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Weltbevölkerung erreicht Rekordmarke:Der Siebenmilliardste

7.000.000.000 - so viele Menschen werden von der kommenden Woche an auf der Erde leben, schätzen die Vereinten Nationen. Im Durchschnitt werden in jeder Sekunde 2,6 Menschen geboren. Wie viele Menschen verkraftet die Erde?

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A baby gestures minutes after he was born inside the pediatric unit at hospital Escuela in Tegucigalpa

Quelle: REUTERS

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7.000.000.000 - so viele Menschen werden von der kommenden Woche an auf der Erde leben, schätzen die Vereinten Nationen. Im Durchschnitt werden in jeder Sekunde 2,6 Menschen geboren. Wie viele Menschen verkraftet die Erde?

Ende Oktober wird dem Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen zufolge irgendwo auf der Welt der siebenmilliardste Erdenbürger geboren. Vielleicht wird es in Afrika sein, denn dort kommen momentan die meisten Kinder zur Welt. Welche Herausforderungen stellt das Bevölkerungswachstum an uns? Wie viel Platz ist auf der Erde und wie viele Menschen kann der Planet ernähren?

Chinese 104-year-old twins Cao Xiaoqiao and her elder sister Daqiao look at each other in Zhucheng

Quelle: REUTERS

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Die Bevölkerung wächst nicht überall. Die Weltregionen entwickeln sich höchst unterschiedlich: In Afrika bekommt eine Frau im Durchschnitt mehr als vier Kinder, in Europa liegt der Durchschnitt deutlich unter zwei. Besonders schnell wächst die Bevölkerung im Afrika südlich der Sahara. Berechnungen der UN zufolge überholte diese Region bereits 2004 Europa bei der Bevölkerungszahl.

Im Jahr 2050 sollen knapp zwei Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika leben. In Europa und Japan nimmt die Zahl der Bewohner dagegen ab. Im Gegensatz zu Regionen mit rapidem Bevölkerungswachstum stehen diese Länder vor dem Problem einer alternden Gesellschaft. Die Renten und Gesundheitsversorgung der Senioren wird von immer weniger arbeitenden Menschen finanziert. Auch China ist davon betroffen: Durch die Ein-Kind-Politik altert die chinesische Gesellschaft und wird in Zukunft zu wenig Arbeiter haben. China wird schätzungsweise 2025 als bevölkerungsreichste Nation abgelöst  - und zwar von Indien, das dann 1,46 Milliarden Einwohner haben soll.

A malnourished infant lies on the floor in a therapeutic feeding center in southern Niger.

Quelle: REUTERS

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Laut Welthungerindex sterben jährlich 2,2 Millionen Kinder durch Mangel- und Unterernährung. Weltweit hungern etwa 925 Millionen Menschen. Auch wenn der Hunger in erster Linie ein Verteilungsproblem ist, so muss auch die landwirtschaftliche Produktion mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten.

Von 1970 bis 2010 konnte die Nahrungsmittelproduktion mehr als verdreifacht werden. Heute scheint es aber, als würde sich dieses Produktionswachstum abschwächen. Die nutzbaren landwirtschaftlichen Flächen werden knapp, ebenso das Wasser. Und es gibt lukrativere Möglichkeiten Land zu nutzen, wie etwa die Biospritproduktion oder die Viehzucht.

Schmelzender Eisberg in Grönland, 2005

Quelle: AP

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Eismassen schmelzen, Inseln versinken im Meer, die Wüsten breiten sich aus - der Klimawandel bedroht die Existenz von Millionen Menschen. Da immer mehr Menschen mehr konsumieren, mehr Auto fahren und in mehr Fabriken arbeiten, beschleunigt das Bevölkerungswachstum den Treibhauseffekt.

Aber: Die absolute Zahl der Menschen beeinflusst den Klimawandel nur gering. Unterentwickelte Länder, deren Bevölkerungen am stärksten wachsen und die am meisten unter dem Klimawandel leiden, verursachen nur einen geringen Anteil des weltweiten Schadstoffaustoßes. Entscheidend ist deshalb die Frage, ob die Entwicklungsländer den gleichen Weg wie die heutigen Industrienationen beschreiten werden und dadurch den Treibhauseffekt beschleunigen.

Farmer takes water form a dried-up pond to water his vegetable field on the outskirts of Yingtan

Quelle: REUTERS

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Ausgetrocknete Felder in Indien (im Bild), ein versiegender Nil in Ägypten, ein versalzener und ausgetrockneter Aralsee in Kasachstan und Usbekistan - der Umgang mit Wasser wird zu einer der wichtigsten Fragen im 21. Jahrhundert: Jeder sechste Erdenbürger hat derzeit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen sterben an Krankheiten, die mit verschmutztem Wasser zusammenhängen.

Im Juli 2010 erklärten die Vereinten Nationen Wasser zum Menschenrecht. Ein wichtiges politisches Signal, doch Bevölkerungswachstum, Klimawandel und ein wachsender Pro-Kopf-Bedarf an dem wertvollen Gut verstärken die Wasserknappheit. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung könnte im Jahr 2050 in Gebieten leben, in denen Wasser eine knappe Ressource ist, schätzen Experten der NGO The Millenium Project.

File photo shows fighters from the Minni Minawi faction of the Sudanese Liberation Army in a military exercise at Galap camp, north of Darfur

Quelle: Reuters

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Überbevölkerung wird auch als Ursache für bewaffnete Konflikte gesehen. Die rasante Bevölkerungszunahme in der Krisenregion Darfur verschärfte den Verteilungskampf um Wasser und Weideland. Auch beim Völkermord in Ruanda 1994 soll der Zuzug von Flüchtlingen aus überbevölkerten Regionen eine Rolle gespielt haben. Global betrachtet gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und gewaltsamen Konflikten: Während die Weltbevölkerung wächst, sinkt die Zahl der Kriegstoten.

EU-Innenminister reden über Flüchtlingswelle

Quelle: dpa

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Nicht jeder will oder kann an dem Ort bleiben, an dem er geboren wird. Oft entscheiden sich Menschen, ihr Heimatland zu verlassen mit dem Wunsch nach Arbeit, Bildung und höherem Lebensstandard. Andere fliehen vor Verfolgung oder Krieg.

Im vergangenen Jahr haben die USA mit 42,8 Millionen die meisten Menschen aufgenommen. Das ergaben Untersuchungen der UN zu den weltweiten Wanderungsbewegungen 2010. An zweiter und dritter Stelle folgen Russland mit 12,3 und Deutschland mit 10,8 Millionen Einwanderern. Insgesamt lebten im Mai vergangenen Jahres 213,9 Millionen Menschen in Staaten, in denen sie nicht geboren sind.

Public residential buildings are seen in Po Lam 'satellite town' in Hong Kong

Quelle: Reuters

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Besonders Länder wie China, in denen das Bevölkerungswachstum bereits abgeflacht ist, sehen sich mit Binnenmigration und Landflucht konfrontiert. Der Trend zur Verstädterung hält weiter an. Die größten Mega-Citys sind derzeit Tokio mit 36,7 Millionen und Neu Delhi mit 22 Millionen Menschen. Nach Angaben der UN werden in 40 Jahren neun von zehn Amerikanern in Städten leben. In Europa soll die Rate von derzeit 73 auf etwa 85 Prozent steigen.

Zudem leben auf der ganzen Welt heute mehr Menschen als je zuvor in Elendsvierteln. Der prozentuale Anteil der Slumbewohner sank innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte allerdings von 46,1 auf 32,7 Prozent.

© sueddeutsche.de/jak/lyb
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