7. Februar 2013 18:15 Mercedes E-Klasse Das Ass bleibt im Ärmel

Mercedes hat die E-Klasse überarbeitet. Das Ergebnis ist ein sehr gutes Auto. Doch die Konkurrenz von Audi und BMW hat die Schwaben längst überholt. Mit der Rolle des Herausforderers kommt Mercedes nicht zurecht - und verzockt sich ausgerechnet mit seinem größten Trumpf.

Von Sascha Gorhau, Barcelona

Audi A6 und BMW Fünfer haben die E-Klasse von Mercedes in der Käufergunst schon lange deutlich überholt. Sie gilt als langweilig. Bestenfalls als bieder, aber verlässlich. Das nun überarbeitete Modell der E-Klasse ist ein konservatives Auto geworden. Beispiele? Sie verfügt über einen Lenkstock am Lenkrad, um die einzelnen Schaltstufen des Automatikgetriebes einzulegen. Das boten die Schwaben schon in den 1960er Jahren optional an. Anstatt einer Handbremse fixiert der Fahrer den Wagen mit einem Pedal im Fußraum. Das tat er auch schon so im Mercedes W114/W115, dem "Strich Acht". Das war 1968.

Wenn man einfach alte Gimmicks aufpeppt, dann ist das schrullig, aber nicht einzigartig. Das setzt keine Maßstäbe. Mercedes betont bei der überarbeiteten E-Klasse nun Eigenschaften wie Schick und Individualität. Doch das sind keine Alleinstellungsmerkmale. Das kann auch die Konkurrenz.

Konkurrenzlos sicher

Ab dem 13. April steht das Facelift der E-Klasse beim Händler.

(Foto: STG)

Mercedes will mit viel Sicherheitstechnik verlorenen Boden gut machen. Zahllose Assistenzsysteme arbeiten im Wagen, erkennen beispielsweise automatisch Fußgänger und bremsen den Wagen im Falle einer drohenden Kollision bis zum Stillstand. Diese Funktion steht dank neuer Kameratechnologie nun sogar nachts zur Verfügung. LED-Frontscheinwerfer sind zudem serienmäßig. Mit vielen dieser Sicherheitstechnologien ist die E-Klasse der Konkurrenz voraus.

Doch gerade die sinnvollen Sicherheitsassistenten sind Sonderausstattungen. Teilautonomes Staufolgefahren, der Kreuzungs-Assistent oder die selbständige Bremsung für Fußgänger beispielsweise kosten allesamt extra. Will der Kunde es dennoch an Bord haben, muss er mehr als 8000 Euro zusätzlich investieren. Auch bei Audi oder BMW müssen die Kunden für viel Ausstattung viel zahlen. Doch Mercedes beraubt sich damit seines Alleinstellungsmerkmals gegenüber der deutschen Konkurrenz.

Ansonsten ist die Serienausstattung eine Enttäuschung. Das Basis-Taxi, der 200er CDI mit 136 PS, kostet 40.430 Euro - und ist nahezu ausstattungsfrei. Die serienmäßige 16-Zoll-Bereifung ist dabei das kleinste Problem. Sie sieht einfach nur schlecht aus an der gediegenen Limousine. Viel ärgerlicher ist es, dass viele andere Optionen ebenfalls aufpreispflichtig sind, die in einem gehobenen Mittelklassefahrzeug immer an Bord sein sollten. So fehlen in der Serienausstattung beispielsweise Fernlichtassistent, Reifendruckkontrolle oder Navigation mit standesgemäßem Großbildschirm.

Schade, denn ansonsten zeigt sich die E-Klasse als gereiftes, als durchdachtes, als großartiges Auto. Mercedes hat viel Arbeit für eine frischere Optik aufgewendet. Die Front wirkt nun deutlich zeitgemäßer und das Heck sieht stimmiger aus dank der neuen Rückleuchten, die gewachsen sind und das Hinterteil des Wagens stärker betonen. Der Wagen ist außerdem konkurrenzlos komfortabel, sowohl im Innenraum als auch fahrwerksseitig. Die Verarbeitung und die Materialien sind hervorragend und der Kombi, das T-Modell, bietet den größten Laderaum im Segment.

Neues Heck: das Facelift der Mercedes E-Klasse. Im Bild ein T-Modell.

(Foto: WGO)

Das alles ist sehr gute Arbeit. Aber das erwartet man von einer E-Klasse. Mercedes liefert standes- und erwartungsgemäß. Mehr nicht.

Bis zur komplett neuen Generation der E-Klasse werden vermutlich noch drei Jahre vergehen. So lange muss es die überarbeitete Version richten. Ein zweifellos sehr gutes Auto, aber kein souveräner Taktgeber. Ab dem 13. April steht er beim Händler.

Die Reise zur Präsentation der Mercedes E-Klasse wurde teilweise unterstützt vom Hersteller.