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Verhaltensforschung:Ich weiß, was du willst

Kurz und eindeutig: So finden Sie den richtigen Namen fürs Tier

Ahnt der Hund, was in dem kleinen Jungen vorgeht?

(Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Hunde kennen die Vorlieben ihrer Besitzer und verhalten sich entsprechend.

Von Tina Baier

Hunde können zwar nicht sprechen, doch sie verstehen so einiges. Das gilt nicht nur für gängige Befehle wie "Sitz!" oder "Such!", sondern auch für die nonverbale Kommunikation. Die Tiere können zum Beispiel am Gesichtsausdruck ihres Besitzers erkennen, ob er gut gelaunt ist oder unzufrieden.

Doch verstehen Hunde auch, dass ihr Mensch andere Gedanken und Gefühle haben kann als sie selbst? Oder anders gesagt, gehören sie zum elitären Klub der Tiere mit einer sogenannten Theory of Mind, in dem manche Menschenaffen, Rabenvögel und Delfine Mitglied sind?

Verhaltensforscher der ungarischen Eötvös-Loránd-Universität in Budapest haben Hinweise gefunden, dass das der Fall sein könnte. In ihrer Untersuchung, die gerade in Frontiers in Psychology erschienen ist, testeten sie das Verhalten von 51 Hunden in Situationen, in denen die Tiere etwas anderes wollten als ihre Besitzer.

Als Erstes stellten sie die Hunde vor die Wahl zwischen einem Spielzeug und einem Armreifen. Wie zu erwarten war, fanden alle das Spielzeug interessanter. Danach wurden die Tiere in zwei Gruppen aufgeteilt: In Gruppe eins teilte der Besitzer die Vorliebe seines Hundes mit dem Spielzeug. Das Tier konnte beobachten, wie sein Mensch das Spielzeug anlachte und auch ansonsten ganz begeistert war. Das Armband schaute er dagegen angeekelt an und fand es offensichtlich wenig erfreulich. Die Besitzer der Tiere in Gruppe zwei verhielten sich genau umgekehrt. Sie zeigten eine Vorliebe, die sich von der ihres Hundes unterschied. Das Spielzeug fanden sie abstoßend, vom Armband waren sie dagegen begeistert.

Kleine Kinder bieten Erwachsenen Brokkoli an - auch wenn sie selbst lieber Kekse essen

Alle Besitzer legten anschließend beide Gegenstände auf ein hoch gelegenes Fensterbrett, wo ihr Hund sie nicht erreichen konnte. Dann wurde gestoppt, was das Tier wie lange anschaute. Die Hunde aus Gruppe eins, in der die Besitzer die Vorliebe ihres Tiers geteilt hatten, blickten alle auf das Spielzeug. Die Tiere aus der anderen Gruppe sahen dagegen zwischen beiden Gegenständen hin und her. "Sie schauten das Spielzeug genauso lange an wie das Armband", sagt Ivaylo Iotchev, der an der Studie beteiligt war. Die Vorliebe ihres Besitzers beeinflusste also ihr Verhalten.

Beim Aufbau ihres Experiments orientierten sich die ungarischen Wissenschaftler an Methoden, mit denen die Fähigkeiten von Kindern untersucht werden, die noch nicht sprechen können und daher ebenfalls nicht verbal ausdrücken können, was sie denken oder fühlen. In einer dieser Untersuchungen sollten anderthalb Jahre alte Kinder einem Erwachsenen Brokkoli oder Kekse geben. Wenn sie wussten , dass ihr Gegenüber lieber Gemüse aß, boten alle kleinen Probanden Brokkoli an. Auch wenn sie selbst deutlich lieber Kekse mochten.

Ganz so weit scheinen Hunde nicht zu sein: Wenn das Spielzeug und das Armband in der aktuellen Studie nicht auf dem Fensterbrett lagen, sondern für die Tiere erreichbar waren, apportierten alle Hunde das für sie selbst interessantere Spielzeug - ob ihrem Besitzer das gefiel oder nicht.

© SZ
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