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Sternenhimmel:Flüchtendes Licht

Sternenhimmel von Anfang Juli 0.30 bis Ende Juli 22.30 Uhr

(Foto: M.Rothe)

Wie schnell expandiert eigentlich das Universum? Astrophysiker verweisen auf die "Hubble-Konstante". Doch so einfach ist die Lage nicht.

Am südwestlichen Abendhimmel finden wir jetzt tief über dem Horizont die weiß schimmernde Spika, den Hauptstern im Bild Jungfrau. In dieser Konstellation erspähen gut ausgerüstete Amateur-Astronomen im Teleskop ein Lichtpünktchen mit der Bezeichnung 3C273. Vor einem halben Jahrhundert fanden Forscher heraus, dass die Linien im Spektrum dieses Objekts stark in den roten Bereich verschoben sind. Demnach rast 3C273 mit einer Geschwindigkeit von 45000 Kilometern pro Sekunde (!) von uns davon und ist 2,4 Milliarden Lichtjahre entfernt. Hinter dem Sternchen verbirgt sich eine junge Galaxie, die, von einem Schwarzen Loch in ihrem Herzen angetrieben, unvorstellbare Energiemengen ins All bläst.

Einen solchen Quasar kannte Vesto Slipher noch nicht, als er 1912 am Lowell-Observatorium ferne Galaxien beobachtete. Dabei bemerkte er in den Spektren der meisten Milchstraßen eine Rotverschiebung - Zeichen für eine rasche Bewegung von uns weg. Edwin Hubble bestimmte mit dem 2,5-Meter-Teleskop der Sternwarte auf dem Mount Wilson in den 1920er-Jahren die Entfernungen zu einigen Galaxien. Der Belgier Georges Lemaître veröffentlichte 1927 einen Aufsatz, in dem er einen Zusammenhang zwischen Fluchtgeschwindigkeit und Distanz einer Galaxie herstellte: je höher die Geschwindigkeit, desto größer die Entfernung. Das Universum dehnt sich also aus. Dieser Befund passte zu Lemaîtres Theorie, wonach das Weltall aus einem "Uratom" entstanden sei und seither expandiere.

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Diese Expansionsrate beschreibt die "Hubble-Konstante". Der Parameter ist schwer zu bestimmen. Noch vor 20 Jahren lag die Unsicherheit bei 50 Prozent; heute beträgt sie zwischen zehn und fünf Prozent. Den Astronomen liegt viel an einer präzisen Messung, denn die Hubble-Konstante spiegelt viele wichtige kosmologische Eigenschaften wider: die Geometrie des Raums, die Anteile der Dunklen Energie und Dunklen Materie oder die Masse der Neutrinos. So diskutierten rund 50 Astrophysiker aus aller Welt bei einem vierwöchigen Workshop in Garching über Methoden, den Wert der Hubble-Konstante auf ein Prozent genau festzulegen.

Merkur bietet zwischen 20. und 26. Juli ein dürftiges Sichtbarkeitsfenster in der östlichen Morgendämmerung. Venus glänzt als Morgenstern im Osten. Mars in der Jungfrau zeigt sich während der ersten Nachthälfte. Am 12. Juli zieht er am hellen Stern Spika vorbei; um die Monatsmitte geht er gegen 0.30 Uhr unter. Während Jupiter am Taghimmel steht, ist Saturn in der Waage Planet der ersten Nachthälfte; am 7. Juli erhält er Besuch vom zunehmenden Mond. Zwergplanet Pluto gerät am 4. Juli im Sternbild Schütze in Opposition zur Sonne und ist dabei 4,737 Milliarden Kilometer von uns entfernt. Fahrplan des Erdtrabanten: Erstes Viertel am 5., Vollmond am 12., Letztes Viertel am 19. und Neumond am 26. Juli.