Verhaltensforschung Ihr zuckt so schön

Wer zuerst zuckt, hat einen neuen Freund.

(Foto: Pawel Supernak/dpa)

Woher wissen junge Zebrafische eigentlich, dass sie ihren Artgenossen folgen sollten, um sich schließlich zu einem Schwarm zu vereinen? Das Geheimnis verbirgt sich in ihrem Bewegungsmuster: Wer zuerst zuckt, findet einen Freund.

Von Katrin Blawat

Wer selber nur wenige Zentimeter groß wird, tut gut daran, sich mit vielen Artgenossen zusammenzuschließen. Die Gesellschaft der anderen schützt vor Fressfeinden und hilft, alle wichtigen Informationen rasch mitzubekommen. Kein Wunder also, dass sich Zebrafische schon in den ersten Lebenswochen zu Schwärmen zusammenfinden. Doch wie und woran erkennen die Tiere mögliche Schwarmkumpanen? Eine überraschende Antwort darauf präsentieren Johannes Larsch und Herwig Baier vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei München im Fachmagazin Current Biology. Wie die Versuche der beiden Biologen gezeigt haben, achten junge Zebrafische ausschließlich auf die Art und Weise, wie sich ein möglicher Schwarmgenosse bewegt.

Entscheidend ist ein ruckartiges Vorwärtskommen, am besten mit einer Geschwindigkeit von zwei bis sechs Millimetern pro Sekunde. Stimmen diese Voraussetzungen, fühlen sich junge Zebrafische sogar dann angezogen, wenn es gar kein Artgenosse ist, der da schwimmt. Selbst ein kleiner schwarzer Punkt mit einem Durchmesser von circa zwei bis vier Millimetern ist dann attraktiv. Inwieweit diese Ergebnisse auch für Schwärme anderer Arten gelten, können die Forscher derzeit noch nicht sagen.

Die Biologen projizierten nacheinander verschiedene Punkte auf eine Oberfläche, sodass die jungen Zebrafische sie sehen konnten. Punkten, die sich in der passenden Weise und Geschwindigkeit bewegten, folgten die Tiere stundenlang. Dieser Hang, einem - wenn auch nur vermeintlichen - Artgenossen dicht zu folgen, stellt den Ausgangspunkt einer Schwarmbildung dar. Weitere Merkmale, wie das Aussehen des anderen oder sein Geruch, sind der Studie zufolge nicht nötig, damit sich ein junger Zebrafisch zum anderen gesellt.

Auch ist es dem Anschluss suchenden Tier egal, wenn der andere in keiner Weise auf seinen neuen Gefährten reagiert. Im Versuch bewegten sich die Punkte unabhängig davon, wie nah oder weit weg sich die jungen Zebrafische befanden. Wenn ein junger Fisch zu einem Artgenossen oder einem Schwarm stößt, verläuft die Kommunikation also nicht als Dialog, sondern als Einbahnstraße.

"Das hat uns überrascht", sagt Erstautor Larsch. Die Neigung, sich einem Objekt aufgrund weniger Schlüsselmerkmale anzuschließen, hält der Biologe für ein reflexhaftes Verhalten. "Die ruckartige Bewegung signalisiert vermutlich, dass es sich um ein Lebewesen handelt und nicht um ein Stück Dreck", sagt Larsch. Jedoch stellen Zebrafische vermutlich mit steigendem Alter höhere Ansprüche an einen "Führer". So dient bei erwachsenen Tieren wohl auch das typische Streifenmuster als Signal, um einen Artgenossen zu identifizieren und sich ihm anzuschließen.

Auch wenn ein ruckartiges Bewegungsmuster mit der richtigen Geschwindigkeit grundsätzlich genügt, um Zebrafische zum Folgen zu animieren, so zeigen die Tiere auch individuelle Vorlieben. Nicht jeder Fisch ist gleichermaßen empfänglich für Signale der Artgenossen: "Manche interessieren sich für alle, andere für gar nichts", sagt Larsch. Unklar ist noch, ob sich solche individuellen Unterschiede ein Leben lang halten.