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Umwelt:Allein gegen den Klimawandel

Überschwemmungen werden aufgrund des Klimawandels häufiger.

(Foto: SANJAY KANOJIA/AFP)

Die reichen Staaten lassen die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Erderwärmung finanziell im Stich, zeigt ein Bericht der UN. Die Pandemie könnte die Situation verschärfen.

Von Christoph von Eichhorn

Die Welt wurde im vergangenen Jahr nicht nur von einem Virus heimgesucht. 2020 war zugleich das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Mehr als 50 Millionen Menschen waren von Überschwemmungen, Dürren oder starken Stürmen betroffen, in Staaten wie Australien, Brasilien oder Russland tobten schwere Waldbrände. Mit anderen Worten, die Auswirkungen des Klimawandels sind vielerorts voll zu spüren.

Damit wird es für hunderte Millionen Menschen überlebensnotwendig, sich an Extremwetter und andere Folgen der Erderwärmung rechtzeitig anzupassen. Wie nun ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt, bleiben die Industriestaaten bei der Finanzierung dieser Anpassung jedoch hinter ihren Zielen zurück. Demnach fließen derzeit jährlich rund 30 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 25 Milliarden Euro, in Maßnahmen etwa zur Anpassung an steigende Meeresspiegel, Dürren, Erdrutsche, Hitzewellen oder Überschwemmungen. Dies deckt jedoch nicht den tatsächlichen Bedarf in Entwicklungsländern, den die UN auf derzeit rund 70 Milliarden US-Dollar schätzen. Bis 2030 könnte der Bedarf für Anpassungsmaßnahmen auf 300 Milliarden steigen, bis Mitte des Jahrhunderts auf eine halbe Billion Dollar - jedes Jahr.

Hintergrund ist, dass sich die Staaten im Vertrag von Paris 2015 neben der Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst unter 1,5 Grad Celsius auch dazu verpflichtet haben, die unweigerlichen Folgen der Erderwärmung für die Bevölkerung abzufedern. Die reichen Staaten sollen die ärmeren dabei finanziell unterstützen, etwa über Mechanismen wie den Grünen Klimafonds GFC. Dahinter steckt die Überlegung, dass Industriestaaten wie Deutschland und die USA historisch gesehen das Klima stärker belastet haben als Entwicklungsländer. Zugleich bekommen letztere die Erderwärmung besonders schnell und massiv zu spüren und sind am wenigsten dafür gewappnet.

Werden Mangrovenwälder gut gepflegt, können sie auch als wertvolle Barriere gegen Sturmfluten dienen

Dass der finanzielle Bedarf immer größer wird, hat auch damit zu tun, dass die Welt bei der Bekämpfung des Klimawandels längst nicht auf Kurs ist. Selbst wenn alle nationalen Zusagen zur Treibhausgasreduktion eingehalten werden (was zweifelhaft ist), würde sich die Erde nach Berechnungen der UNEP um rund drei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit aufheizen, also weit mehr als angestrebt. Damit wachsen auch die Risiken durch Extremwetterereignisse deutlich.

Doch welche Maßnahmen bieten überhaupt Schutz gegen solche Folgen der Erderwärmung? Laut UN-Bericht sind das etwa Investitionen in Frühwarnsysteme, robuste Infrastruktur, aber auch sogenannte "naturbasierte Lösungen". Damit ist gemeint, dass der Erhalt der Natur häufig auch der beste Puffer gegen Klimaveränderungen ist. Werden etwa Mangrovenwälder gut gepflegt, können sie auch als wertvolle Barriere gegen Sturmfluten dienen und die Erosion an den Küsten bremsen. Solche Ökosysteme zu erhalten, habe noch weitere positive Nebeneffekte. Intakte Korallenriffe bremsen nicht nur Wellen vor den Küsten ab, sie bieten etwa auch Fischen Lebensraum und erhalten somit die Lebensgrundlage von Fischern. Das Anlegen von Grüngürteln in trockenen Regionen bedeutet nicht nur für Menschen mehr Schatten und Zugang zu Wasser, sondern hilft auch Insekten und anderen Pflanzen. Der Erhalt solcher Ökosysteme beugt damit auch dem Verlust der Artenvielfalt vor.

Allerdings fließen bislang nur etwa 14 Prozent der gesamten Ausgaben für die Klimawandelanpassung in solche preisgünstigen naturbasierten Maßnahmen. Für die Zukunft ist die Finanzierung äußerst unsicher. Das Coronavirus habe die Anpassung an den Klimawandel von der politischen Agenda weitgehend verdrängt, berichten die Umweltwissenschaftler der UN. Die mit der Pandemie einhergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten dafür sorgen, dass die Finanzlücken bei der Klimaanpassung in den nächsten Jahren nur noch größer werden.

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