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Zoologie:Abgetaucht

Ungewöhnliches Fluchtverhalten: Droht Gefahr, stürzen sich eiertragende Weibchen dieser Wanderspinnenart in den Trichter der auf den Bäumen wachsenden Bromelien und tauchen 30 bis 90 Minuten unter.

(Foto: © Stuart J. Longhorn / Creative Commons (CC BY-SA 4.0), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en)

Die Weibchen einer mittelamerikanischen Spinnenart retten sich und ihren Nachwuchs bei Gefahr durch einen beherzten Sprung ins Wasser. Dort können die Tiere erstaunlich lange überleben, ohne Luft zu holen.

Die Weibchen einer mittelamerikanischen Spinnenart tragen ihre Eier, eingebettet in einen großen Kokon, immer mit sich. Dadurch können sie besonders leicht von Vögeln erkannt und gefressen werden. Die Wanderspinnen leben auf Bäumen, auf denen auch Bromelien wachsen. Mexikanische und französische Biologen haben jetzt in der Fachzeitschrift Comptes Rendus Biologies das ungewöhnliche Fluchtverhalten der Tiere beschrieben: Droht Gefahr, ergreifen sie den Eierkokon mit ihren Vorderbeinen und stürzen sich in das Wasser, das sich in den Blatttrichtern der Bromelien ansammelt. Dort bleiben sie erstaunliche 30 bis 90 Minuten lang, ohne zum Atmen an die Oberfläche zu kommen. Zwei dieser Weibchen mit Kokon brachten die Biologen nach dem Wiederauftauchen ins Labor, um zu kontrollieren, ob die Eier den langen Tauchgang überlebt hatten. Tatsächlich schlüpften die Jungtiere nach vier bis fünf Tagen. Die Forscher vermuten, dass im Kokon so große Mengen an Luft gespeichert sind, dass die Eier und die Weibchen lange Zeit unter Wasser überleben können. "Die Beziehung zwischen der Wanderspinne und Bromelien mit Wasserreservoir ist viel komplexer als bisher gedacht", schreiben Yann Hénaut vom Colegio de la frontera sur in Chetumal und seine Kollegen. Die Blatttrichter der untersuchten Bromelienart fassen 110 bis 250 Milliliter Wasser. Sie bilden einerseits Lebensräume für Insektenlarven, die den Spinnen als Beute dienen. Doch sie werden von Weibchen mit Eierkokons eben auch als Versteck genutzt, wie die neuen Untersuchungen gezeigt haben. Die weiblichen Spinnen bilden über dem Wasserspiegel ein Gespinst und halten sich meist ganz in der Nähe auf.

© SZ vom 27.03.2018 / wsa
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