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Schweinegrippe:Fünftes Todesopfer in den USA

Im US-Bundesstaat Texas ist ein 33-Jähriger am Schweinegrippe-Erreger gestorben. Das Virus greift unterdessen auf Indien und die Türkei über.

Die Schweinegrippe greift weiter um sich. Nun wurden erstmals auch aus Indien und der Türkei Erkrankungen gemeldet. In den USA forderte der Erreger ein fünftes Todesopfer. Ein 33-jähriger Mann aus dem Bundesstaat Texas sei an dem Erreger gestorben, teilten die US-Gesundheitsbehörden am Freitag mit.

Indische Ärzte untersuchen am Flughafen Ahmedabad die Einreisenden auf Schweinegrippe-Symptome.

(Foto: Foto: AFP)

Das Gesundheitsministerium im indischen Neu Delhi teilte mit, ein 23-Jähriger sei positiv auf das Virus A/H1N1 getestet worden. Der Mann sei bereits am Mittwoch von den Vereinigten Staaten in die südindische Stadt Hyderabad geflogen.

Die Fluglinie sei gebeten worden, eine Liste mit allen Passagieren zu erstellen, die in der Nähe des Kranken gesessen hätten. Die Daten würden dann über das Außenministerium an die Weltgesundheitsorganisation WHO und an jene Länder weitergegeben, aus denen die Passagiere stammten.

Die türkischen Gesundheitsbehörden entdeckten bei einem Transit-Reisenden aus den USA den ersten Fall von Schweinegrippe im Land. Wärmekameras am Flughafen hätten bei ihm starkes Fieber angezeigt. Der Erkrankte sei am Freitagabend gelandet. Menschen, die mit ihm zuletzt Kontakt hatten, stünden unter Beobachtung.

Nach der jüngsten Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Samstag ist die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Infektionen weltweit inzwischen auf mehr als 8400 gestiegen. In 36 Ländern seien inzwischen 8451 Menschen erkrankt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

WHO warnt vor Impfstoff-Mangel

Die Zählung der WHO ist jedoch in der Regel langsamer als die der nationalen Gesundheitsbehörden. So waren der fünfte Todesfall in den USA und die am Samstag aus Indien und der Türkei gemeldeten Fälle noch nicht in der Statistik enthalten.

Der WHO-Statistik zufolge erlagen bislang weltweit 72 Menschen dem neuartigen Virus. In den USA gab es inzwischen mehr Infektionen als in Mexiko, wo das Virus zuerst aufgetaucht war. Aus den USA wurden über 4700 Infektionen und vier Tote gemeldet, in Mexiko waren es knapp 2900 Erkrankungen und 66 Tote.

In Kanada, wo sich etwa 500 Menschen angesteckt haben, starb ein Mensch an der Schweinegrippe. In Costa Rica, das neun Infektionen zählt, erlag der Grippe ebenfalls ein Patient.

Die WHO warnte unterdessen, dass der weltweite Bedarf an Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus im Falle einer Pandemie nicht zu decken sei. Selbst wenn die Impfstoffproduktion gegen das Influenza-Virus A (H1N1) bald in Gang komme, würden im Falle einer weltweiten Seuche "Milliarden von Impfdosen fehlen", sagte die WHO-Direktorin für Impfstoffe, Marie-Paule Kieny, dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Gerade für die armen Länder werde "absolut nichts übrig sein". Die Pharmafirmen könnten innerhalb des kommenden Jahres maximal bis zu zwei Milliarden Impfdosen herstellen. Das meiste davon sei aber bereits an Industrieländer verkauft. Kieny regte an, eine Beschränkung der Impfprogramme der Industrienationen auf Risikogruppen zu überprüfen, um mehr Impfstoff für ärmere Länder bereitstellen zu können.

Der Londoner Epidemiologe Neil Ferguson sagte dem Spiegel, dass der Erreger womöglich "in sechs bis neun Monaten" weltweit verbreitet sein werde. Ein Drittel der Menschheit werde sich infizieren. Bisher habe das Virus meist zu leichten Verläufen geführt - was allerdings bei den Grippe-Pandemien von 1918, 1957 und 1968 anfangs ebenso gewesen sei.