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Windkraft:Stürmische Energiepläne

Die Zukunft der Windenergie liegt vor den Küsten. Deutschland hat bislang zwar noch keine Offshore-Anlagen errichtet - doch die Regierung setzt große Hoffnung auf die Meeres-Windmühlen.

Eines ist gewiss: Nach jeder Flaute kommt irgendwann wieder ein Wind auf. Und so schlecht sich auch vorhersagen lässt, wann und wo die nächste Brise kommt und wann der nächste Sturm - es lohnt sich, ihre Kraft zu nutzen.

Offshore-Windkraftanlagen vor Dänemark.

(Foto: Foto: AP)

Das wussten offenbar schon die alten Babylonier, die bereits vor fast 4000 Jahren Windmühlen eingesetzt haben sollen. Und die antiken Ägypter verwendeten auf ihren Schiffen Segel.

Eines aber ist ebenfalls gewiss: Um mit Hilfe der Windkraft heute noch wenigstens einen Teil des extrem hohen Energiebedarfs des Menschen zu decken, muss man sehr genau hinschauen, wo es sich lohnt, Windkrafträder zu errichten.

Denn nicht überall sind die Luftströme kräftig genug. So stößt man zwar in ganz Deutschland vor allem auf landwirtschaftlich genutzten Flächen inzwischen häufig auf die eine oder andere Anlage. Doch wer Strom aus Windenergie im großen Maßstab erzeugen will, muss an die Küste

An der Nord- und Ostseeküste Deutschlands weht ein stetiger Wind über das flache Land. Gerade hier bilden die Windkraftanlagen bereits ganze Wälder und geben der Landschaft einen neuen Charakter. Das mag nicht jeder.

Deshalb, aber vor allem, weil der Wind vor der Küste noch stärker und stetiger bläst, sehen Fachleute die Zukunft der Windenergie im großen Maßstab in den Offshore-Systemen - großen Windrad-Parks in den Küstengewässern. 1992 errichtete Dänemark einen ersten Park mit elf Windradanlagen mit einer Leistung von jeweils 450 Kilowatt. Großbritannien, Schweden, Irland und die Niederlande folgten.

Noch keine deutsche Offshore-Anlage errichtet

Im August 2006 wurde die bislang größte Windkraftanlage zwanzig Kilometer vor der Ostküste Schottlands errichtet - sie besitzt eine Leistung von fünf Megawatt.

In Deutschland, das in der Windenergie zumindest auf dem Lande führend war, gibt es dagegen bislang zwar etliche ehrgeizige Pläne - errichtet wurde jedoch noch keine einzige Anlage im Meer.

Lediglich in der Ostsee bei Warnemünde holt sich eine Anlage in 500 Metern Entfernung von der Küste nasse Füße, in der Nordsee bei Emden steht eine E112-Anlage - mit sechs Megawatt die bislang leistungsstärkste Windenergieanlage der Welt - wenige Meter vom Ufer entfernt im Wasser.

Immerhin hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) den Bau von 20 Offshore-Anlagen genehmigt, 17 in der Nordsee und drei in der Ostsee. 47 Genehmigungsverfahren laufen noch (Stand Dezember 2007). Und zwei Forschungsplattformen zur Offshore-Windenergienutzung stehen bereits vor Borkum und Rügen.

Das Ziel der Bundesregierung ist, bis 2030 genug Windanlagen vor der deutschen Küste zu errichten, um 21.000 bis zu 25.000 Megawatt Leistung zu erzeugen, was dem Umweltbundesamt zufolge etwa 15 Prozent des derzeitigen deutschen Stromverbrauchs entspricht.

Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt man Windkraftanlagen, die mehr Leistung bringen als die bislang verbreiteten Geräte. Und sie sollen 30 bis 50 Kilometer vor der Küste stehen.

Offshore-Prototyp in Bremerhaven

Eine solche Offschore-taugliche Anlage existiert als Prototyp in Bremerhaven. Mit dem M5000 hat die Firma Multibrid ein Fünf-Megawatt-Windrad in Betrieb genommen.

102 Meter hoch ist der Turm und 116 Meter Durchmesser weist der Rotor auf. Das ist kein Rekord - andere Anlagen sind größer. Die Gondel ist etwa 200 Tonnen schwer, die Neigung der 56 Meter langen Rotorblätter können elektronisch verstellt werden, um sie der jeweiligen Windgeschwindigkeit anzupassen. Doch das eigentlich Besondere ist die Nennleistung, die das System bei den Windgeschwindigkeiten bringt, die vor der deutschen Küste herrschen. Im Schnitt sind das zehn Meter pro Sekunde. Und bei etwa elf Metern pro Sekunde ist die M5000-Anlage ausgelastet.

Und anders als große und kleine Verwandte auf dem Festland müssen Offshore-Anlagen dem Salz im Meerwasser und der Luft widerstehen, das zu Korrosion führt. Sie müssen Stürme und Schiffskollisionen aushalten. Darüber hinaus gibt es das Problem der Wartung, da Techniker die Anlagen mit Hubschraubern oder Schiffen erreichen müssen.

Sie müssen in einer Meerestiefe von bis zu 40 Metern verankert werden, und der Strom muss über Kabel am Meeresboden geführt werden. Bei Multibrid geht man davon aus, alles richtig gemacht zu haben. Und die M5000 soll möglichst bald in Serienproduktion gehen. 50 bis 80 Windräder jährlich sollen gebaut werden.

Vielleicht erfüllen sich die Hoffnungen der Bundesregierung ja tatsächlich. Mit der angepeilten Leistung von bis zu 25.000 Megawatt würde mit Hilfe des Windes dann eine Leistung erbracht, die über derjenigen aller 17 Kernkraftwerke zusammen liegen würde, die derzeit in Deutschland in Betrieb sind. Und der Strom, den die Offshore-Anlagen liefern sollen, läge mit 85 Milliarden Kilowattstunden jährlich bei etwa der Hälfte dessen, was die deutschen AKW erzeugen.

Dazu sollen weitere 55 Milliarden Kilowattstunden kommen, die die Windkraftanlagen an Land bringen könnten. Das bedeutet, etwa 20 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland - er lag 2006 bei 540 Milliarden Kilowattstunden - könnte in Zukunft mit Hilfe der Windkraft erzeugt werden.

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