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Unscharfer Begriff:"Mexikanische Grippe" oder "Schweinegrippe"?

Der Begriff "Schweinegrippe" für die grassierende Seuche sollte nicht verwendet werden, fordern Experten. Es gebe aufgrund der Krankheitskomponenten keine Berechtigung für Begriff.

Der Begriff "Schweinegrippe" für die in Mexiko, in den USA und Kanada grassierende Seuche sollte nach Ansicht der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) nicht verwendet werden. Das die Krankheit auslösende Virus besitze Komponenten, die sowohl beim Menschen als auch bei Vögeln aufträten, erklärte die Organisation zur Begründung.

Wissenschaftliche Mitarbeiter testen die Funktionalität im neuen Hochsicherheitslabor der Virologie an der Philipps-Universität in Marburg. Das Institut für Virologie will gemeinsam mit dem Impfstoffhersteller Novartis Behring einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe entwickeln.

(Foto: Foto: ddp)

Zudem sei die Krankheit bis jetzt bei keinem Schwein nachgewiesen worden. Es gebe daher keine Berechtigung, von einer Schweinegrippe zu sprechen.

Die Organisation empfahl wegen der Herkunft der Seuche den Namen "Nordamerikanische Grippe". Das wäre mit der "Spanischen Grippe" vergleichbar, die 1918/19 ihren Ursprung in Spanien hatte und sich zu einer Pandemie entwickelte, an deren Folgen mehr als 50 Millionen Menschen starben. An der jetzt grassierenden Grippeepidemie sind in Mexiko sind bereits über 100 Menschen gestorben.

"Das Virus wurde bisher nicht in Tieren isoliert. Es ist daher nicht gerechtfertigt, diese Krankheit Schweinegrippe zu nennen." Das Virus beinhalte "in seiner Charakteristik Komponenten von Schweine-, Vögel- und Menschenviren", erklärte die OIE.

Die Anfälligkeit von Tieren gegen den Erreger müsse dringend erforscht werden, um zu ermitteln, ob Impfungen von Tieren sinnvoll seien. Derzeit wären Einschränkungen von Schweineimporten nur aus Gebieten gerechtfertigt, in denen das Virus in Schweinen auftrete und menschliche Infektionsfälle nachgewiesen seien.

Auch der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas C. Mettenleiter, sprach sich für einen anderen Namen aus. Der Erreger H1N1 weise zwar genetische Merkmale auf, die bei Schweineviren auftreten, sagte Mettenleiter. Diese Form des Erregers, wie sie aktuell vorkomme, sei beim Schwein jedoch nie nachgewiesen worden. "Die Bezeichnung ist irreführend. Es handelt sich nicht um den Erreger einer Tierseuche, sondern um einen humanen Influenzavirus." Die Grippe werde nicht von Tier zu Mensch, sondern von Mensch zu Mensch übertragen.

Der genaue Entstehungsweg der Viren sei noch unbekannt. "Wir nehmen aufgrund der genetischen Sequenzen an, dass der Erreger seinen Ursprung im Schwein hatte, wann er das Schwein verlassen und an den Menschen angepasst hat, wissen wir nicht." Im Tierbereich sind laut Mettenleiter keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen in Europa erforderlich. Die Influenzaviren vom Subtyp H1N1 beim Schwein kämen weltweit vor.

Auch Israel gegen den Begriff

Aus einem anderen Grund geht Israel gegen den Begriff "Schweinegrippe" vor. Um den Namen eines "unreinen" Tiers nicht in den Mund nehmen zu müssen, verbannte ein israelischer Regierungsvertreter kurzerhand den Begriff "Schweinegrippe" aus dem offiziellen Wortschatz.

Künftig werde die aus Mexiko stammende neuartige Krankheit nur noch als "Mexikanische Grippe" bezeichnet, teilte der stellvertretende Gesundheitsminister Jakov Litzman von der ultra-orthodoxen Thora-Partei am Montag mit. Ebenso wie im Islam gilt das Schwein bei den Juden als unreines Tier, der Genuss von Schweinefleisch ist verboten.

Seit dem Ausbruch der Schweinegrippe-Epidemie in Mexiko hat Israel einen Verdachtsfall gemeldet. Dabei handelt es sich um einen 26-Jährigen, der am vergangenen Freitag von einer Reise nach Mexiko zurückgekehrt war. Ein weiterer Mexiko-Rückkehrer wurde am Montag unter Quarantäne gestellt.