Schulattentäter Wer sind die Täter?

Wieso besorgt sich ein junger Mann eine Waffe und richtet an einer Schule ein Blutbad an? Und warum konnte das niemand verhindern? Einfache Antworten darauf gibt es nicht.

Von Markus C. Schulte von Drach

Jedes Mal, wenn es zu einem Amoklauf an einer Schule gekommen ist, stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte - und warum zuvor niemand bemerkt hat, dass Gefahr droht. Antworten zu finden ist nicht einfach.

Vor seinem Amoklauf zeichnete einer Täter von Columbine seine Gewaltfantasien in ein Heft.

(Foto: Foto: AP/Jefferson County Sherriff)

Schulpsychologen weisen immer wieder darauf hin, dass vor allem Freunde, Bekannte, Eltern und Lehrer sehr genau hinschauen müssen, um auffälliges Verhalten als Hinweis auf schwerwiegende Störungen einer Persönlichkeit zu erkennen, die zu einem Amoklauf führen können. Doch worauf sollten sie achten?

Nachdem 1999 zwei Studenten der Columbine High School in Littleton 13 Menschen erschossen hatten, versuchten das FBI und der amerikanische Secret Service, das Profil von Schulattentäters zu erstellen. Bereits damals stellten die Fachleute fest, dass dies fast unmöglich ist.

So hatten manche junge Amokläufer Probleme in der Schule, waren Waffennarren oder hatten sich intensiv mit Gewalt beinhaltenden Computerspielen oder Filmen beschäftigt. Das alles trifft jedoch auf viele junge Menschen zu - und nur auf einen Teil der Schulattentäter. Auffällig viele der Betroffenen waren allerdings von anderen schikaniert worden, oder hatten sich zumindest eingebildet, von diesen verfolgt, beleidigt und erniedrigt zu werden.

Es gibt Warnzeichen. So sollte man darauf achten, ob sich Jugendliche oder junge Erwachsene sozial stark zurückziehen oder isolieren, Symptome einer Depression zeigen und offenbar hoffnungslos und verzweifelt sind. Das gleiche gilt, wenn sie sich demonstrativ auf Vorbilder wie den Teufel oder Hitler berufen, extreme Gedanken, Fantasien oder sogar konkrete Vorstellungen und Pläne in Bezug auf Gewaltverhalten äußern. Das kann in Form von Erzählungen, aber auch Geschichten, Gedichten oder Aufsätzen passieren. Und wenn jemand Waffen herumzeigt und Drohungen ausstößt, so sollte das immer sehr ernst genommen werden.

Für sich genommen müssen alle diese Verhaltensweisen noch nicht auf eine Gefahr hinweisen. Wenn jedoch mehrere solcher Auffälligkeiten beobachtet werden, ist es höchste Zeit, sich um die Betroffenen zu kümmern. Insbesondere wenn sich das Verhalten eines Schülers dramatisch verändert, könnte ein Amoklauf tatsächlich kurz bevorstehen.

Problematisch ist, dass potentiellen Amokläufern offenbar häufig Vertrauenspersonen fehlen, mit denen sie über ihre Schwierigkeiten sprechen könnten. Unter den Altersgenossen stoßen sie darüber hinaus häufig eher auf Ausgrenzung und Spott als auf Veständnis und Hilfe.

Rache an der Umwelt

Viele Schulattentäter litten offenbar unter psychischen Problemen oder Störungen - die jedoch nicht erkannt oder nicht (ausreichend) behandelt worden waren. Etliche der Amokläufer waren nicht in der Lage, mit Kritik und Zurückweisungen oder Enttäuschungen vernünftig umzugehen. Ein immer wiederkehrendes Merkmal ist, dass die Betroffenen einerseits unter einem mangelnden Selbstwertgefühl leiden, sich aber zugleich für etwas Besonders halten.

Die Verantwortung für das eigene Versagen können sie deshalb nicht übernehmen, sondern sie geben einer aus ihrer Sicht ungerechten, feindlichen Umwelt die Schuld. Der Amoklauf ist für sie schließlich ihre Rache für alles Unrecht, das sie ihrer Meinung nach erleiden mussten.

Fachleute wissen demnach bereits viel über Schulattentäter. Und doch bleibt es sehr schwierig, eine solche Tat vorherzusehen - schon weil die meisten Menschen sich einfach nicht vorstellen können, dass jemand, den sie kennen oder der in ihrer Klasse sitzt, zum Mörder werden könnte. Umso wichtiger ist es, dass Lehrer, Eltern und Altersgenossen sensibel auf die Probleme junger Menschen reagieren und sich um sie kümmern, bevor es zu spät ist.