Absatz von E-Autos Neue Ideen sollen zum Kauf von Elektroautos anregen

Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung bis 2020 auf Deutschlands Straßen bringen. Doch eine aktuelle Studie zeigt: Das gelingt nur bei stark steigenden Benzin- und sinkenden Batteriepreisen. Experten sind sicher, dass der Staat in jedem Fall wird nachhelfen müssen - auch aus volkswirtschaftlichem Interesse.

Von Thomas Fromm

Große Messen dienen auch dazu, Bilder zu erzeugen, die sich dann als Botschaften einprägen sollen. Folgendes Bild entstand vor ein paar Tagen bei der IAA in Frankfurt: Bundeskanzlerin Angela Merkel posierte zusammen mit BMW-Chef Norbert Reithofer vor dem neuen Elektroauto i3. Der Merkel-Kommentar zum Merkel-Bild lautete: "Das Ziel ist und bleibt: Wir wollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße bringen." Seit Januar wurden aber gerade mal knapp 3000 Elektroautos in Deutschland zugelassen, ein Anteil von weniger als 0,2 Prozent.

Um mit den Elektroautos einigermaßen auf der Zielgerade zu landen, wird man gegensteuern müssen. Eine Studie des Fraunhofer- Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI), die der SZ vorliegt und deren Ergebnisse am heutigen Dienstag im Rahmen der IAA vorgestellt werden, kommt zu einem differenzierten Bild, was die Zukunft von Elektroautos angeht. Sie wird der Kanzlerin nicht unbedingt gefallen.

Greift Merkels Exponentialfunktion?

Die Studie geht von verschiedenen Szenarien aus. Im besten Fall sinken in den nächsten Jahren die Preise für die bisher teuren Batterien und für Strom, während Benzin noch teurer wird. Dann ließe sich das "Ziel von einer Million Autos durchaus erreichen, auch ohne Kaufanreize", sagt Studien-Autor Martin Wietschel vom ISI. Und wenn nicht? Wenn die Strompreise steigen, die Batterien und damit die Autos in ein paar Jahren nicht billiger sind? Dann könnten laut Studie in sieben Jahren nur 150.000 bis 200.000 Stromautos auf deutschen Straßen fahren - mehr als heute auf jeden Fall, aber dennoch: Das Millionenziel wäre weit verfehlt.

Das Ziel zu erreichen wird also eine steile Fahrt bergauf. Deswegen sprach die Physikerin Angela Merkel in Frankfurt dann auch eben diesen Satz: Skeptiker seien "mit der Exponentialfunktion nicht so richtig vertraut" und glaubten deshalb nur an einen geraden, langsamen Anstieg der Verkaufszahlen.Wie auch immer die Kurve aussieht: Elektroautos sind um einiges teurer als herkömmliche Autos, haben meist eine geringe Reichweite, und es gibt noch kein flächendeckendes Netz von Aufladestationen. Deshalb sind sie alles andere als Selbstläufer.

Staatliche Hilfe notwendig

Eine direkte Kaufförderung aus Steuergeld ist vier Jahre nach der Abwrackprämie politisch kaum durchsetzbar, auch weil die Unternehmen längst wieder Milliardengewinne schreiben. Was zu tun wäre, beschreibt Henning Kagermann, früher SAP-Chef und heute Leiter der von der Regierung eingesetzten "Nationalen Plattform Elektromobilität", so: Er denkt an "die besondere Kennzeichnung von Elektromodellen für bevorzugtes Parken" und "Sonderabschreibungen für gewerbliche Nutzer und Beschaffungsprogramme für Dienstwagenflotten im privaten und öffentlichen Bereich", sagte er der SZ. So ganz ohne staatliche Hilfe kann es demnach also nicht gehen.

Warum ist das Millionen-Ziel überhaupt so wichtig?. Würden es 500.000 E-Autos nicht auch tun? Doch Deutschland ist Autoland, und Manager und Politiker haben Angst, dass sich das mit der neuen Technik ändern könnte. "Auch andere Länder wie China und die USA haben hier Ambitionen", sagt Kagermann. "Und da müssen wir Gas geben, um nicht abgehängt zu werden."