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Geheimbünde:Die Mafia

Al Capone mit Sohn, 1931

Al Capone mit seinem Sohn Al junior 1931 bei einem zugunsten von Arbeitslosen in Chicago veranstalteten Wohltätigkeits-Baseballspiel

(Foto: Scherl)

Ursprünglich war sie ein Geheimbund, doch bereits vor langer Zeit hat sich die italienische Mafia zu einer Vereinigung jenseits des Gesetzes und des Staates entwickelt.

Geheimbünde haben meist religiöse, okkultistische oder politische Hintergründe, können aber auch andere Machtinteressen verfolgen und umfassen auch kriminelle Verbindungen.

Solche Organisationen, wie die italienische Mafia und die chinesischen Triaden, haben sich aus Geheimbünden entwickelt, deren Tradition oft weit zurückreicht. Sie existieren jenseits des Gesetzes und des Staates, denn sie bilden ihren eigenen Staat, haben ihre eigenen Gesetze, deren Einhaltung von den eigenen Organen kontrolliert wird.

Die Mafia ist eine Ende des 18. Jahrhunderts in Sizilien entstandene, kriminelle Geheimgesellschaft mit wechselnden politischen, wirtschaftlichen und verbrecherischen Aktivitäten. Ursprünglich waren es bewaffnete Gruppen, welche die Bauern vor Übergriffen der Spanier und Franzosen schützen sollten.

In der Zeit des Feudalismus im 19. Jahrhundert entstanden daraus Schutztruppen sizilianischer Großgrundbesitzer. Schließlich begannen diese Gruppen auf eigene Rechnung zu arbeiten - gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Mafia ein Netz krimineller Banden geworden, die in Sizilien das Land beherrschten. Sie bildeten einen Geheimbund, dessen Riten sich stark an die der Freimaurer und Carbonari anlehnten.

Die Mitglieder (Mafiosi) waren durch strengste Verhaltensregeln (die Omertà) gebunden, die auch jeden Kontakt und jede Zusammenarbeit mit den Behörden verboten. Sie wählten die Kandidaten aus, die der Organisation beitreten sollten. Zuvor waren diese bereits anhand von einigen Aufträgen, darunter auch schon einmal ein Mord, geprüft worden, ob sie sich für die zukünftigen Aufgaben eigneten.

Da die sizilianische Mafia aus einer Geheimgesellschaft hervorging, besitzt sie ihre eigene Struktur, ihre eigenen Aufnahmerituale und ihre eigenen Begriffe von Ehre.

Man kann sagen, dass die Mafia ein Staat im Staate ist. Sie bewahrt in ihrem Innern Geheimnisse, handelt im Verborgenen und versucht, ihre Existenz so geheim wie möglich zu halten.

Patriarchalisch organisiert

Die Mafia besteht aus sogenannten Familien, wobei es sich hier nicht um Familien von Blutsverwandten handelt. Es sind vielmehr streng hierarchisch strukturierte Gruppen mit Mitgliedern sizilianischer Abstammung, die für ihre jeweiligen Gebiete zuständig sind.

Die einzelnen Gruppen sind oft durch Blutschwur verbunden und durch Eid zur Geheimhaltung verpflichtet. Verstöße gegen die Regeln werden oft mit brutalsten Mitteln bestraft.

Die Mafia ist patriarchalisch organisiert, die Mitglieder sind ausschließlich Männer. Jede Familie hat einen Boss, dem jedes Mitglied zu absolutem Gehorsam verpflichtet ist. Den Bossen steht wiederum der Boss der Bosse (capo di tutti capi) vor. Er hat die uneingeschränkte Macht über alle Familien.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts waren Mitglieder der Mafiawie viele andere Italiener in die USA ausgewandert, sodass die Organisation sich auch dort ausbreitete. Sie begann bald, ihre Landsleute in den Großstädten zu erpressen. Viele Mafiabosse übernahmen die völlige Kontrolle über italienische Viertel, wie z. B. Little Italy in New York und Chicago. So entwickelten sich Kontakte zu neuen "Familien".

Bald mischte die Mafia im organisierten Verbrechen der USA kräftig mit, besonders in den 1920er-Jahren, während des Alkoholverbots (Prohibition). In den 1930er-Jahren entstand der Begriff "Cosa Nostra" (unsere Sache) für die Mafia- Organisationen der USA. Heute wird der Begriff "Cosa Nostra" auch für die Mafia in Italien verwendet.

Die faschistische Regierung unter Benito Mussolini (1883-1945) konnte die Aktivitäten der Mafia zeitweise unterdrücken, da die Organisation 1929 zerschlagen wurde. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie neu entstanden. In den folgenden 30 Jahren entwickelte sich die Organisation nicht nur in Sizilien, sondern in ganz Italien zu einem Machtfaktor. Ihre Aktivitäten konzentrieren sichheute vor allem auf Drogenhandel, Prostitution und das Baugewerbe.

Allein in Italien soll die Mafia schätzungsweise 100 Milliarden Euro jährlich erwirtschaften. Die Gewinne gelangen in den normalen Wirtschaftskreislauf und werden auf diese Weise legalisiert. Neben Drogenhandel bildet die Erpressung von Schutzgeldern die Haupteinnahmequelle der Mafia. Laut den italienischen Medien sollen 70 Prozent aller sizilianischen Unternehmer und Geschäftsleute Schutzgeld bezahlen. Allein auf Sizilien nimmt die Mafia durch Schutzgeld und Erpressung rund sieben Milliarden Euro jährlich ein.

Weite Teile des italienischen Wirtschaftslebens und der Politik sind bis in höchste Ränge von der Mafia durchsetzt. Die italienische Regierung leitete Ende der 1970er- Jahre eine Kampagne gegen die Mafia ein. Vor allem der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone (1939-92), selbst aufgewachsen in Palermo, stellte sich mutig gegen die mächtige geheime Gesellschaft der "Ehrenmänner".

Die Kampagne führte zu einer Reihe von Verhaftungen, u. a. von Mafiaboss Salvatore Riina (geb. 1930), und Prozessen. In dieser Zeit ermordete die Mafia jedoch zahlreiche hochrangige Justizund Regierungsbeamte - auch Falcone fiel 1992 diesen Morden zum Opfer. Ebenso wie in Italien wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren die Strafverfolgung mutmaßlicher Mafiabosse auch in den USA vorangetrieben.

Trotz dieser Erfolge ist die Mafia heute die stärkste kriminelle Organisation Europas. Ihr Hauptsitz befindet sich auf Sizilien. Sie hat etwa 5000 Mitglieder und mindestens 20.000 Sympathisanten.

Camorra

Die Camorra, ein terroristischer Geheimbund, entstand wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts in Neapel. Sie hatte ihren Ursprung in einer Bruderschaft von Gefangenen und wurde um 1830 bekannt. Die Gefangenen in den Gefängnissen verbündeten sich, um sich gemeinsam gegen die Brutalität der Wärter zu schützen.

Jeder neue Häftling musste sich diesem Bund anschließen, weigerte er sich, konnte er sogar zu Tode gefoltert werden. Andernfalls wurde er unter den Schutz des Bundes gestellt. Entlassene Gefangene bildeten später die Straßen-Camorra. Die Mitglieder der Camorra, die Camorristi, waren in Schmuggel, Erpressung, Bestechung, Raub und Mord verwickelt und plünderten und terrorisierten das Land viele Jahre lang.

Wer in den Geheimbund aufgenommen werden wollte, musste Mut und Eifer beweisen und wurde zunächst als Novize eingeweiht. Während des drei- bis sechsjährigen Noviziats musste der Kandidat an der Seite eines Mitglieds alle kriminellen Kniffe und die Ziele der Gesellschaft kennenlernen.

Hatte der Kandidat seine Fähigkeiten, auch die zum Morden, unter Beweis gestellt, erfolgte die endgültige Aufnahme. Dazu musste er vor den Wahrzeichen des Geheimbundes - einem Dolch, einer Pistole, einem Glas mit vergiftetem Wein und einer Lanzette - einen Bluteid schwören und erklären, dass er bereit sei, im Dienst des Geheimbundes zu sterben. Erst dann war er ein gleichberechtigtes Mitglied der Organisation Diese bestand aus vielen Zentren und jedes Zentrum aus mehreren Abteilungen.

Über der ganzen Organisation stand der Vicario, dem die Meister der Zentren assistierten. Die Camorristi arbeiteten meist in Gruppen und verständigten sich untereinander durch besondere Rufe und Zeichen. Ihre Aktivitäten reichten von Raub bis hin zu Erpressung von Schutz- und Schweigegeldern. Oft wurden hohe Beamte bestochen, sodass die Camorra auch im Dienst der Behörden tätig war.

Die Camorra wurde von dem letzten neapolitanischen König verfolgt und verbündete sich deshalb 1860 mit dem Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi im Kampf gegen die regierenden Bourbonen. In dieser Zeit erlebte die Camorra eine Blüte. In der Zeit nach der Einigung Italiens versuchte die neue Regierung, die Camorristi im Polizeidienst einzusetzen, der Versuch scheiterte jedoch.

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