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Vorbeiflug von "2004 BL86":Asteroid soll Erde knapp verfehlen

Asteroid ´2012 DA14"

Der Asteroid mit dem Namen "2004 BL86" nähert sich der Erde bis auf 1,2 Millionen Kilometer. Illustration: Nasa

Montagabend rast der Asteroid "2004 BL86" an der Erde vorbei. So nah wie er kam dem Planeten bislang kein anderer registrierter Himmelskörper von solchen Ausmaßen.

Am heutigen Montag fliegt der Asteroid "2004 BL86" an der Erde vorbei - laut US-Raumfahrtagentur Nasa so nah wie kein anderer bisher registrierter Himmelskörper seiner Größe. Bis auf eine Entfernung von 1,2 Millionen Kilometer nähert sich der Asteroid um etwa 17 Uhr der Erde. Das entspricht etwa der dreifachen Entfernung von der Erde bis zum Mond.

"Bei '2004 BL86' besteht keine Gefahr, dass er die Erde trifft", sagt Gerhard Drolshagen, der bei der europäischen Weltraumagentur Esa in Noordwijk auf erdnahe Objekte spezialisiert ist. "Seine Bahn ist relativ gut bekannt." Dem stimmt der Kleinplaneten-Fachmann Gerhard Lehmann von der Vereinigung der Sternfreunde im hessischen Heppenheim zu: "Der Asteroid ist viel zu weit weg".

"2004 BL86" habe einen Durchmesser von 450 bis 900 Metern und sei damit verhältnismäßig groß, erklärte Drolshagen. Für Hobby-Astronomen dürfte es wegen dichter Bewölkung dennoch schwer werden, den Brocken zu entdecken. Am Montag zieht von Nordwesten her ein neues Niederschlagsgebiet ins Land. Dieses versperre meist die Sicht auf den Asteroiden, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag. Nur am Alpenrand in Richtung Berchtesgaden und in Ostsachsen kann es laut DWD womöglich aufgelockert genug sein für eine gute Sicht. Ohne ein kleines Teleskop ist der Asteroid jedoch nicht zu erspähen.

Energie mehrerer Atombomben

Experten werden den Asteroiden nicht unbeobachtet lassen, zumal seine Maße noch nicht genau bekannt sind. Informationen über erdnahe Himmelskörper sind enorm wichtig. Sollte es tatsächlich einmal zu einem Einschlag kommen, droht die Verwüstung ganzer Regionen. So explodierte über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk 2013 ein Meteor.

Rund 7000 Gebäude wurden in Tscheljabinsk beschädigt, etwa 1500 Menschen verletzt. Die Explosion soll die zerstörerische Kraft von 30 bis 40 Hiroshima-Atombomben gehabt haben.

Die Esa führt eine Risikoliste, in der fast 500 erdnahe Objekte geführt sind. Besonders gefährlich wird der 160 Meter große Asteroid "2009 FD" der Erde. Er soll laut Drolshagen zwar erst 2185 kommen, seine Einschlaggefahr liege aber bei 1:369. "Das ist relativ hoch." Ein noch höheres Einschlagrisiko von 1:11 geht von "2010RF12" aus, der 2095 die Bahn der Erde kreuzt. Er ist mit neun Metern Durchmesser jedoch deutlich kleiner als der Meteor von Tscheljabinsk.

Grundsätzlich gebe es aber Möglichkeiten, die Gefahr heranrasender Objekte zu entschärfen, erklärte Drolshagen. Sie müssten mit einem Satelliten entweder von hinten angeschubst, also beschleunigt, oder von vorn getroffen, also gebremst werden - sodass Erde und Asteroid nicht zu gleicher Zeit an der gleichen Stelle sind.