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US-Raumfähre "Atlantis":Das letzte Spaceshuttle ist gestartet

Allen Tropenstürmen zum Trotz: Der Start zur historischen Mission der US-Raumfähre "Atlantis" ist geglückt. Kurz nach 17.29 Uhr hob das letzte Spaceshuttle ins Weltall ab. Damit geht nach 30 Jahren eine Ära zu Ende. US-Präsident Obama und sein Nasa-Chef versuchen angestrengt, dennoch Optimismus zu verbreiten.

Der Beginn des großen Finales für das US-Shuttle-Programm hätte dramatischer nicht sein können: Obwohl laut Wetterdienst die Startchancen wegen Sturms und Tropengewittern lediglich bei 30 Prozent lagen, setzte die Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa voll auf Risiko und ließ die Atlantis wie geplant auftanken. Die Wolken verzogen sich über Cape Canaveral und die Raumfähre hob um 17.29 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof ab - drei Minuten später als geplant.

The space shuttle Atlantis, STS-135 lifts off from launch pad 39A at the Kennedy Space Center in Cape Canaveral

Historischer Augenblick: Das Spaceshuttle "Atlantis" hebt vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral ab.

(Foto: REUTERS)

Bis zu eine Million Schaulustige entlang der Space Coast verfolgten, wie sich mit der Atlantis zum 135. und letzten Mal ein Shuttle in den Himmel über Florida bohrte. Die vierköpfige Shuttle-Crew unter Commander Chris Ferguson soll am Sonntag an der ISS andocken und mehrere Tonnen Lebensmittel, Ersatzteile, wissenschaftliche Geräte und Post zur Station bringen, in der drei Russen, zwei Amerikaner und ein Japaner Dienst tun.

Während des achttägigen Gemeinschaftsfluges ist auch ein Ausstieg in den freien Raum vorgesehen, um eine defekte Pumpe zu verstauen. Dazu werden zwei amerikanische Astronauten auf den Weltraumspaziergang geschickt.

Am 20. Juli soll die Atlantis zur Erde zurückkehren. Damit wird genau am 42. Jahrestag der Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin das Kapitel "Space Shuttle" geschlossen, das vor 30 Jahren am 12. April 1981 begann. Die Shuttle-Crew wurde für die letzte Mission von normalerweise sechs bis sieben auf vier Mitglieder reduziert, denn diesmal steht keine Rettungsfähre zur Verfügung, wie sie seit der Columbia-Katastrophe von 2003 üblich ist.

Sollte die "Atlantis" irreparabel beschädigt werden, müssten sich Ferguson, sein Pilot Doug Hurley sowie die Missionsspezialisten Sandy Magnus und Rex Walheim in die ISS retten.

Bolden und Obama machen den Amerikanern Mut

Nasa-Chef Charles Bolden hatte vor dem Atlantis-Start versucht, die in der US-Öffentlichkeit verbreitete Ansicht zu entkräften, das Ende des Shuttle-Programms bedeute zugleich das Ende der bemannten Raumfahrt der Amerikaner. Die USA schlössen nicht mit der bemannten Raumfahrt ab, sondern unternähmen vielmehr die "notwendigen und schwierigen Schritte, um heute die Vorherrschaft Amerikas" auf diesem Feld für die kommenden Jahre zu sichern, sagte er in einer Rede vor dem Nationalen Presseklub.

US-Präsident Barack Obama, der 2010 das Constellation-Programm seines Vorgängers George W. Bush für die bemannte Rückkehr zum Mond aus Kostengründen gestrichen hat, forderte einen "technologischen Durchbruch", um in der Raumfahrt neue und fernere Ziele wie etwa Asteroiden und den Mars ansteuern zu können. Die USA seien weiter in der Weltraumforschung führend, betonte er.

Ob der offiziell zur Schau getragene Optimismus die Amerikaner überzeugt, wird sich zeigen. Tatsache ist, dass das Ende der Shuttle-Story für Zehntausende in der Raumfahrtbranche selbst und im Dienstleistungsgewerbe rund um das Cape zugleich eine ungewisse Zukunft bedeutet.

US-Spaceshuttles im Bild

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