Bild) ist seit Jahren einer der Stars in der Kompaktklasse. Sein Konkurrent von Mercedes, die A-Klasse, startet jetzt runderneuert durch bei Golf, 1er und Co.

(Foto: dapd)

Die beiden deutschen Premiummodelle sind - zusammen mit dem Einser-BMW - in ihrem Segment die bestimmenden Vertreter. Doch während man in Ingolstadt mit dem A3 auf evolutionäre Veränderungen setzt, haben die Mercedes-Entwickler ihre A-Klasse komplett umgekrempelt. Kein Stein blieb auf dem anderen. Sportlichkeit statt hochbeiniger Van-Betulichkeit. Besaßen die ersten beiden Generationen des kleinsten Mercedes-Modells noch den doppelten Boden - ursprünglich sollte die A-Klasse mal ein Elektroauto werden - und boten daher den Insassen eine höhere Sitzposition und eine bessere Übersicht, so nahm man in Stuttgart nun Abschied davon. Generation drei kommt deutlich breiter, flacher und insgesamt dynamischer daher (die SZ berichtete). Basis ist, wie schon für die B-Klasse, die neu entwickelte MFA-Plattform (Mercedes Frontwheel Architecture).

Den Einwand, dass Mercedes mit dem neuen Konzept unnötig ein Alleinstellungsmerkmal aufgibt, lässt Vertriebsvorstand Joachim Schmidt nicht gelten. Er ist zuversichtlich, mit der sportlichen Erscheinung der A-Klasse ganz neue Kunden zu gewinnen, vor allem jüngere. Schmidt sieht ein Eroberungspotential von mehr als 50 Prozent. Darunter werden auch einige sein, die zuvor mit dem Audi A3 geliebäugelt haben.

Schon mit dem A3-Vorgänger - als Zweitürer und als viertürigen Sportback - gelang den Ingolstädtern zweifellos ein zeitloses und attraktives Auto, das sich zudem noch immer blendend verkauft. "Warum sollten wir deshalb das nächste Modell ohne Not neu erfinden", verteidigt sich Projektleiter Frank Herrmann gegen den Vorwurf, der neue A3 sehe dem alten zu ähnlich. Fakt ist: Obgleich mit 4,24 Meter genauso lang wie die Generation zuvor, steht der neue A3 besser proportioniert auf den Rädern und vermittelt vor allem - Präzision. Auffällig ist nicht nur sein reduziertes, klares Design, wie man es sonst nur von Apple kennt, sondern auch die extrem engen Biegeradien im Blech, bislang einmalig im Karosseriebau. Der Radstand wuchs um 23 Millimeter, was in erster Linie dem Platz hinten zugutekommt. Eine erste Sitzprobe im Audi zeigte: Bis zu einer Körpergröße von 1,80 Meter stoßen weder die Knie gegen die Lehnen, noch der Kopf gegen die Decke. Das Kofferraumvolumen erhöhte sich geringfügig auf 365 Liter.

Auch die Mercedes A-Klasse (Länge: 4,29 Meter) hat trotz der betont sportlichen Auslegung einiges an Raumökonomie zu bieten. Vorne sitzt man perfekt, und auch hinten tadellos. Abstriche müssen nur beim Kofferraum gemacht werden. Die Traumwerte des Vorgängers erreicht der neue konzeptbedingt nicht. 400 Liter sind gutes Mittelmaß, mit umgeklappten Sitzlehnen sollen mehr als 1100 Liter reinpassen, das wären etwa 200 Liter weniger als zuvor. Dafür überraschen ein exzellent gestyltes Cockpit, hochwertige Materialien und eine ebensolche Verarbeitung - zum Vorgänger ein gewaltiger Sprung und mit dem Audi A3 jetzt absolut auf Augenhöhe.

Gleiches gilt für die Antriebe. Jeder muss beim CO2-Ausstoß zumindest mit einem Modell unter die magische 100- Gramm-Marke kommen. Audi gelingt dies mit dem 1.6-TDI-Diesel (105 PS), der es auf 99 Gramm/km oder 3,6 Liter/100 km Verbrauch bringt. Mercedes kontert, bei gleichen Werten, mit dem A180 CDI (109 PS). Als stärksten Benziner bieten die Stuttgarter den A250 mit 211 PS an, der Top-Diesel leistet als A220 CDI 170 PS. Alle Motoren haben Stopp&Start-System und sind auf Wunsch mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombinierbar.

Während Audi bereits für seinen A3 - Händlereinführung im August - einen Einstiegspreis für den Zweitürer von 21 600 Euro nennt - die Sportback-Version kommt Anfang 2013 - hält sich Mercedes zurück. Zu hören ist "unter 20 000 Euro plus Mehrwertsteuer", was auf etwa 23 800 Euro hinausliefe. Dafür will man im Segment bislang einmalige Technik anbieten. So wird die A-Klasse serienmäßig über eine radargestützte Kollisionswarnung verfügen. Und zum Thema Infotainment bieten die Schwaben die sogenannte Digital DriveStyle App an. Sie erlaubt erstmals, wichtige iPhone-Qualitäten wie Navigation, Internetradio, Facebook und Twitter über den Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole zu bedienen. Zudem wurde die Apple-Sprachsoftware Siri integriert, die das iPhone 4S besitzt.